Der Tagesspiegel : Zecken-Alarm nach mildem Winter

Zahl der von den Parasiten übertragenen Borreliose-Infektionen steigt in Berlin und Brandenburg von Jahr zu Jahr. Unbehandelt haben sie schlimme Folgen

Arvid Kaiser

Die von Zecken übertragenen Borreliose-Infektionen in Berlin haben sich in diesem Jahr vervierfacht. Der Gesundheitsverwaltung wurden bisher 52 Infektionen gemeldet. Im gleichen Zeitraum des Vorjahrs waren es nur 13. Insgesamt wurden 2004 in Berlin 179 Fälle von Borreliose, der häufigsten durch die Zeckenart Holzbock übertragenen Krankheit, registriert. In Brandenburg waren es im vergangenen Jahr sogar 1980 Fälle.

Die Zahl dieser Erkrankungen nehme jährlich um etwa zehn Prozent zu, sagt Thomas Talaska, Direktor des Instituts für von Zecken übertragbare Krankheiten in Brieskow-Finkenheerd (Landkreis Oder-Spree): „Seit der zweiten Märzwoche sind die Zecken aktiv. Wir haben das Gefühl, dass die Periode ihrer hohen Aktivität seit Jahren immer länger wird.“ Als Gründe vermutet er die milden Winter.

Zecken sind überall dort verbreitet, wo sie Tiere und Menschen finden. Entgegen vieler Vorstellungen lassen sie sich nicht von Bäumen fallen. Sie leben im feuchten Laub und Unterholz, kriechen allenfalls einen Meter hohe Gräser und Büsche hoch. Ihre Wirte erreichen sie, indem sie von ihnen von den Pflanzen abgestreift werden. Die Tiere warten mitunter jahrelang, bis ein Warmblüter vorbeikommt. Sie brauchen sein Blut, um sich von der Larve zur ausgewachsenen Zecke zu entwickeln.

„Nicht jeder Stich führt zu einer Erkrankung“, sagt Talaska. Nur in einem von hundert Fällen trägt die Zecke das Borrelie-Bakterium im Darm und pumpt es beim Saugen in den Körper des Menschen hinein. Wer das Insekt rechtzeitig bemerkt, kann auch dann noch eine Infektion verhindern. Denn der Parasit braucht zehn Minuten, bis er seinen Saugrüssel tief genug in die Haut gebohrt hat. Bis der Erreger übertragen ist, dauert es bis zu 24 Stunden – Zeit genug, um die Zecke vorsichtig aus der Wunde zu ziehen. Dabei sollte man das Tier nicht drücken oder auf andere Weise (zum Beispiel mit Öl) dazu reizen, seinen Körperinhalt noch schneller los zu werden.

Sicheres Zeichen einer Borreliose-Infektion ist die so genannte Wanderröte, eine Rötung um die Einstichstelle, die sich einige Tage oder Wochen nach dem Stich ringförmig ausbreitet. Ein Fortschreiten der Krankheit kann mit Antibiotika verhindert werden. Eine unbehandelte Borreliose führt häufig zu Gelenk- oder Hirnhautentzündung, gelegentlich auch zu Gesichtslähmung. Wenn die Wanderröte ausbleibt, ist eine Diagnose schwierig. Deshalb sollte man den Arzt bei unbestimmten Beschwerden auf Zeckenstiche hinweisen. Eine Schutzimpfung gibt es bisher nicht gegen Borreliose, nur gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die ist allerdings eher in Süddeutschland verbreitet. Als besten Schutz empfiehlt Talaska, die Beine in der Natur bedeckt zu halten und sich nach dem Waldspaziergang nach Parasiten abzusuchen.

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