Der Tagesspiegel : Wohlfühl-Oase am „Stasi-See“

Düsseldorfer Architekt baut im früheren Sperrgebiet bei Fürstenwalde das größte Ferienresort der Mark

Claus-Dieter Steyer

Alt Madlitz – Die Führungsriege des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit wusste schon, wo es in Brandenburg die schönsten und ruhigsten Orte gab. Das Waldstück rund um den versteckten Alt Madlitzer See auf halber Strecke zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) bei Fürstenwalde gehörte auf jeden Fall dazu. Hier baute sich die Stasi eine Bungalowsiedlung für die Offiziere und zur Schulung ganzer Abteilungen ihres Ministeriums.

Heute wächst auf dem Gelände eine der größten privat geführten Ferienanlagen Deutschlands. Fertiggestellt sind bereits zwei Hotels, drei Restaurants, eine Reitanlage, ein Theatersaal für 200 Personen und ein außergewöhnlicher Entspannungsbereich.

Ab September dieses Jahres werden in Alt Madlitz dann mehrtägige und sogar mehrwöchige „Medical-Wellness-Kurse" angeboten, bei denen bei ständiger ärztlicher Betreuung die auf den jeweiligen Gast abgestimmten Massagen und Behandlungen ermittelt und durchgeführt werden. Eine Diätküche ergänzt das Programm.

Hinter dem ehrgeizigen Projekt steht der renommierte Architekt Walter Brune aus Düsseldorf. „So ein Glück muss man einfach beim Schopfe packen", sagt der 82-Jährige, der unter anderem die große Shopping-Meile „Kö-Galerie" in seiner Heimatstadt sowie zwanzig Karstadt-Kaufhäuser und Hotels entworfen hat. „Die Stasi hat hier in einer wunderbaren Landschaft gebaut“, sagt Walter Brune: „Und wir können jetzt auf den Fundamenten der alten Bungalows unsere Träume verwirklichen. Anderswo hätten wir wahrscheinlich niemals eine Baugenehmigung mitten in der Natur erhalten." So aber gelte der Bestandsschutz: wo Häuser standen, kann auch Neues entstehen.

Rund 30 Millionen Euro setzt der agile Unternehmer Brune in Alt Madlitz um und schafft dabei zunächst 50 Dauerarbeitsplätze. Derzeit gibt es bereits 80 Hotelzimmer, weitere sollen entstehen – die meisten mit Seeblick. Über den Erfolg seines zu den größten privaten Engagements in Brandenburg zählenden Vorhabens macht er sich keine Sorgen. „Die hohe Lebensqualität spielt gerade in unserer älter werdenden Gesellschaft eine immer größere Rolle", meint Brune, dessen Frau Renate die Geschäfte der „Gut Klostermühle" getauften Anlage führt. Natur und Gesundheit würden hier eine nahezu ideale Kombination bilden, die von den Gästen geschätzt würde.

Allerdings dürfte so ein ein- oder zweiwöchiger „Medical-Wellness-Kurs" nicht billig werden. In Österreich kostet ein zehntägiger Aufenthalt in vergleichbaren Anlagen, die Brune als Vorbild genommen hat, pro Person um die 3000 Euro. Es lohnt sich allerdings, sich bei seiner Krankenkasse zu erkundigen – einige zahlen einen Zuschuss. Gerade montiert wird beispielsweise ein sogenanntes Salzwasser-Schwebebecken, in dem eine Person während eines gut einstündigen Bades völlig zur Ruhe kommen und so ihre Kreativität wiederfinden soll.

Derzeit verdient das Gut Klostermühle sein Geld noch hauptsächlich mit Hochzeiten, die nach alten Ritualen und unter freiem Himmel zelebriert werden. So muss die Braut erst über den See gebracht werden und an die Trauung schließt sich eine Floß- und Kutschfahrt mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft zum Picknick im einst unzugänglichen Gelände an.

Nach Alt Madlitz war Walter Brune durch die Bekanntschaft mit der gräflichen Familie von Finkenstein gelangt, die im Dorf das Schloss nach der Wende zurückgekauft hatte. Damals wollte zunächst die Scientologie-Sekte die alte Stasi-Siedlung für ihre Zwecke kaufen. Da kam das Hotelprojekt zur rechten Zeit, befanden damals die Gemeindevertreter von Alt Madlitz und erteilten dem Düsseldorfer Architekten den Zuschlag.

Alt Madlitz ist über die Ausfahrt Briesen der Autobahn A 12 Berlin-Frankfurt (Oder) zu erreichen. Weitere Informationen erhalten sie unter der Telefonnummer (033607) 59290 oder im Internet unter www.gut-klostermuehle.de

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