WM in München : Ruder-Herkules Hacker spielt mit Konkurrenz

Ruderer Marcel Hacker hat bei der WM in München das Halbfinale erreicht - und konnte sich sogar entspannt über die letzten Meter ins Ziel treiben lassen.

Heinz Büse[dpa]
Hacker
Souverän: Marcel Hacker nach seinem Viertelfinal-Sieg. -Foto: dpa

MünchenMarcel Hacker spielt mit der Konkurrenz und findet auch noch auf der Strecke Zeit für kleine Späßchen: Winkend und lächelnd passierte der Ruder-Herkules beim souveränen Start-Ziel-Sieg im WM-Viertelfinale vor den Toren Münchens die Ziellinie. Noch während sich seine gut drei Bootslängen entfernten Konkurrenten Sjoerd Hamburger aus den Niederlanden und Santiago Fernandez (Argentinien) redlich abmühten, stellte der Vorjahres-Zweite die Arbeit ein und ließ sich auf den letzten Metern entspannt treiben. "Das war noch besser als im Vorlauf", befand Hacker, "ich habe einfach allen gezeigt, was ich kann."

Wie schon beim souveränen ersten WM-Auftritt zwei Tage zuvor bereitete der Erfolg nur wenig Mühe. Bereits nach 1000 Metern lag Hacker vier Sekunden vorn, am Ende betrug der Vorsprung gar über sieben Sekunden. Die Tatsache, dass nur ein Konkurrent in den Viertelfinals schneller war, wollte Hacker nicht überbewerten: "Solche Zeiten sind Schall und Rauch. Erst im Kampf Mann gegen Mann wird sich erweisen, wer besser ist."

Zeit der leichten Siege vorüber

Hacker weiß, dass die Zeit der leichten Siege nun vorbei ist. Schon im Halbfinale am Donnerstag steht die erste echte Kraft- und Nervenprobe der Heim-WM an. Gleich fünf bärenstarke Modellathleten greifen nach der Skiff-Krone und präsentierten sich im bisherigen WM-Verlauf in ähnlich guter Form wie Hacker. "Da muss ich noch eine Schippe drauflegen", sagte der Weltmeister von 2002.

Das vorrangige Ziel des Deutschen Ruderverbandes (DRV), sich in allen 14 olympischen Wettkampfklassen für Peking zu qualifizieren, geriet jedoch schon am dritten WM-Tag außer Reichweite. Denn das Experiment, Susanne Schmidt kurzfristig in den Einer zu beordern, schlug fehl. Im stärksten Frauen-Viertelfinale des Tages mit Top-Favoritin Jekaterina Karsten-Chodotowitsch aus Weißrussland kam die Berlinerin nicht über den fünften Rang hinaus.

"Der Ausfall war programmier"

Die verbandsinterne Suche nach einer würdigen Nachfolgerin für Olympiasiegerin Katrin Rutschow-Stomporowski geht damit weiter. Dazu bleibt Zeit bis zur kontinentalen Qualifikations-Regatta im Juni 2008 in Luzern, bei der drei weitere Einer-Tickets für Peking vergeben werden. DRV-Sportdirektor Michael Müller konnte das Aus verschmerzen: "Dieser Ausfall war programmiert. Ihr fehlte einfach die nötige Einer-Erfahrung, um die schwere Aufgabe lösen zu können."

Weitere Flops blieben dem DRV jedoch erspart. Sowohl der Zweier als auch der Vierer ohne Steuermann nutzten die zweite Chance, sich für das Halbfinale zu qualifizieren. Das Duo Andreas Penkner/Jochen Urban kam im Hoffnungslauf gut über eine Sekunde hinter Kroatien ins Ziel. Der Vierer um Schlagmann Filip Adamski hielt sich mit einem Sieg schadlos. Abermals erfreulich schlug sich der Männer-Doppelzweier: Christian Schreiber und Rene Burmeister mussten sich im Viertelfinale nur den Franzosen geschlagen geben.