Zeitung Heute : … ein meist erfolgreiches Jahr

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Hans, du bist zu emotional“, sagte meine Frau, als die Entscheidung zum Verkauf der BVG-Werbetochter VVR Berek zugunsten meines französischen Konkurrenten ging. Ein Unternehmer, der den Wettbewerb und seine unternehmerische Tätigkeit noch persönlich nimmt – gibt’s so was? Ich fühle mich persönlich angesprochen, wenn es im sozialen und kulturellen Bereich Dinge anzupacken gilt. Ob Weihnachtsbeleuchtung, Grundschulen, Berliner Kältehilfe oder die Bewerbung von Ausstellungen – wir unterstützen gern, wenn wir können. Von uns Unternehmern wird eine Kultur der Verantwortung erwartet – das finde ich richtig. Darf dann umgekehrt der Unternehmer auch von der Politik eine derartige Kultur erwarten? „Das ist eben Kapitalismus.“ Natürlich – und dennoch möchte ich für eine Kultur der Verantwortlichkeiten und nicht allein des Geldes plädieren. Denn gerade wir Mittelständler brauchen einen guten Nährboden, um wachsen zu können.

Die Entscheidung zur VVR – das war 2006 zum Glück der einzige Tiefpunkt. Der Zuspruch von vielen Seiten zeigte mir dann aber auch, dass Berlin unser Unternehmensstandort ist und bleibt. Von Berlin aus sind wir gewachsen, von hier aus konnten wir international expandieren. Anfang Dezember haben wir die achte Tochtergesellschaft in Bukarest gegründet! Die Vielfalt unserer Heimatstadt brachte auch unsere Innovationstätigkeit entscheidend voran: Produkte, die in Berlin bestehen, sind auch andernorts einsetzbar. In diesem Jahr haben wir die Hauptstadt online geschaltet: An über 60 öffentlichen Orten können Passanten kostenlos im Internet surfen und Mails verschicken.

Es war für uns ein gutes Jahr, denn wir haben unser Tätigkeitsfeld in Amsterdam und Philadelphia, aber auch auf dem Heimatmarkt in Karlsruhe ausgeweitet. Wir haben uns auf die Ausschreibung in Hamburg mit einer neuen Designlinie für Stadtmöblierung bestens vorbereitet und viele neue Produkte entwickelt: ein System zur Hundekotbeseitigung, ein patentiertes Beleuchtungssystem für Litfaßsäulen oder das Navigationsinstrument Timescope, das visuelle Zeitreisen ermöglicht. Unsere Mitarbeiterzahl erreichte soeben die 600, meine Maxime lautet: Wir wollen mit Jobs wachsen, nicht ohne. Am 1. Januar übergebe ich den Vorstandsvorsitz an meinen Sohn Daniel Wall. Ich selbst wechsle in den Aufsichtsrat. Damit sind die beiden wichtigsten Positionen des Unternehmens in Familienhand. Gut, um weiter zu expandieren.

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