Der Tagesspiegel : Zahl der Brandenburger sinkt

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Potsdam. Im Land Brandenburg, lange das einzige Ost-Bundesland mit Bevölkerungswachstum, sinken erstmals die Einwohnerzahlen. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Statistischen Jahresbericht für 2001 hervor. Danach leben in Brandenburg derzeit 2,597 Millionen Menschen – 4615 Einwohner weniger als im Vorjahr. Grund für die Trendwende: Immer weniger Berliner ziehen ins Umland, aber immer mehr Brandenburger wandern wegen der hohen Arbeitslosigkeit in westliche Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern ab.

Anders als in den Vorjahren reichten 2001 die Zuzüge aus Berlin nicht mehr aus, um die Geburtendefizite – es sterben mehr Menschen als geboren werden – zu kompensieren. Vor fünf Jahren hatte Brandenburg bei Zuzügen und Fortzügen unterm Strich noch mit einem Zuwachs von 29000 Menschen profitiert, vor allem durch Berliner Zuzüge. Aber im 1. Halbjahr 2001 machte Brandenburg unterm Strich sogar einen Wanderungsverlust von 208 Einwohnern – das gab es seit 1992 noch nie. Dies verschärft die Verödung der Randregionen: Die ohnehin dünn besiedelten Randregionen, verloren im 1. Halbjahr 2001 im Saldo weitere 7000 Einwohner, insgesamt waren es seit 1992 rund 27212 Einwohner. Zugleich ließen sich 22367 Menschen im Umland nieder, davon 12546 Berliner. Den Speckgürtel verließen 15495 Menschen – darunter 7416 in Richtung Berlin.

In der Folge bildete sich eine wachsende Wohlstandsmauer: In den berlinfernen Gegenden ist die Arbeitslosigkeit am höchsten, und es sinken mit der Entfernung von Berlin die Einkommen. Lag das durchschnittliche Nettoeinkommen der Brandenburger Haushalte im Vorjahr bei 1558 Euro, waren es in der Prignitz nur 1258 Euro. Im Speckgürtel-Landkreis Potsdam-Mittelmark hatte ein Haushalt monatlich 1876 Euro, in Potsdam 1501 Euro. Thorsten Metzner

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