Der Tagesspiegel : Wozu in die Serengeti jetten?

Brandenburg ist zum Tummelplatz für exotische Tiere geworden: Strauße, Tiger, Elefanten, Krokodile – alles da

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Wenn der Tiger brüllt, der Kaiman faucht, der Elefant trötet und der Regierende des Landstrichs ein Straußenei in die Pfanne haut – dann muss das Brandenburg sein: Zwischen Elbe und Oder hat sich nämlich exotische Fauna breit gemacht.

Das riesenhafte Straußenei, das Ministerpräsident Matthias Platzeck auf der Grünen Woche mit Elan zerschlug, stammt aus dem Landkreis Oberhavel. Es war das erste Ei von Perle, einer Straußenhenne von Bauer Frank Winkler. Der betreibt hier seit drei Jahren eine Straußenfarm, rund 60 der Vögel traben dort herum. Ihre Eier sind zum Verzehr zu üppig. Gut ein Kilo bringt jedes auf die Waage, das hält ja kein Eierbecher aus. Der Nährwert entspricht 25 bis 30 Hühnereiern. Stattdessen sollen Steaks aus den Rennvögeln werden. Das Fleisch schmeckt wie eine Mischung aus Wild und Rind. Das sagt man auch den aus Asien bekannten Wasserbüffeln nach, von denen einige die Uckermark bevölkern – und geeignet sind, Wanderer zu erschrecken.

Zur Verfremdung der Landschaft dienen auch Lamas und Kamele, die einst auf einem Reiterhof in BrieskowFinkenheerd eine neue Heimat fanden. Oder die Elefanten, die seit vergangenem Oktober auf den Wiesen von Platschow in der Prignitz stehen. Fünf ausgewachsene afrikanische Elefanten hat der Dompteur Sonni Frank in das 20-Häuser-Dörfchen gebracht – und dem Ort so zu einiger Bekanntheit verholfen.

Aus Tierliebe haben in Herzberg die Eheleute Leuzinger ein deutlich gefährlicheres Vorhaben gestartet: Sie bauten eine Tigerranch auf. Zwischenzeitlich lebten neun Tiger in dem großen Gelände. Heute sind es nur noch zwei und ein Leopard. Sie bekommen hier ihr Gnadenbrot, das die Leuzingers allerdings teuer bezahlen müssen. Pro Tag verschlingt ein Tiger zwölf Kilo Fleisch. Alle 14 Tage muss eine halbe Kuh gekauft werden.

Auch die Krokodile von Feuerwehrmann Karl-Heinz Voigt hauen einiges weg. 17 Stück leben auf der Farm in Golzow. Voigt lobt die Intelligenz der Tiere, die genau wissen, dass sie zu fressen bekommen, wenn er sie ruft. Trotz aller Vertrautheit mit seinen bis zu 1,70 langen und 25 Kilo schweren Tieren weiß er, dass er vorsichtig sein muss: „Sie liegen scheinbar teilnahmslos herum, beobachten aber alles sehr genau.“ So hat er auch bereits die Zähne seine Lieblinge kennen gelernt: „Aber da war ich unachtsam.“

Bei Schlangen, Skorpionen und anderen Gifttieren beobachtet das Landesumweltamt seit einiger Zeit einen Boom. Klingt, als wäre es Zeit für die Tourismusbranche, mal eine Safari zu planen? ari/weso

Mehr im Internet: www.straussenfarm-winkler.de , www.tigerranch.de oder www.krokodilstation-golzow.de

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