Zeitung Heute : 12 000 offene Stellen für Lkw-Fahrer Die Ansprüche der Speditionen steigen

Claudia Bell[dpa]

Lange Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung, kilometerlange Staus und tagelange Trennung von der Familie – rosige Arbeitsbedingungen hören sich anders an. Nicht zuletzt deshalb suchen Deutschlands Speditionen derzeit verzweifelt Brummifahrer, die ihre Güter transportieren. Rund 12 000 offene Stellen sind nach Angaben des Verbands für Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL) derzeit zu besetzen.

„Die Konjunktur brummt, die Speditionen haben jede Menge Fahrzeuge auf dem Hof stehen, finden aber keine Fahrer“, sagt Verbandsgeschäftsführer Herbert Riedel. Denn das Problem seien nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die gestiegenen Ansprüche der Arbeitgeber. Eine möglichst fehlerfreie deutsche Sprache, ein gepflegtes Äußeres und ein entsprechender Umgang mit den Kunden seien heute Grundvoraussetzungen. Zudem müssten die Fahrer je nach Ladung speziell ausgebildet sein – etwa, wenn es um hochexplosives Gefahrengut geht. Und so sind bei der Bundesagentur für Arbeit rund 36 000 Lkw-Fahrer arbeitslos gemeldet, die trotz der gestiegenen Nachfrage keinen Job finden.

Ein weiteres Problem ist die Ausbildung. Was früher die Bundeswehr leistete – ein Großteil der Lkw-Fahrer hatte den entsprechenden Führerschein während des Wehrdienstes gemacht – müssen heute Berufsschulen und Speditionen übernehmen. Der Bund muss sparen.

Die Chance auf bessere Arbeitsbedingungen besteht aber durchaus. „Die Fahrer sitzen jetzt am längeren Hebel“, sagt Matthias Rathmann vom Branchenmagazin Trans Aktuell. Durch den hohen Bedarf der Spediteure könnten sie durchaus auf den Tisch hauen und auf ihren Rechten bestehen. Das gilt spätestens seit der Einführung des neuen Arbeitszeiten-Gesetzes, das eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden vorsieht. Die meisten der Fahrer nehmen die Arbeitsbedingungen allerdings in Kauf – aus Angst, ihren Job zu verlieren.

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