Der Tagesspiegel : „Wowereit schuld an Tempelhof-Chaos“

CDU-Chef kritisiert Alleingang des Regierenden / Teilvermietung blockiert alle anderen Nutzungen

Klaus Kurpjuweit

Berlin – Wegen der Zusage an die Modemesse Bread and Butter, große Bereiche des Flughafens Tempelhof für je zwei Monate im Jahr mieten zu dürfen, gerät Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) unter starken politischen Druck. Die Opposition kritisierte die Entscheidung scharf.

Der von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (Bim) abgeschlossene Vertrag stoße alle anderen Bewerber vor den Kopf, sagte am Sonnabend der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Henkel. Dahinter stecke offensichtlich ein Alleingang Wowereits, der nun zu einem Chaos bei der Nachnutzung des Flughafenareals geführt habe. Um die Anlage zwei Monate im Jahr vermieten zu können, seien andere Nutzungen nun blockiert, kritisierte auch Martin Lindner, der Fraktionsvorsitzende der FDP. Ein kluger Hauswirt hätte sich erst um eine Dauernutzung bemüht, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Franziska Eichstädt-Bohlig. Lindner bemängelte zudem, dass es vor dem Abschluss des Mietvertrages keine Ausschreibung gegeben habe.

Was dem Regierenden Bürgermeister als großer Wurf erschien, erweist sich nun immer mehr als politisches Desaster. An die Modemesse Bread and Butter sollen sämtliche Hangars, die Haupthalle sowie die Vorfeldflächen des Flughafens Tempelhof vermietet werden. Wie die Anlage in den übrigen zehn Monaten genutzt werden soll, ist offen. Die Filmbetriebe Berlin-Brandenburg aus Babelsberg, die einen Teil des Flughafens als Studio mieten wollten, haben sich zurückgezogen. Das Konzept sei nach der Vermietung gescheitert, hieß es. Auch das Deutsche Technikmuseum muss seine Dependance in Tempelhof aufgeben.

Als sich vor zwei Jahren die Manager Fred Langhammer und Ronald Lauder im Namen einer US-Investorengruppe darum beworben hatten, Tempelhof zu einem Gesundheitszentrum mit angeschlossener Landebahn zu machen, hatte der Senat dieses Bestreben noch mit der Begründung abgelehnt, ein Zuschlag könne erst nach einer Ausschreibung erteilt werden. Auch Langhammer und Lauder hatten dann ihr Vorhaben aufgegeben.

Nach der Verkündung des Mietvertrags mit der Modemesse, die dafür ihren Standort Barcelona aufgibt, hatte Senatssprecher Richard Meng argumentiert, in Tempelhof gebe es genug Platz für unterschiedliche Nutzungen. Eine Mischnutzung von Messe und Filmproduktion sei jedoch nicht möglich, teilte jetzt das Filmstudio Babelsberg mit. Bei fester mehrmonatiger Belegung aller sieben Hangars sowie der Haupthalle und der Außenflächen ließen sich langfristige Planungen, die gerade für Hollywood-Großproduktionen notwendig seien, nicht umsetzen.

Der Senat bleibt aber bei seiner optimistischen Linie. „Wir sind weiter gesprächsbereit und zuversichtlich, eine Lösung für alle Interessenten finden zu können“, sagte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej. Umgekehrt hätte es auch einen Aufschrei gegeben, wenn die Rückkehr der renommierten Modemesse Bread and Butter von Barcelona nach Berlin gescheitert wäre, weil der gewünschte Standort Tempelhof nicht hätte angeboten werden können. Wie die Hangars in der übrigen Zeit genutzt werden könnten, ließ Kolodziej allerdings offen.

Auch das Alliiertenmuseum, dessen Standort in Dahlem verkehrsungünstig liegt, war daran interessiert, in Tempelhof einzuziehen. Die Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz hatte zusammen mit dem Technikmuseum einen Themenpark Luft- und Raumfahrt für Tempelhof entwickelt, den sie auf der Abschiedsfeier für den Flughafen auch offiziell vorstellen durften. Auch dieses Konzept geht jetzt nicht mehr auf. Der Vertrag mit der Modemesse gilt für zehn Jahre. Die nächste Bread and Butter soll Anfang Juli stattfinden.

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