Der Tagesspiegel : Womit Absolventen rechnen können

Ingenieure, Sozialarbeiter und Ärzte haben gute Chancen auf eine Festanstellung

Anne Meyer

Während die Tage immer trüber werden und die Aktienkurse immer tiefer fallen, wächst bei vielen die Angst um den Job. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagt einen leichten Anstieg der Arbeitslosenzahlen für 2009 voraus. Doch Erik Benkendorf von der Berliner Arbeitsagentur spendet zumindest den Studienabgängern Trost: „Hochschulabsolventen werden gesucht, auch in Berlin“, sagt er. „Die Finanzkrise trifft zuerst diejenigen, die wenig qualifiziert sind. Doch mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium hat man eine Chance auf dem Arbeitsmarkt.“ Zukünftige Ingenieure, Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer, aber auch Sozialpädagogen, Ärzte und Designer hätten gute Aussichten auf eine feste Stelle in Berlin.

Vor allem für Absolventen der Ingenieurswissenschaften sieht es gut aus. Im September 2008 waren bei der Arbeitsagentur 117 offene Stellen für Ingenieure gemeldet, und zwar für Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure, Wirtschafts- und Fertigungsingenieure. Tatsächlich dürfte die Zahl der Stellen aber noch viel größer sein, denn viele Unternehmen suchen ihr Personal gar nicht erst über die Arbeitsagentur. „Das läuft oft über Headhunter, die gute Studenten direkt von der Universität abwerben“, so Jens Karstedt, Präsident der Bundesingenieurkammer. Er glaubt trotz Finanzkrise fest an eine rosige Zukunft für seinen Berufstand: „Wer sich für Technik interessiert, sollte unbedingt Ingenieur werden“, ermuntert Karstedt.

Der Weg zur festen Stelle führt immer noch in vielen Fällen ganz traditionell über ein Praktikum, die Arbeit als Werkstudent oder als Diplomand in einem Betrieb. „Im Idealfall kennen sich die zukünftigen Mitarbeiter dadurch schon im Unternehmen aus“, sagt Reiner Kinner, der bei Siemens für das Recruiting und Hochschulkontakte verantwortlich ist. „Deshalb stellen wir gerne Leute ein, die sich schon als Praktikant oder Werkstudent bei uns bewährt haben.“ Bei Siemens sind zurzeit fünfzig Stellen ausgeschrieben, 90 Prozent davon im Bereich Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen.

Technisches Talent ist für beruflichen Erfolg aber nicht zwingend notwending. In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit nämlich sind die sozialen Berufe dem Ingenieurs-Metier dicht auf den Fersen: 114 offene Stellen für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen waren im September gemeldet. „Vor allem im Jugendhilfebereich, etwa für betreute Wohngruppen, wird gutes Personal gesucht“, so Sibylle Kraus, die dem Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) im Land Berlin vorsitzt. Auch hier sind Studenten gut beraten, mithilfe von Praktika Kontakte zu knüpfen – und zu halten, auch wenn ausgedehnte Praktika schwer mit den neuen Bachelor-Studiengängen vereinbar sind. Man solle sich immer über die aktuellen Entwicklungen, über neue Konzepte und Gesetze im Bereich der Sozialarbeit und Sozialpädagogik auf dem Laufenden halten, rät Kraus, denn: „Stellen hängen oft davon ab, welche Konzepte in der Sozialarbeit gerade gefragt sind.“ Informieren können Studenten sich zum Beispiel über den Newsletter des DBSH für Berlin (info@dbsh-berlin.de), der Stammtischtermine und offene Stellen regelmäßig publik macht.

Auf Platz drei der Stellenangebots-Liste für Akademiker ist mit 89 Einträgen der Arztberuf gelandet. „Unter Medizinern gibt es praktisch keine Arbeitslosigkeit“, so Athanasios Drougias vom Ärzteverband Marburger Bund, „sie können sich ihre Stelle mehr oder weniger aussuchen.“ Dazu kommt, dass viele Ärzte ins Ausland abwandern, weil die Bezahlung dort oft wesentlich besser ist. In den USA können sie das Dreifache, in Großbritannien oft mehr als das Doppelte als hierzulande verdienen. Für Medizinstudenten, die in Berlin bleiben möchten, eröffnet der Ärztemangel natürlich umso bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Durch Famulaturen und das Praktische Jahr knüpfen sie schon während des Studiums Kontakte, die sehr oft später zu festen Stellen führen.

„Die Vermittlung über die Arbeitsagentur spielt kaum eine Rolle“, so Drougias, „es sei denn, ein Absolvent entschließt sich doch dazu, ins Ausland zu gehen.“ Stellenanzeigen finden Medizinstudenten im Deutschen Ärzteblatt, der Marburger-Bund-Zeitung und mit der Suchmaschine kliniken.de. Auch in Zukunft werden die Jobs leicht zu finden sein: Der Ärztemangel wird sich nach Einschätzung von Athanasios Drougias in den nächsten Jahren eher noch verschärfen. Anne Meyer

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben