Zeitung Heute : 30-Meter-Auto: Sensotronic - der erste Schritt zur Serie

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Das hier beschriebene 30-Meter-Auto ist derzeit noch ein Protytyp, bei dem viele Systeme noch nicht serienreif sind. Doch einige seiner Elemente sind bereits so weit entwickelt, dass sie zunehmend Eingang in die Serienfertigung finden. Dazu gehört neben den variablen mit Luft arbeitenden Feder- und Dämpfer-Elementen künftig auch die Elektrohydraulische Bremse, an der verschiedene Unternehmen aus der Zulieferindustrie arbeiten. Neben Continental ist das unter anderem Bosch. Zusammen mit Mercedes-Benz ist hier inzwischen die Elektrohydraulische Bremse als "Sensotronic Brake Control" (SBC) zur Serienreife gebracht worden. Sie wird erstmals im neuen Mercedes SL in Serie gehen und einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Fahrzeugsicherheit leisten.

SBC gehört zu den künftig immer wichtiger werdenden Mechatronic-Systemen, bei denen Mechanik und Elektronik in bislang nicht möglicher Weise zusamenarbeiten. Dabei kommen Funktionen, die bislang mechanisch oder hydraulisch gesteuert wurden, künftig unter die Regie leistungsfähiger Mikrocomputer und elektronisch steuerbarer Aktuatoren. Ein Beispiel für solche mechatronischen Systeme ist das aktiv geregelte Fahrwerk, das Mercedes-Benz als "Active Body Control" (ABC) bereits 1999 in die Serie einführte. Nun folgt dieser elektronisch gesteuerten Federung die elektronisch gesteuerte Bremsanlage. Bei ihr lassen sich elektronische Impulse und Sensorsignale schneller als bei den bisherigen Systemen in Bremsbefehle umwandeln und damit Zeit gewinnen. Dabei dient das Bremspedal mit seinen Sensoren nur noch dazu, den Fahrerwunsch zu erfassen.

Der wird im SBC-Computer weiterverarbeitet. In diesem Computer treffen neben den Daten über die Betätigung des Bremspedals auch die Sensorsignale anderer elektronischer Assistenzsysteme ein, also vom ABS-System, das Daten über die Drehzahl der Räder liefert oder der Fahrdynamikregelung ESP, die Daten über Lenkwinkel, Querbeschleunigung und Drehraten liefert und der Getriebesteuerung, die über die gerade aktive Fahrstufe informiert. Unter Berücksichtigung dieser Werte ist der SBC-Computer in der Lage, in jeder Situation für jedes Rad ganz individuell die optimale Bremskraft zu berechnen und dann die Bremszylinder über so genannte Raddruck-Modulatoren gezielt anzusteuern. Und das mit einer bislang nicht möglichen Geschwindigkeit. Das Ergebnis: Bei einer Gefahrenbremsung aus Tempo 120 verkürzt sich der Anhalteweg eines Fahrzeugs mit SBC um immerhin drei Prozent.

Hinzu kommt, dass der Brems-Assistent in Verbindung mit der neuen Technik noch leistungsfähiger wird. SBC hilft aber auch, bei Schleudergefahr die Wirkung von ESP zu optimieren, das durch die elektronische Steuerung noch dynamischer und präziser wird. Hilfreich ist SBC zudem beim Bremsen in Kurven, weil sich die Bremskräfte variabler und gezielter verteilen lassen. Und es gibt ganz neue Funktionen, wie die Soft-Stop-Funktion für sanftes Anhalten im Stadtverkehr oder den Stau-Assistenten mit automatischer Bremsfunktion.

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