Zeitung Heute : 60 Firmen suchen nach Nachwuchs mit unterschiedlichsten Qualifikationen - Karriere früh planen

Heiko Schwarzburger

Großes Gedränge im Lichthof: Wie in den Vorjahren erwarten die Veranstalter der bonding-Kontaktmesse an der Technischen Universität auch dieses Mal über 10 000 Studenten und Absolventen. Mehr als 70 namhafte Unternehmen werden sich den Interessenten präsentieren, neben den Giganten auch mittelständische Firmen. Obwohl der Schwerpunkt der "Kopfjäger" nach wie vor auf der Informationstechnik und den Dienstleistungen liegt, sind traditionelle Branchen wie der Maschinenbau und die Sicherheitstechnik wieder stark im Kommen.

Mit BMW, Volkswagen, DaimlerChrysler Aerospace, Siemens und Bosch läuft die Elite der deutschen Hochtechnologie-Konzerne auf. Auch die Kölner Dependance der Ford AG, die Dräger-Werke aus Lübeck, Thyssen und ABB suchen Nachwuchs. Die Anbieter von Software oder Finanzdienstleistungen suchen mehr und mehr Mitarbeiter aus fremden Fachgebieten. "Wir schneiden unsere Informatiklösungen genau auf die Wünsche unserer Kunden zu. Unterschiedliche Branchen erfordern demnach einen unterschiedlichen fachlichen Zuschnitt", meint Constanze Bichler von der Personalabteilung des IBM-Konzerns. "Wir haben Spezialisten für jede Phase unserer Projekte, angefangen vom ersten Gespräch mit dem Kunden, über die technische Umsetzung und Programmierung bis hin zum Vertrieb und dem Service." Nach Jahren des Konzernumbaus expandiert IBM seit einiger Zeit wieder kräftig. Weltweit wird für das kommende Jahr die magische Grenze von 300 000 Mitarbeitern angepeilt. IBM Deutschland will auf über 25 000 Beschäftigte wachsen. Dazu sind rund 2000 Neueinstellungen geplant, "vor allem Informatiker und verwandte Fächer", wie Constanze Bichler sagt.

Am höchsten im Kurs stehen Absolventen der Wirtschaftsinformatik oder Programmierer mit zusätzlichen Kenntnissen beispielsweise in der Finanzmathematik. Zu den IBM-Kunden gehören vor allem Banken, Versicherungen, Medien und der öffentliche Sektor. Doch gute Fachkenntnisse sind nur die halbe Miete. "Wir suchen nicht den Superinformatiker, der im stillen Kämmerchen mutterseelenallein vor seinem Computer sitzt", erläutert Constanze Bichler. "Wir brauchen junge Leute, die Spaß an der Zusammenarbeit mit anderen Menschen haben." Kommunikative Fähigkeiten sind auch auf der bonding-Messe gefragt: "Wir wollen mit Absolventen ins Gespräch kommen, die aufgeschlossen sind und uns die Möglichkeit geben, sie offen kennen zu lernen."

Wer seine Diplomarbeit in einem Unternehmen schreiben will, sollte einige Themen zur Auswahl vorbereiten. Reine Fachidioten haben es auch bei den Banken immer schwerer. So sucht die Deutsche Kreditbank AG, hervorgegangen aus der ehemaligen Staatsbank der DDR, nicht nur Finanziers und Betriebswirtschaftler, sondern auch Ingenieure und Landwirte. "Für uns ist die Hauptsache, dass sie sich für das Bankgeschäft interessieren, unseren Kunden gegenüber kommunikativ und mobil einsetzbar sind", präzisiert Angela Huber von der Berliner Zentrale. "Unsere Bank richtet sich nicht an den typischen Gehaltsempfänger sondern an Firmen, Selbstständige, Kommunen. Ein wichtiges Geschäftsfeld sind Immobilien." Experten sind immer gefragt: "Wenn wir einem Bauern Kredit gewähren wollen, brauchen wir Fachleute, die etwas vom Ackerbau verstehen, um die Risiken zu bewerten." Die Niederlassungen der Deutschen Kreditbank, die heute zu den Tochterunternehmen der Bayerischen Landesbank gehören, sind ausnahmslos in den neuen Bundesländern angesiedelt. "Bei all diesen zusätzlichen Anforderungen setzen wir natürlich gute Studienergebnisse und kurze Studienzeiten für unsere Neueinstellungen voraus", stellt Angela Huber klar.

Ganz andere Ziele verfolgt der German Career Service, der sich ebenfalls am 30. November auf der bonding-Messe präsentieren wird. Der deutsche Ableger der weltweit agierenden EMDS-Gruppe betreibt eine Datenbank, in der rund 30 000 Absolventen von Hochschulen gespeichert sind. "Diese Daten stellen wir interessierten Unternehmen zur Verfügung, die sich daraus ihre Wunschkandidaten aussuchen", erklärt Bernd Engelien, Sprecher am Kölner Hauptsitz von German Career Service. "Dann laden wir die Absolventen zu speziellen Branchentreffen ein, wo sie mit den Personalchefs dieser Unternehmen direkt ins Gespräch kommen." Der Eintrag in die Datenbank ist für die Absolventen kostenlos. Derzeit werden alle Fachgebiete aufgenommen, von den Philologen bis zu den heiß begehrten Informationstechnikern. "Wir suchen also keinen Nachwuchs für uns selbst, sondern für unsere Kunden", sagt Bernd Engelien. "Gute Studienleistungen werden zwar vorausgesetzt, entscheiden aber allein noch lange nicht über den Erfolg einer Bewerbung." Personalchefs suchen bei den Bewerbern vor allem nach Merkmalen, die ihre Qualitäten vom Durchschnitt abheben. "Auslandsaufenthalte werden in der Regel sehr hoch bewertet", weiß der erfahrene Vermittler. "Auch zusätzliche Aktivitäten außerhalb des Lehrplans spielen eine große Rolle. Das kann die Mitarbeit in der Studentenvertretung sein, der Hochschulsport oder die Tatsache, dass ein Absolvent während seines Studiums eine eigene Firma gegründet hat."

Interessenten, die sich vom German Career Service beim Berufseinstieg helfen lassen wollen, füllen am Messestand nur ein Formblatt aus, das ihre Daten und Qualifikationen erfasst. Später folgt die Einladung zum Branchentreffen, speziell ausgerichtet für Unternehmen des Automobilbaus, der Informationstechnologie, für Marketingabteilungen oder Firmen und Organisationen der Gesundheitsbranche. Das Datenblatt kann auch im Internet ausgefüllt werden (www.career.de). Überhaupt ist es nützlich, sich Wunschfirmen bereits vor dem Messebesuch im Internet anzusehen und drängende Fragen im Vorfeld zu klären. Deutschlands größter Dienstleister, die debis AG, hat eigens einen Chatroom für interessierte Studenten und Absolventen eingerichtet ( www.jobs.debis.de ). Auch die Vermittlung von Praktika ist dort seit kurzem über das Internet möglich.

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