Der Tagesspiegel : Wohlthat schweigt zu Bestechungsvorwürfen

Oder

Der wegen Bestechlichkeit angeklagte Ex-Amtsdirektor der Uckermark-Gemeinde Gartz, Hartmut Wohlthat, will sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen äußern. "Ich würde Ihnen herzlich gerne Rede und Antwort stehen, aber nicht diesem Staatsanwalt, der noch nicht einmal die Bauordnung gelesen hat", sagte der CDU-Politiker gestern zu Prozessbeginn im Landgericht Frankfurt (Oder). Auch die beiden mit angeklagten Geschäftsführer eines Windenergie-Unternehmens, die Wohlthat bestochen haben sollen, wollen schweigen.

Wie berichtet, soll der 48 Jahre alte Wohlthat der Firma Uckerwerk Energietechnik GmbH einen Auftrag für den Bau von Windkraftanlagen in der Gemeinde Schönfeld zugeschanzt haben. Der Anklage zufolge erhielt er dafür 24 000 Mark. Die Summe soll zunächst auf das Konto einer 30 Jahre alten Polin geflossen sein. "Ich fühle mich als Strohmann der Geschäfte von Herrn Wohlthat missbraucht", äußerte die Frau, die heute als Zeugin aussagen soll, in einer eidesstattlichen Erklärung. Bei einer Verurteilung wegen Bestechlichkeit im besonders schweren Fall muss Wohlthat mit bis zu zehn Jahren Gefängnis rechnen.

Die Kammer verlas gestern einen Vertrag, den die Windenergiefirma laut Staatsanwaltschaft zum Schein mit der Polin schloss: Sie sollte Investitionen in Polen ankurbeln, dafür bekäme sie 25 000 Mark. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt für die Uckerwerk Energietechnik GmbH gearbeitet", beteuert hingegen die 30-Jährige.

Laut Bankauszügen sind am 22. März 2000 genau 25 000 Mark auf das Konto der Polin geflossen. Zwei Tage später wurden vom selben Konto 24 000 Mark abgebucht. "Ich hob das Geld ab und gab es Wohlthat", versichert die Polin. Ende März zahlte der damalige Amtsdirektor 16 000 Mark auf sein Konto ein.

Das Urteil in dem Prozess soll am 14. Februar gesprochen werden.

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