Zeitung Heute : 10 000 Mark für die Promotion

ERHARD SCHMIDT

Im Durchschnitt über alle Positionen stiegen die Grundgehälter bei EDV-Spezialisten im vergangenen Jahr um 3,4 Prozent.Das ist erheblich mehr als in anderen Branchen und darauf zurückzuführen, daß Fachleute für Computer gesucht sind.Dies ist eines der Ergebnisse der aktuellen Studie der Kienbaum Vergütungsberatung über die Einkommenssituation der Führungs- und Fachkräfte in der Datenverarbeitung 1998.256 Unternehmen lieferten Daten von EDV-Mitarbeitern aus 32 typischen EDV-Berufen.

Beträchtlich sind in den einzelnen Positionen die Spannen der Jahresgehälter.So liegt beim Leiter Organisation und Datenverarbeitung das Minimum bei 82 000 Mark und das Maximum bei 364 000 Mark.Beim Systemprogrammierer bewegen sich diese Werte zwischen 52 000 Mark und 228 000 Mark.Damit Ausreißer nach oben oder unten das Bild nicht verzerren, gibt die Studie auch die Quartilswerte an.Sie bewegen sich beim Systemprogrammierer zwischen 79 000 und 119 000 Mark.Insgesamt werden die Spannen umso weiter, je höher eine Tätigkeit in der Firmenhierarchie liegt.

Eine wichtige Rolle für die Gehälter spielt die Ertragslage des Unternehmens: In Firmen mit überdurchschnittlichen Gewinnen wird überdurchschnittlich verdient.Auch in der Abstufung der Grundgehälter spiegelt sich die Ertragslage: So werden in ertragsstarken Unternehmen circa zehn Prozent über Durchschnitt und in ertragsschwachen Unternehmen circa fünf Prozent unter Durchschnitt bezahlt.

Kurzfristige Schwankungen im Unternehmenserfolg schlagen sich primär in den Zusatzleistungen nieder.Fast ein Drittel aller EDV-Mitarbeiter erhält solche Prämien, Tantiemen und Boni.Ihr Anteil am Gesamteinkommen macht in den Führungspositionen durchschnittlich 14 Prozent und in den Fachpositionen circa acht Prozent aus.Insgesamt zugenommen haben die nicht-monetären Zusatzleistungen.Dazu zählen Betriebsrenten, Direktversicherungen (vor allem in kleineren Unternehmen), Unfallversicherungen für den privaten Bereich oder Dienstwagen.

Wie in den Vorjahren werden die höchsten Gehälter in den Großstädten erzielt.1998 liegt Düsseldorf mit zwölf Prozent, Frankfurt mit acht, München mit sieben und Köln mit sechs Prozent über dem Gesamtdurchschnitt.Um sechs Prozent darunter liegt der Westteil Berlins (was übrigens für alle Branchen gilt).Zu Mauerzeiten war dieser Wert noch schlechter, was darauf zurückzuführen war, daß die Stadt bei Unternehmen als wenig attraktiv angesehen wurde.Große Unternehmen zahlen tendenziell besser und haben meist die attraktiveren Zusatzleistungen.Bei den Führungskräften spielt die Personalverantwortung eine besondere Rolle: Ein Leiter EDV-Betrieb mit 15 unterstellten Mitarbeitern verdient etwa 145 000 Mark pro Jahr, sein Kollege mit 100 Mitarbeitern kommt auf 209 000 Mark.

Tendenziell werden in der Großrechnerwelt höhere Gehälter gezahlt, da hier in der Regel Spezialkenntnisse mit Tiefgang erforderlich sind.In kleineren Unternehmen hingegen sind oft mehrere EDV-Funktionen an einem Arbeitsplatz zusammengefaßt, außerdem wird ein breiter angelegtes Wissen gefordert.Die Unterschiede sind jedoch nicht groß: So verdient ein Projektleiter an einem Arbeitsplatz-PC 11 000 Mark im Jahr weniger als sein Kollege in der Groß-EDV.

Die rasante technische Entwicklung zwingt DV-Spezialisten heute, ein fundiertes Fachwissen auf der Hoch- oder Fachhochschule zu erwerben.Vor zehn Jahren hatten beim Datenbank-Organisator / -Administrator 32 Prozent die mittlere Reife als höchsten Bildungsabschluß, 39 Prozent kamen von einer Hoch- oder Fachhochschule.1998 ist bei diesen Mitarbeitern die mittlere Reife auf 18 Prozent zurückgegangen, während die Hoch- und Fachhochschüler mit 53 Prozent vertreten sind.Je besser die Ausbildung, desto höher auch die Gehälter.Eine Promotion schlägt mit bis zu 10 000 Mark pro Jahr zu Buche.

Computer und EDV sind nach wie vor "Männersache": In den letzten zehn Jahren ist der Anteil der Frauen an den Führungspositionen annähernd gleichgeblieben.1998 liegen sie - wie schon im Vorjahr - in den Fachpositionen bei 18 Prozent und in den Führungspositionen bei vier Prozent.Aber auch als qualifizierte Fachkraft erhält die Frau in der EDV ein um durchschnittlich 20 Prozent geringeres Einkommen als ihr männlicher Kollege in gleicher Position.

Beim Vergleich der neuen und alten Bundesländer ergab die Studie zwei bemerkenswerte Abweichungen.Zum einen ist der Anteil der EDV-Mitarbeiter mit Hoch- oder Fachhochschulbesuch im Osten mit 71 Prozent viel höher als im Westen (48 Prozent).Zum andern sind in den neuen Bundesländern 33 Prozent der EDV-Mitarbeiter Frauen, in den alten Bundesländern sind nur 18 Prozent der vergleichbaren Positionen mit Frauen besetzt.Insgesamt verdienen EDV-Kräfte im Osten circa 20 bis 30 Prozent weniger als ihre Kollegen im Westen.

Der Autor ist Personalberater bei Kienbaum und Projektleiter der Gehaltsstudie "Führungs- und Fachkräfte in der Datenverarbeitung 1998".Sie ist ist zum Preis von 780 Mark zuzüglich Mehrwertsteuer zu beziehen bei der Kienbaum Vergütungsberatung, Postfach 10 05 52, 51605 Gummersbach, t 02261 / 703-200.

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