World Wide WEG : Roadtrip mit Umweg

Wie ein kleiner Geburtstagsausflug und eine lautstarke Diskussion unseren Kolumnisten ganz zu sich selbst führten

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Cheese. Julius (2. v. r.) und seine Freunde hatten Spaß in Dreamworld.Foto: privat

Von: Julius Wolf

An: werbinich@tagesspiegel.de

Betreff: Roadtrip mit Umweg

Es ist zehn Uhr abends und wir stehen an einer Tankstelle in Gimpy, einem winzigen Kaff nördlich von Brisbane. Dort waren Jane und ich den Tag über. In Dreamworld, einem Vergnügungspark, haben wie Jays Geburtstag gefeiert. Er und seine Freunde Drew und Nichola kommen aus Kanada. Wir haben die drei vor ein paar Wochen kennengelernt, seitdem verbringen wir unsere apfelpflückfreie Zeit in Stanthorpe zusammen. Team Germanada macht die Stadt unsicher. Wir waren in Pubs, haben uns über Dorfpolizisten auf dem berühmten Apfel- und Trauben-Fest von Stanthorpe lustig gemacht oder uns blaue Flecke geholt, als wir versuchten, doppelte Saltos zu schlagen oder andere Verrenkungen zu vollführen beim Klippenspringen von den Bonoo Bonoo Wasserfällen.

An Jays Geburtstag wollten wir einen Fallschirmsprung machen. Der wurde aber abgesagt, wegen des Erdbebens in Chile und der darauf folgenden Tsunamiwarnung für Australien. Das hätte ein verdammt großer Tsunami werden müssen, damit er uns in 14 000 Fuß – in über 4000 Metern – noch erreicht. Als die Monsterwelle in Brisbane ankam, hatte sie aber nur eine Höhe von zweieinhalb Metern.

Wir sind also lieber nach Dreamworld gefahren. Den ganzen Tag liefen wir dort wie kleine Kinder von einer Achterbahn zur nächsten. Fast wären wir sogar rausgeflogen, weil wir uns bei unserem Gruppenfoto mit Spongebob- und Patrick-Figuren nicht sittsam genug verhalten hatten. Für den Rückweg deckten wir uns noch mit Getränken ein. Drew meldete sich freiwillig als Fahrer, Nichola sollte den Navigator machen. Aber die Kommunikation zwischen den beiden wurde von unartikuliertem Geschrei gestört. Und deshalb stehen wir nun wieder an dieser Tankstelle in Gimpy. Weil wir uns lächerliche 600 Kilometer verfahren haben.

Aber dann wurde die Fahrt nach Stanthorpe doch noch ein grandioser Roadtrip. Dank des Biers haben wir viel über uns herausgefunden. Wir wissen jetzt, wer gerne mal mit welchem Filmstar schlafen würde und dass Jay nur nicht verheiratet ist, weil er nicht zu den Zeugen Jehovas konvertieren wollte. Nichola und ich wissen jetzt auch, dass wir noch ein bisschen mehr voneinander wissen wollen, und Drew hat mich nach Kanada auf eine Rundreise eingeladen. Jay und Jane haben große Partypläne geschmiedet, sobald Jay uns in Berlin besucht.

Nächstes Wochenende fahren wir auf jeden Fall wieder nach Brisbane. Dann springen wir hoffentlich tatsächlich aus einem Flugzeug. Und bestimmt finden wir den Weg zurück ohne einen neunstündigen Umweg durch Australiens Hinterland.

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