Zum Geburtstag von Hans N. Weiler : „Respektlos, merkwürdig und fröhlich“

Seit 50 Jahren wirkt der frühere Stanford-Professor und erste Präsident der Viadrina in der Hochschulpolitik.. Jetzt wird Hans N. Weiler 80 Jahre alt

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Hans N. Weiler. Der Hochschulmanager fordert von den deutschen Hochschulen seit Jahrzehnten Reformen. Manches hat sich inzwischen in seinem Sinne bewegt. Aber Weiler gibt den Deutschen noch weitere Hausaufgaben auf.
Hans N. Weiler. Der Hochschulmanager fordert von den deutschen Hochschulen seit Jahrzehnten Reformen. Manches hat sich inzwischen...Foto: privat

„Neues aus Weilers Werkstatt“ heißt eine Rubrik auf seiner Homepage. Wer Hans N. Weilers Werkstatt betritt, findet sich sogleich auf der Höhe aktueller Debatten wieder. „E-Learning an US-Hochschulen – Kommt der Tsunami?“, „Amerikas Hochschulen in der Krise – Ist das ,Modell USA‘ in Gefahr?“ und: „Sind die Hochschulreformen in Deutschland gescheitert?“ lauten die Titel seiner jüngsten Aufsätze.

Weiler werkelt auf einer Baustelle, auf der manches falsch läuft und die nie fertig wird: Seit über 50 Jahren beobachtet er die Entwicklung der Hochschulen – und fordert Reformen, diesseits wie jenseits des Atlantiks. Dass der Pädagoge und Politikwissenschaftler, zwischen 1965 und 1994 Professor in Stanford, dabei das US-System immer auch im Lichte des deutschen Systems kritisch betrachtete und umgekehrt, hilft seinem Publikum, den Blick auf die Stärken und Schwächen der jeweiligen Hochschullandschaft zu schärfen.

Sein Rat war und ist begehrt, die Fülle seiner Vorträge an Hochschulen und auf Bildungskongressen, Mitgliedschaften in Expertenkommissionen und Kuratorien ist schwer zu überblicken. Journalisten befragen Weiler wie ein Orakel, das allein den Weg aus der Hochschulmisere weisen kann. Zu Weilers vielen Aktivitäten gehört seine Zeit als Direktor des Internationalen Instituts für Bildungsplanung der Unesco in Paris (1974 bis 1977), seine Tätigkeit als Berater der Weltbank, der Afrikanischen Entwicklungsbank, der Regierungen von Tansania, Ägypten, Malaysia und Indonesien. Dem Praxistest unterzog er sich selbst, als er 1993 der erste Rektor der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) wurde (bis 1999).

Danach schob Weiler die Gründung der privaten Hertie School of Governance in Berlin an, deren Kuratorium er bis 2009 angehörte: „Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden“, sagte er, als er dort am Montag vor Studierenden und Professoren sein Buch zur Geschichte der privaten Hochschule präsentierte („Die Erfindung einer privaten Hochschule für öffentliches Handeln“).

Manche von Weilers früheren Forderungen für die staatlichen Hochschulen sind inzwischen erfüllt: Die ZVS für die Verteilung von stark nachgefragten Studienplätzen ist abgeschafft, die Hochschulen haben mehr Autonomie und stehen miteinander im Wettbewerb, für die Lehrerbildung entstehen an den Unis Professional Schools.

Die von Weiler schon vor langer Zeit dringend für Deutschland geforderten Studiengebühren haben allerdings eine kurze Probephase in sieben Bundesländern nicht überlebt. Und seine Viadrina steht im Wettbewerb um Forschungsmittel und bei der Internationalisierung nicht so gut da, wie Weiler, Ehrenbürger von Frankfurt (Oder), es sich gewünscht hat. „Sie ist so etwas wie mein Kind“, hat Weiler über die Hochschule einmal gesagt und festgelegt, dass die Viadrina später – wie Stanford – einen Teil seines Vermögens erbt.

Weiler erkennt an, dass die deutschen Hochschulen sich bewegt haben. Als Hausaufgaben trägt er den Deutschen auf, die Bologna-Reform auch inhaltlich zu vollziehen, die Promotion in Graduiertenschulen zum Standard zu machen oder bei der Berufungspraxis an internationale Standards der Qualitätssicherung anzuschließen. Wie die ideale Universität der Zukunft sein soll? „Ehrlich, respektlos, merkwürdig und fröhlich“, hat Weiler einmal gesagt – Attribute, die ihn selbst wohl auch auszeichnen.

Weiler, ein Obama-Fan, wenn auch ein enttäuschter, ist US-Amerikaner – „by naturalisation“, wie er erklärt. Zur Bekräftigung hat er seine Zweitwohnung in Berlin-Charlottenburg vor zwei Jahren aufgegeben und lebt nur noch in Stanford. Aber Weiler hängt an Deutschland und feiert seine wichtigen Geburtstage immer hier. Zu seinem 80. am morgigen 13. September hat er Freunde und Wegbegleiter in die Hertie School of Governance eingeladen.

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