Der Tagesspiegel : Wo die 40 000 neuen Jobs herkommen sollen - Gutachten im Auftrag der Flughafengesellschaft

Claus-Dieter Steyer

Schönefeld - Das Schlagwort ist in den Wortschatz von Politikern, Funktionären und Kommentatoren eingegangen: „Jobmaschine Großflughafen“. Einer spricht es dem anderem nach und am Ende weiß niemand mehr, wer die Zahl von „mehr als 40 000 neuen Jobs“ überhaupt ausgerechnet hat. Die Nachfrage bei Ministerien, Senatsverwaltungen sowie Industrie- und Handelskammern löste zwar große Hilfsbereitschaft bei der Ermittlung der Studie aus, doch tatsächlich konnte niemand den Verfasser nennen – bis schließlich die Flughafengesellschaft wusste: Das Papier stammt vom Institut für Verkehrswissenschaft der Universität Köln. Professor Herbert Baum hat die Studie im Auftrag der Berliner Flughäfen im vergangenen Jahr verfasst.

Danach arbeiten derzeit auf den drei Berliner Flughäfen zusammen rund 14 500 Menschen. Bei Fertigstellung des Großflughafens soll es laut der Berechnung des Instituts tatsächlich 40 000 Arbeitsplätze mehr geben. Baum stützt sich auf die Effekte steigender Passagierzahlen. „Zwei Jobs pro Tag sind zwischen 2003 und 2005 in Schönefeld und Tegel entstanden“, heißt es in dem Papier. Insgesamt hingen von den Berliner Flughäfen zurzeit rund 33 600 Arbeitsplätze ab – etwa im Tourismus und bei der Versorgung der Flughäfen. Derzeit gebe es in Schönefeld rund 5200 Beschäftigte, 21 Prozent mehr als 2003. In Tegel sei die Zahl der Jobs von 2003 bis 2005 um knapp sechs Prozent auf 6900 gewachsen. Schönefeld profitierte von der Ansiedlung von Billigfluglinien. Zwischen 2003 und 2004 führten diese zu einer Verdopplung der Passagierzahlen. In Tempelhof arbeiten noch rund 1300 Menschen.

Durch die verbesserte Luftverkehrsanbindung steige die Attraktivität der Hauptstadtregion als Wissenschafts-, Kongress- und Messestandort. Das erhöhe die Kaufkraft zusätzlich und sichere 39 400 Arbeitsplätze. „Insgesamt liegt der Gesamtbeschäftigungseffekt des BBI damit im Jahre 2012 bei rund 73 000 Personen“, sagt der Experte voraus.

Nicht zu unterschätzen sei der Einmaleffekt durch den Bau des mindestens zwei Milliarden Euro teuren Flughafens, für den der Steuerzahler aufkommen muss. Planer, Bauleute und Zulieferfirmen würden dadurch zusätzlich 1,4 Milliarden Euro einnehmen.

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