Zeitung Heute : . . . und die Birne dazu

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Was beim Fleisch das Schwein, scheint die Birne unter den heimischen Obstsorten zu sein: out. Die Frucht gilt als altmodisch, langweilig, deutsch. So viele unterschiedliche Apfelsorten es inzwischen in Bioläden und auf Märkten gibt, so wenige Birnen findet man dort. Jahrelang taugte sie nur als Schimpfwort für einen unförmigen Bundeskanzler. Dabei hat schon Homer sie als „Geschenk Gottes“ besungen. Höchste Zeit für eine Renaissance.

Eigentlich soll man Äpfel und Birnen ja nicht vergleichen. Waverly Root hat es trotzdem getan. „Während man den Apfel als demokratische, widerstandsfähige Frucht charakterisieren kann, zeigt sich die Birne als aristokratisch, anspruchsvoller und empfindlicher.“ In seinem wunderbaren Buch „Alles, was man essen kann“ (Eichborn Verlag) hat der Amerikaner der vernachlässigten Frucht eine wahre Hymne gewidmet, die er für vielfältiger als jede andere hält. Aber weil sie so zart ist, will sie auch gut behandelt werden. Man kann die Maronensuppe damit verfeinern oder den Feldsalat aufpeppen, den Roquefort begleiten – oder mit ihr das Schwein verfeinern. Fest steht: Birnen sind nicht nur zum Trinken da. Richtige Birnen von richtigen Bäumen bekommt man zum Beispiel donnerstags auf dem Bauernmarkt am Wittenbergplatz. Allerdings auch dort nicht die 1500 Sorten, die es geben soll. kip

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