Wolziger See : Das Seemannsgarn der Hobbykapitäne

Floßfahren wie Huckleberry Finn: Familien können am Wolziger See mit Eigenbau-Modellen in See stechen oder sich auf Segeltörns beweisen.

Claus-Dieter SteyerD
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Es schwimmt. Nach nicht mal einer Stunde haben die Hobby-Floßbauer Bretter und Reifen so verbunden, dass ihr Gefährt bedingt...Fotos: Claus-Dieter Steyer

Kolberg – Es gibt keine Zeichnung, kein Foto und erst recht keine Bauanleitung. Und dennoch wollen die drei Familien gemeinsam ein Floß bauen und mit ihm sogar in See stechen. Wenigstens mangelt es nicht an Material. Auf dem Gelände der Firma Teamgeist in Kolberg am Wolziger See, etwa eine Autostunde vom Berliner Zentrum südöstlich gelegen, liegen für Floßbauer eine Menge Stangen, Bretter, Seile, Gurte und Gummireifen bereit.

„Nun mal los“, sagt Steffen Lelewel von der jungen Teamgeist-Mannschaft und weist den Familien ihren Bauplatz zu. Ein kleines Lächeln überzieht sein Gesicht. Denn vor allem die Männer packt jetzt der Ehrgeiz. „Wenn ihr wüsstet, wie viele Flöße ich in meiner Kindheit gebaut habe“, prahlt einer. Als sich sein halbwüchsiger Sohn etwas vorlaut danach erkundigt, wie viele Konstruktionen denn untergegangen seien, reagiert er leicht ungehalten. „Bei mir schwimmt alles“, sagt der Mann und gibt gleich das Kommando: „Bretter brauchen wir, viele Bretter.“

Wie sich schnell zeigt, kommen die Familien trotz Kindheitserinnerungen, einschlägiger Ikea-Erfahrung und einer großen Lust zum Bauen ohne den fachmännischen Rat des Teamgeist-Mannes doch nicht aus. „Mindestens fünf Gummireifen müssen zuerst gut miteinander verbunden werden, um sie dann unter dem aus vielen Brettern bestehenden Deck zu befestigten“, erklärt Steffen Lelewel.

Plötzlich übernehmen die Frauen das Kommando. Sie haben offenbar den Dreh raus und kommen viel besser mit den Seilen zurecht. Und schon nach 45 Minuten schlägt nicht nur für die Floßbauer die große Stunde: Während sie ihre oft etwas wacklig anmutenden Konstruktionen zu Wasser lassen, eilen die Kinder herbei. In ihren Händen tragen sie selbst gemalte Fahnen, die natürlich auf einem Floß nicht fehlen dürfen.

Dann kommt der große Moment: Es wackelt und kippt zwar allenthalben, aber die Reifen und Bretter halten. Acht Personen halten sich irgendwie aufrecht oder nehmen gleich Platz. Die Siegerpose darf ebenso wenig fehlen wie die Taufe mit einem Piccolo-Sektfläschchen. Mit kräftigen Paddelschlägen bewegen sich die Flöße mit gehisster Flagge sogar vorwärts. Das Abenteuer in Erinnerung an Tom Sawyer oder Huckleberry Finn ist gelungen.

Und auf dem Wolziger See herrscht nicht nur auf den Flößen ausgesprochen gute Laune: Von Bord großer Segelschiffe grüßen die Floßfahrer andere Sonntagsausflügler herüber. Auch sie sind mit der Firma Teamgeist zu einer Schnuppertour gestartet und gewinnen einen ersten Eindruck vom Segeln. Denn sie müssen beim Aufziehen oder Einholen der Segel kräftig mit zupacken oder das Boot auf Kurs halten helfen.

Beim anschließenden gemeinsamen Grillen der Ausflügler an Land gibt es viel zu erzählen: Die eine Hälfte schwärmt von großen Böen auf dem See, während der Rest vom „kinderleichten Floßbau“ berichtet – Seemannsgarn verbindet eben auch Sonntagsausflügler.

Der Bau eines Floßes kostet 50 Euro. Im Preis sind alle Materialien und Schwimmwesten enthalten. Zusätzlich können für die Seereise ein Mast und Treibsegel sowie Picknickkörbe und ein Barbecue gebucht werden.

Die Schnupper-Segeltörns beginnen an jedem Sonntag um 14 Uhr und kosten für Erwachsene 15 Euro, für Kinder fünf Euro. Vorher kann sich jeder am Brunch der Hobbyseeleute beteiligen und die vielfältigen Freizeitangebote auf dem Gelände des alten Strandcasinos in Kolberg nutzen.Claus-Dieter Steyer

Auskünfte unter Tel. 033768/20 861

www.teamgeist.com

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