Wissenschaftsrat : Bund entzieht Potsdamer Elite-Uni die Anerkennung

Der Wissenschaftsrat des Bundes sieht schwerwiegende Defizite und nennt die private "University of Management and Communication" in Potsdam eine "Titelfabrik".

Thorsten Metzner,Sabine Schicketanz

Potsdam - Der Wissenschaftsrat des Bundes hat der Potsdamer „University of Management and Communication“ (UMC) wegen „schwerwiegender Defizite“ die Akkreditierung verweigert. Damit verliert die auch in Berlin tätige private Elite-Hochschule, das bestätigte das brandenburgische Wissenschaftsministerium am Freitag auf Anfrage, die staatliche Anerkennung. Zwar hat das für die derzeitigen 330 Studenten, die monatlich 590 bis 780 Euro Studiengebühren zahlen, keinerlei Auswirkungen. Doch die Abschlüsse künftiger Studenten, die auch keinen Bafög-Anspruch mehr hätten, sind nicht mehr staatlich anerkannt, sagte ein Sprecher. Der Wissenschaftsrat begründete seine Entscheidung mit erheblichen Missständen bei der UMC. „Die Praxis der UMC ist geeignet, den Eindruck einer ,Titelfabrik‘ zu erwecken“, heißt es in der Stellungnahme. Die UMC entspreche „nicht den wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule“, sei „wiederholt durch rechtlich nicht korrekte Handlungsweisen“ aufgefallen. Insbesondere seien Vorschriften zur Titelführung ihrer hauptberuflichen Professoren missachtet worden. In „inakzeptablem Maß“ habe die UMC Honorar- und Nebenerwerbsprofessuren vergeben. Das Verhältnis von hauptberuflichen zu Honorarprofessuren liege damit bei 1:1 – im Kontrast zum bundesweiten Hochschul-Durchschnitt von 1:25. Von den 14 hauptberuflichen Lehrkräften sei lediglich eine nach einer Ausschreibung verpflichtet worden. Ansonsten seien „persönlich bekannte, dem Gründungskreis angehörende oder nahestehende Personen zu Professoren bestellt“ worden. Dieses Vorgehen sei „zweifelhaft“, so die Kritik. Auch agiere die UMC für eine Hochschule „durchgängig zu wenig verlässlich“. Es fehle Prozesssicherheit und „Offenheit nach außen“.

Die harsche Rüge sorgt in Brandenburg für Spekulationen, da UMC-Präsident Eberhard Knödler-Bunte kein Unbekannter, sondern in der Politik gut vernetzt ist: Er gilt als enger Bekannter von Regierungschef Matthias Platzeck (SPD), der auf Knödler-Buntes Gut Luisenau seine Hochzeit gefeiert hatte. Und der heutige Innenminister Rainer Speer (SPD) ist Mitglied des Kuratoriums der UMC. Speer sagte dazu, er habe die private Hochschule ebenso wie das Hasso-Plattner-Institut im Sinne des Wissenschaftsstandortes Potsdam „politisch unterstützt“, dazu stehe er. Für die frühere CDU-Wissenschaftsministerin Johanna Wanka ist das Votum des Wissenschaftsrates fachlich folgerichtig. Das Ministerium habe selbst lange und vergeblich auf Defizite bei der UMC hingewiesen, vor dem Anerkennungsverfahren gewarnt, so Wanka. Es habe aber „nie politischen Druck“ von Platzeck oder Speer gegeben, die UMC zu bevorzugen oder besonders zu fördern. „Ich habe mit Platzeck nie über die UMC gesprochen. Herr Speer hatte Fragen, hat aber meine fachliche Auskunft akzeptiert“, sagte Wanka.  

Knödler-Bunte sieht die Entscheidung des Wissenschaftsrats als „herben Rückschlag“ und Reputationsverlust an. Viele der aufgeführten Mängel habe die UMC allerdings bereits beseitigt. Die Vorschriften zur Titelführung der Professoren würden beachtet, so Knödler-Bunte. Die UMC habe zuvor „nicht in der Hand gehabt, ob einer unserer Professoren den Titel vor den Namen setzt“, was nicht erlaubt sei. Die UMC will nun zunächst auf Neuimmatrikulationen verzichten und in zwei Jahren einen neuen Anlauf auf staatliche Anerkennung versuchen.

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