Wissenschafts-Jahr : Viel Charme für China

01.04.2009 00:00 UhrVon Anja Kühne

In Berlin wurde das deutsch-chinesische Wissenschaftsjahr eröffnet. Es geht unter anderem um neue Kooperationen in der Klima-, Energie- und Gesundheitsforschung.

Mit einer großen Charmeoffensive haben deutsche Vertreter aus Politik und Wissenschaft am Montag das „Deutsch-Chinesische Jahr der Wissenschaft und Bildung 2009/2010“ in Berlin eröffnet. Die Redner übertrafen einander im Lob der deutsch-chinesischen Beziehungen und beschworen deren jahrzehntelange Tradition. Der Gastgeber der Veranstaltung, FU-Präsident Dieter Lenzen, begrüßte die chinesischen Gäste sogar in deren Sprache, und wer wollte, konnte in seinem kragenlosen Anzug durchaus den Mao-Kittel zitiert sehen, im blass-rosa bestickten Jacket von Bundesministerin Annette Schavan eine Anlehnung an chinesische Tracht.

Schavan erinnerte daran, dass der deutsch-chinesische Dialog schon vor über 100 Jahren Früchte trug: Der Arzt Erich Paulun gründete 1907 die deutsche Medizinhochschule in Shanghai, die Vorgängerin der heutigen Tongji-Universität.

Deren Senatspräsident Zhou Jialun gehörte neben Wissenschaftsminister Wan Gang und Bildungsvizeministerin Chen Xiaoya zu den prominenten chinesischen Zuhörern im gerade erst eröffneten Campus-Hotel der FU.

Deutschland wolle in Zukunft noch „sehr viel enger mit den Hochschulen in China zusammenarbeiten“, sagte Schavan. „Wir wollen zuhören und lernen, uns einbringen.“ Sowohl China als auch Deutschland stünden vor der großen Aufgabe, ihr Bildungssystem den Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen.

Im „Deutsch-Chinesischen Jahr“ hofft Deutschland auf neue Kooperationen in der Klima-, Energie- und Gesundheitsforschung, sagte Schavan. Ihr chinesischer Amtskollege bekundete auch Interesse an einer Zusammenarbeit in der Denkmalpflege. Das Angebot an deutsch-chinesischen Studiengängen und Doppelabschlüssen soll ausgebaut werden. Bislang kooperieren 300 chinesische mit 100 deutschen Hochschulen, sagte Chinas Vizebildungsministerin Chen. Unter den ausländischen Studierenden in Deutschland bildeten die Chinesen seit langem die größte Gruppe. In einer Auftaktkonferenz des Wissenschaftsjahres, die noch bis zum heutigen Mittwoch andauert, wollen Hochschulexperten die Möglichkeiten für den akademischen Austausch sondieren, Wissenschaftler in Exzellenzprojekten sollen neue Partner für Kooperationen gewinnen.

Erst am Anfang steht die Zusammenarbeit zwischen Schulen, die sich allerdings überaus dynamisch entwickle, sagte Erich Thies, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK). Etwa 200 deutschen Schulen böten Chinesisch als Fach an, manche sogar als zweite Fremdsprache ab der sechsten Klasse. Schon Zehnjährige würden für zwei Wochen nach China geschickt und bekämen im Austausch Besuch von chinesischen Schülern. Allerdings leide die deutsche Chinabegeisterung unter einem Mangel an Fachlehrern. Anja Kühne

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