Zeitung im Salon : Karikaturist Klaus Stuttmann blickt zurück auf 2012

Es war ein buntes Jahr für den Tagesspiegel-Karikaturisten. Im Salon am 11. Dezember erklärt er, warum er nicht mehr schwarz-weiß zeichnet.

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Der Mann hinter der Zeichnung. Klaus Stuttmann privat.
Der Mann hinter der Zeichnung. Klaus Stuttmann privat.Foto: Kitty Kleist-Heinrich.

Was war 2012 so los? Es ging um Europakrise, Syrien, Koalitionsstreit, BER-Debakel, Bettina Wulff, Organspendeskandal, Mitt Romney und Obama. Alle diese Themen und mehr hat Klaus Stuttmann auf der Meinungsseite des Tagesspiegels abgebildet und aufs Korn genommen. Für ihn selbst hatte das Jahr 2012 aber noch eine ganz andere Bedeutung: Es war das Jahr der Farbe.

Seit dem Sommer erscheinen Stuttmanns Karikaturen auf der Meinungsseite in Farbe – und die Reaktionen darauf sind geteilt. „Die meisten Leute, die ich kenne, sagen mir, ich hätte bei Schwarz-Weiß bleiben sollen“, erzählt Klaus Stuttmann in seiner Kreuzberger Wohnung, in der er auch arbeitet. „Sie finden, die Zeichnungen wirken jetzt zu boulevardesk, wie Cartoons.“

Auch in der Tagesspiegel-Redaktion waren nicht alle begeistert, als Stuttmann vorschlug, die Karikaturen zu kolorieren. Aber viele folgen inzwischen seinen Argumenten: „Mit Farbe kommen die Zeichnungen besser zur Wirkung, sie sind plastischer, deutlicher, klarer. Außerdem macht es auch Spaß, mal so richtig in Farbe zu wühlen“, findet der Meister. Nur manchmal, wenn die gedruckte Farbe nicht dem entspricht, was er zuvor auf dem Bildschirm gesehen hat – „oft ist sie dunkler, kräftiger als auf dem Bildschirm“ – ist er nicht zufrieden. Aber letztlich ist wohl alles eine Gewohnheitsfrage: „Früher war ja die ganze Zeitung in Schwarz-Weiß – wer würde das heute zurückhaben wollen?“

Seit 1970 lebt der gebürtige Schwabe in Berlin, seit 2003 zeichnet er für den Tagesspiegel, zunächst unregelmäßig und als einer von mehreren Karikaturisten. Inzwischen ist er der Hauptkarikaturist des Blatts, eine Institution mit großem Fankreis. Seine mehrfach preisgekrönten Karikaturen erscheinen in zahlreichen Zeitungen, etwa der Leipziger Volkszeitung oder der Badischen Zeitung, in Magazinen wie „Eulenspiegel“und werden in Schulbüchern gedruckt. Einmal wöchentlich zeigt das ZDF Animationen von ihm.

Zu Kopf gestiegen ist ihm der Erfolg nicht, der 63-Jährige bleibt angenehm uneitel und zurückhaltend. Eigentlich lässt er sich auch nicht gerne beim Zeichnen zugucken und scheut Auftritte in der Öffentlichkeit. Aber manchmal lässt er sich überreden. Wie er arbeitet, hat er im Tagesspiegel-Haus schon bei Salon-Veranstaltungen erzählt: Gegen Mittag fängt der Spätaufsteher an, sich zu informieren, und überlegt sich, wie er das Thema des Tages bildlich umsetzen könnte. Wenn er eine Idee hat, geht die Umsetzung schnell – seit Jahren zeichnet Klaus Stuttmann nur noch am Tablet PC und fühlt sich damit wesentlich wohler als früher mit dem Zeichenstift. Bis 16.30 Uhr muss er geliefert haben. „Wenn ich eine halbe Stunde vorher noch keine Idee habe, werde ich nervös. Aber bisher hat’s noch immer geklappt.“ Die Redaktion gibt ihm keine Themen vor und weist auch kaum je eine Zeichnung zurück.

Anfang Dezember erscheinen die Karikaturen aus 2012 in Buchform: „Wir geben nichts“ heißt der satirische Jahresrückblick diesmal, und auf dem Cover ist eine verdrießliche Angela Merkel zu sehen, die ihre Haustür schließt – daran prangt ein Zettel, der alle Ansprüche finanziell klammer Miteuropäer zurückweist. Überhaupt, Angela Merkel. Wie oft hat er sie schon gezeichnet, mit hängenden Bäckchen und Mundwinkeln, aber doch irgendwie sympathisch. Es ist ein beinahe liebevolles Verhältnis, das er zur Kanzlerin hat: „Viele Leute finden, ich zeichne sie zu hässlich, aber ich empfinde das nicht so.“

Jeder Karikaturist hat seine Lieblingsfiguren, und für Stuttmann ist Merkel eine. Silvio Berlusconi war ein Fest für Karikaturisten – schade dass er nicht mehr Ministerpräsident ist! „Auch Sarkozy ist ein Verlust“, sagt Stuttmann. Aber Hollande kann er inzwischen so zeichnen, dass Pariser Bekannte ihn wiedererkennen. An Peer Steinbrück „taste ich mich heran“.

Auf Stuttmanns Homepage www.stuttmann.de kann der Fan alle Bilder nachblättern und Karikaturen zu jedem beliebigen Schlagwort suchen. Bei der Vorstellung seines neuen Buches im Tagesspiegel wird Klaus Stuttmann live zeichnen, einige der ZDF–Animationen zeigen – und mit den Lesern darüber diskutieren, was nun besser ist: Schwarz-Weiß oder Farbe.

Zeitung im Salon mit Klaus Stuttmann, Dienstag, 11. Dezember, 19.30 Uhr. Eintritt inkl. Sekt und Zwei-Gänge-Menü 18 Euro. Moderation: Lars von Törne, am Flügel: Kim Eustice. Anmeldung unter Telefon 29021-520 oder www.tagesspiegel.de/shop

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