WM in Südafrika : Das Schreckgespenst verscheuchen

In Südafrika laufen die Vorbereitungen für die WM 2010 auf Hochtouren; über 40 Milliarden Euro investiert das Land in Stadien und Verkehrssysteme. Trotzdem sind die Blicke einer Delegation aus Baden-Württemberg eher sorgenvoll.

Henning Otte[dpa]
Südafrika
Kräne, so weit der Blick reicht: Am Greenpoint-Stadion in Kapstadt wird emsig gebaut. -Foto: dpa

JohannesburgErwin Staudt schaut vor dem Besuch der "Soccer City" in Johannesburg überaus skeptisch. Über 94.000 Zuschauer sollen hier Mitte 2010 das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft sehen. Das alte Stadion wird komplett umgekrempelt, ein Ende ist nicht abzusehen. "Ich bin gespannt, wie die Südafrikaner das machen. Die Fifa-Anforderungen haben uns schon bis an die Grenze belastet", sagt der Präsident des VfB Stuttgart und denkt an die Vorbereitungen zum WM-"Sommermärchen" 2006. Und wie kommen die Fans ins Stadion, was ist mit den vielen Morden im Land? Fragen, die dem deutschen Gast durch den Kopf spuken. Doch dann taucht Danny Jordaan auf.

Vor der Südafrika-Reise von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hieß es, der Chef des südafrikanischen WM-Organisationskomitees sei im Ausland. Doch plötzlich steht er im Konferenzraum von "Soccer City", verbreitet Optimismus und bittet um Verständnis. "Es ist das erste Mal, dass ein Entwicklungsland die WM ausrichtet", ist sein erster Satz. Der Ausbau der Infrastruktur sei das Hauptthema der Südafrikaner - nicht der Stadionbau, wo es immer wieder Berichte über Verzögerungen, Streiks und Nachschubmangel bei Baumaterial gibt. 40 Milliarden Euro stecken die Südafrikaner unter anderem in neue Straßen, Schienenverkehr und Kommunikationsleitungen, vier Milliarden Euro in die neun Stadien.

"Nie ist etwas passiert"

"Wir brauchen doppelt so viele Busse, viel mehr Flugzeuge", sagt Jordaan und weiß um die Bedenken der Europäer und der Fifa, die angeblich schon mal über eine Verlegung nachgedacht hatte. Für Deutsche unvorstellbar: In Südafrika gibt es so gut wie keinen öffentlichen Nahverkehr. Der Vergleich mit Deutschland hinke, zeigt sich der OK-Chef überzeugt. Dennoch will er das größte Schreckgespenst der Europäer verscheuchen. Thema Kriminalität: "Wir haben elf große Sportereignisse in den letzten 30 Jahren in Südafrika gehabt und nie ist etwas passiert."

Bei seiner Präsentation der Vorbereitungen vor der deutschen Delegation verweist Jordaan immer wieder auf die WM in Deutschland. Besonders die Fanfeste und die Begeisterung der Bevölkerung haben ihn beeindruckt. Auch in Südafrika soll es Public Viewing geben. Leider ist die WM 2010 mitten im Winter, es ist kalt und dunkel. "Dunkelheit heißt für jeden Afrikaner jeder Hautfarbe: Ich bleib zu Hause", zeigt sich ein deutscher Botschaftsvertreter skeptisch.

Wichtig für die Stimmung im Land ist auch das Abschneiden der eigenen Nationalmannschaft. Sie ist als Gastgeber automatisch qualifiziert - sportlich hätte es wohl nicht gereicht. Doch bis zur WM soll alles anders werden - dafür soll der brasilianische Startrainer Carlos Alberto Parreira sorgen. "Wir müssen mithalten", gibt Jordaan die Losung aus, sonst könnte es schwierig werden mit der Begeisterung. Die Stimmung von VfB-Präsident Staudt hat sich nach Jordaans Vortrag jedenfalls aufgehellt. "Ich habe jetzt ein sehr gutes Gefühl, weil jemand wie Jordaan auf dem Fahrersitz hockt."