Zwei Moleküle, ein Medikament : Doppelschlag gegen Krebs

Das Mesotheliom ist nur schwer zu behandeln. Jetzt gibt es einen neuen Therapieansatz, bei dem ein Zellgift in die Krebszellen "eingeschmuggelt" wird.

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Unsichtbare Gefahr. Asbestfasern erhöhen das Risiko für ein Mesotheliom, eine besonders aggressive Geschwulst.
Unsichtbare Gefahr. Asbestfasern erhöhen das Risiko für ein Mesotheliom, eine besonders aggressive Geschwulst.Foto: picture alliance / ZB

Mesothelin ist eine lohnende Zielscheibe. Das Eiweißmolekül (Protein) wird überwiegend von besonders aggressiven Tumoren wie Eierstock-, Lungen- und Lungenfellkrebs gebildet. Gerade beim Lungenfellkrebs oder Mesotheliom gibt es bislang kaum Therapiemöglichkeiten. Nach der Diagnose haben die Betroffenen oft nur noch Monate zu leben. Charlotte Kopitz von der Pharmafirma Bayer Pharmaceuticals berichtete beim Kongress „Future Medicine“ über einen neuen Behandlungsansatz. Zusammen mit ihren Kollegen hat die Wissenschaftlerin ein potenzielles Medikament gegen das Mesotheliom entwickelt. Es besteht aus zwei miteinander gekoppelten Wirkstoffen.

Wirkstoff Nummer eins ist ein Antikörper. Diese molekulare Lenkwaffe in Form eines Proteins spürt das tumortypische Mesothelin auf, das in der Hülle der Krebszellen eingelassen ist. An den Antikörper ist als Wirkstoff Nummer zwei ein Zellgift gebunden. Sobald der Antikörper sich an Mesothelin geheftet hat, wird er mitsamt seiner giftigen Fracht von der Tumorzelle aufgenommen. Der Antikörper wirkt also wie ein trojanisches Pferd. In der Zelle wird dann das eigentliche Gift frei, das ursprünglich in Pflanzen gefundene Maytansin. Es tötet die Krebszelle.

Die ersten Patienten wurden bereits mit dem Doppel-Wirkstoff namens Anetumab-Ravtansine behandelt, wie Kopitz sagte. Bei fünf von zehn Kranken schrumpfte der Tumor, bei weiteren vier wuchs er zumindest nicht weiter. Natürlich sind das nur vorläufige Ergebnisse. Jetzt haben Tests an einer größeren Patientengruppe begonnen, in denen das neue Mittel mit einem herkömmlichen verglichen wird.

Das ist Anlass zur Hoffnung nach einem langen Weg. Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit die Idee zu dieser Behandlung geboren und das Vorhaben begonnen wurde, wie Kopitz berichtete. Auch wenn es noch dauert, bis das Medikament zugelassen wird – das Ziel ist in Reichweite.

Am 7. November fand in Berlin der „Future Medicine“-Kongress des Tagesspiegels und des Berlin Institute of Health statt. In dieser Serie berichten wir über herausragende Vorträge auf dem Kongress.

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