Zukunftspreis : Qualifiziertes Quartett

Die Kandidaten für den Deutschen Zukunftspreis stehen fest. Horst Köhler wird den mit 250.000 Euro Preis am 3. Dezember überreichen.

Ralf Nestler

Am 3. Dezember ist es soweit: Zum zwölften Mal vergibt der Bundespräsident den mit 250 000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis. Am gestrigen Dienstag wurden jene vier Forscherteams vorgestellt, die es in die letzte Runde des Wettbewerbs geschafft haben. „Die Fachgebiete zeigen, was in Zukunft wichtig sein wird“, sagte der Chef des Bundespräsidialamts Gert Haller bei der Vorstellung der Kandidaten im Schloss Bellevue.

Das erste Team sind Forscher um Nikolaus Benz von der Firma Schott Solar in Mitterteich (Bayern). Dank ihrer Entwicklungen sind solarthermische Kraftwerke deutlich effizienter geworden. Bei diesen Anlagen wird die Sonnenstrahlung mit nach innen gewölbten Spiegeln auf ein Rohr im Zentrum fokussiert. In dieser Röhre zirkuliert ein Spezialöl, das sich erhitzt und seine Wärme an einen Dampfkessel abgibt. Der Dampf wiederum treibt eine Turbine an – wie in einem Kohlekraftwerk. Benz und seine Kollegen haben das Rohr, das die Sonnenstrahlung aufnehmen soll, mehrfach verbessert. So haben sie eine neue Metall-Beschichtung entwickelt, die 95 Prozent der Sonnenstrahlung in Wärme verwandelt und an das Spezialöl weitergibt. Im Vergleich zu herkömmlichen Beschichtungen sind die Wärmeverluste um ein Drittel geringer.

Die zweite Forschergruppe stellte mitwachsende Herzklappen für Kinder vor. Wie eine Art Rückschlagventil sorgen die vier Klappen im menschlichen Herzen für einen gerichteten Blutstrom – in 50 Lebensjahren sind es rund 150 Millionen Liter. Bislang implantierte Herzklappen haben Nachteile: Träger von mechanischen Modellen müssen lebenslang Blutverdünner nehmen, Gewebetransplantate halten nur wenige Jahre und müssen erneuert werden. Das Team um Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover hat Klappen entwickelt, die diese Nachteile nicht haben und außerdem mitwachsen – also ideal für herzkranke Kinder sind. Basis ist eine natürliche Herzklappe eines Verstorbenen. Mithilfe einer speziellen Waschlösung gelingt es den Forschern, die körperspezifischen Zellen des Spenders vollständig zu entfernen und damit Abstoßungen zu verhindern. Übrig bleibt nur ein Kollagengerüst. Auf diesem Bindegewebe werden Körperzellen des Empfängers angesiedelt, damit die neue Klappe gut anwächst. Die Zellen können sogar Wachstumssignale des Körpers empfangen. Von den mehr als 20 Kindern, denen eine derartige Klappe eingesetzt wurde, wuchs bei rund der Hälfte das implantierte Gewebe synchron mit dem Rest des Körpers, berichtete Haverich.

Das Team um Jiri Marek von der Firma Bosch aus Reutlingen präsentierte eine neue Generation von Sensoren. Ähnlich wie Crash-Sensoren in Autos messen die Geräte Beschleunigungen oder Druckunterschiede. Weil sie mit einer Größe von drei mal drei Millimetern viel kleiner sind als ihr Pendant in Fahrzeugen, können sie in tragbaren elektronischen Geräten eingebaut werden: in Laptops, um bei Erschütterungen die Festplatte abzuschalten, zur Bedienung von Mobiltelefonen oder für Spielkonsolen. Um die Auto-Sensoren auf das Maß für tragbare Geräte zu schrumpfen, haben die Ingenieure unter anderem ein Ätzverfahren entwickelt, das Strukturen erzeugen kann, die nur ein Mikrometer breit und bis zu 50 Mikrometer tief sind. Zum Vergleich: ein Haar ist 50 bis 100 Mikrometer dick. So gelang es Marek und seinen Kollegen, winzige Federn und Massen auf einen Chip zu bringen, der Beschleunigungen misst.

Der vierte Kandidat für den Deutschen Zukunftspreis ist ein digitales Funk-Mikrofon. Entwickelt wurde es von Jörg Sennheiser von der gleichnamigen Firma aus Wedemark bei Hannover und seinen Mitarbeitern. Bislang war es nicht gelungen, drahtlose Mikrofone auf Digitaltechnik umzustellen, weil die Datenmenge zu groß für die schmalen Funkkanäle ist. Die Audiotechniker haben ein Verfahren gefunden, um mehrere Informationseinheiten zugleich zu verschicken und am anderen Ende wieder voneinander zu trennen. Ralf Nestler

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