Zeitung Heute : 350 Anzeigen eingegangen

Start der freiwilligen Multimedia-Selbstkontrolle geglückt ddpADN.Das Kontrollorgan der deutschen Multimedia-Anbieter ist von der Branche gut angenommen worden und kann nach einem halben Jahr auf erste Erfolge verweisen.Mehr als 250 Selbstverpflichtungserklärungen bestätigten eine "schöne Akzeptanz" in der Medienwirtschaft, sagte der Vorsitzende der Anfang Juli 1997 gegründeten Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), Detlev Müller-Using. Der von den FSM-Mitgliedern verabschiedete Verhaltenskodex werde eingehalten, sagte Müller-Using.Trotzdem seien bisher mehr als 350 Anzeigen eingegangen, von denen 102 ernstzunehmende Hinweise enthielten.In allererster Linie habe es sich dabei um pornographische und rechtsextremistische Inhalte im Internet gehandelt.Müller-Using berichtete von einem Fall, in dem sich eine rechtsextremistische Gruppe nach einer Rückfrage durch die FSM sofort aufgelöst habe.Schwierigkeiten gebe es allerdings im Internet mit Inhalten auf ausländischen Servern, die nicht prüfbar seien, räumte der FSM-Vorsitzende ein.Trotzdem wurden bei groben Verstößen gegen deutsches Recht Mitteilungen an Serverbetreiber verschickt.Auch hier gelte das Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein", sagte Müller-Using.Außerdem wurden ausländische Selbstkontrollinstitutionen unterrichtet.Solche existierten bereits in Norwegen, Großbritannien und Frankreich, aber zunehmend auch in den USA. Der FSM-Verhaltenskodex sanktioniert unzulässige Inhalte wie Gewaltverherrlichung und Rassendiskriminierung, legt Grundsätze zum Jugendschutz und zu redaktionell gestalteten Inhalten fest und schreibt eine Anbieterkennzeichnung vor.Jeder Bürger kann sich bei der FSM beschweren, wenn er glaubt, im Internet und anderen Netzen beziehungsweise bei Online-Diensten Inhalte entdeckt zu haben, die gegen diese Grundsätze verstoßen.Die Beschwerde wird von einem Rechtsanwalt vorgeprüft und danach dem Kontrollgremium vorgelegt.Wird ein Verstoß festgestellt, droht ein Hinweis mit Abhilfeaufforderung, eine Mißbilligung oder eine Rüge, die von FSM-Mitgliedern mit ihrem Angebot einen Monat lang veröffentlicht werden muß. Wie Müller-Using weiter sagte, werde die FSM auch bei unverlangt zugesandter elektronischer Werbung aktiv.Um beispielsweise derartige Werbung für Sexbücher zu unterbinden, sei in einem Fall der Deutsche Werberat eingeschaltet worden.Der FSM-Vorsitzende verwies in diesem Zusammenhang auf eine gute Zusammenarbeit mit den anderen Kontrollgremien der Medienbranche.So sei inzwischen auch Einvernehmen mit den Zeitungsverlegern darüber erreicht worden, daß für Online-Zwecke bearbeitetes Material in die Zuständigkeit des FSM fällt, während für reine Abdrucke der Presserat die Kontrollinstanz ist. Müller-Using wies darauf hin, daß die Anbieter zwar die Hauptverantwortung für Online-Inhalte trügen, die sogenannten Service-Provider aber durchaus mitverantwortlich seien: Erhalten sie Kenntnis von einem strafbaren Inhalt, ist dieser zu sperren, wenn dies zumutbar ist.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben