Der Tagesspiegel : Wolfgang Birthler: Ärger ums Feldbett

Thorsten Metzner

Wolfgang Birthler versteht die Welt nicht mehr: Da will Brandenburgs Agrarminister quasi einen persönlichen Beitrag zur Sanierung der klammen Landeskassen leisten - aber Finanzministerin Dagmar Ziegler und selbst das eigene Ministerium lassen ihn nicht. Was ist passiert?

Birthler, der nur an den Wochenenden in die ferne uckermärkische Heimat fährt, hat vorgeschlagen, in seinem Ministerium zu übernachten - statt in der Polizeikaserne Postdam-Eiche, wo er mit einigen Landtagsabgeordneten und Regierungsbeamten in einem spartanischen Wohnblock mit WG-Atmosphäre lebt. Zumal der ehemalige Tierarzt es als Sozialdemokrat "peinlich" findet, dass sein Fahrer "immer stundenlang abends rumsitzt", wenn er am Schreibtisch bis tief in die Nacht Akten studiert.

Gesagt, gekündigt. Doch nun stößt der "fleißige Wolfgang" (Genossen-Spott) auf Schwierigkeiten. Als erstes verbaten sich seine Sekretärinnen das Feldbett im Ministerbüro, wohl aus Sorge vor einem Schlafanzug-Minister am Morgen, wie er selbst vermutet. In seiner früheren Funktion als SPD-Fraktionschef im Landtag war der heute 54-Jährige regelmäßig zum "Macho" gekürt worden. Dann sorgt auch noch sein ins Auge gefasste Ausweichquartier im Nachbargebäude, ein 12-Quadratmeter-Büro, für das er - damit alles seine Richtigkeit hat - die "übliche Gewerbemiete" von 12 bis 15 Mark zahlen würde, für Ärger.

Im Finanzministerium, im eigenen Haus und selbst in der Landtagsfraktion rauft man sich die Haare über die "Schnapsidee". "Typisch Birthler", heißt es überall. "Warum nimmt er sich nicht ein Zimmer in der Nähe?" Die märkischen Regierungsbeamten sind seit diversen Förder-Affären übervorsichtig geworden. Hat es nicht ein Geschmäckle, wenn der Minister Birthler mit dem Mieter Birthler einen Mietvertrag abschließt, selbst wenn an den Konditionen nichts zu deuteln ist? Auch Finanzministerin und Parteigenossin Dagmar Ziegler - dies wurde bekannt - will nicht Birthlers Vermieterin werden. Nun hat der poltrige Minister nicht viele Freunde. So wird fleißig gestreut, dass in die künftige Bürowohnung kürzlich ein Bad mit Dusche und WC eingebaut worden. "Weil es für Waldarbeiter vorgesehen war", heißt es im Ministerium. Das Birthler-Bad werde auch vom Flur für Mitarbeiter zugänglich sein.

Ungeachtet der Widerstände will der "uckermärkische Sturkopf" (Stolpe) schon ab Montag, da er sonst obdachlos wäre, seine Luftmatraze im eigenen Ministerium ausrollen, bis er irgendwann zum Bettenkauf kommt. Er habe, so stöhnt ein Beamter, "ein Talent für Fettnäpfe". Und fügt hinzu: "So wie Edwin Zimmermann". Prompt sorgte gestern auch Birthlers populärer Vor-Vorgänger im Agrarressort, der wegen der Backofen-Affäre seinen Stuhl räumen musste, für eine Überraschung: Zimmermann teilte mit, dass er sein Amt als Landessportbundpräsident nun doch ruhen lässt. Allerdings nicht wegen der kürzlich erhobenen Vorwürfe, er habe sein Ehrenamt unzulässig mit seiner privaten Marketingfirma verquickt, an denen "sowieso nichts dran" war: Er wolle sich nur ganz auf die in Kürze beginnende Gerichtsverhandlung konzentrieren können. Nach dem Urteil im Untreue-Prozess will er das Sportpräsidentenamt wieder ausüben, betont der Ex-Minister - ganz "egal" wie es ausfällt. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst."

Auch Edwin Zimmermann versteht die Welt nicht mehr.

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