Zeitung Heute : 60 Jahre Deutschland von A bis Z

Constanze HaaseD

Kennen Sie die Loreley? Wie viele Vereine gibt es in Deutschland? Und welche Bedeutung steckt eigentlich hinter dem Begriff „Made in Germany“? Fragen über Fragen. Jürgen Reiche, Lehrbeauftragter der Humboldt-Universität, und eine Gruppe von Studentinnen und Studenten des Instituts für Europäische Ethnologie kennen die Antworten bereits. „Deutschland für Anfänger“ lautet der Titel einer Ausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und des Goethe-Instituts, für die die Studierenden die Begleitbroschüre erarbeiten.

„Das Projekt erklärt Deutschland – unprätentiös, wissenschaftlich fundiert, aber auch augenzwinkernd und mit versöhnlicher Schärfe“, verspricht Jürgen Reiche, Leiter des Studienprojektes und Ausstellungsdirektor der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn das Vorhaben.

Die Ausstellung, die ab 1. Juli zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik und zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im Auswärtigen Amt zu sehen sein wird, orientiert sich am Alphabet: Von A wie Arbeit, über C wie Currywurst bis zu Z wie Zukunft werden alle Stereotypen über die Deutschen bedient, um aufzuklären, zu unterhalten und zum Nachdenken anzuregen. Das „B“ beispielsweise symbolisiert das Brauchtum. In seinen dreidimensionalen Aufbauten verbergen sich Ostereier, Weihnachtskrippen und Amateurfilmaufnahmen zu deutschen Festtagen, ebenso wie landestypische Trachtenaccessoires. Das „G“ steht für Gemütlichkeit. Es lehnt lässig an der Wand, eine Couch lädt zum Verweilen ein. Die Kuckucksuhr in unmittelbarer Nähe erinnert die Besucher dabei jede volle Stunde an deutsche Handwerkerarbeit und alte Traditionen.

Vorgeschaltet sind Übersichtsthemen, die Auskunft über die Geschichte und Kultur der Bundesrepublik geben, über Staat, Recht, Wirtschaft sowie Bevölkerungsstruktur, Klima und geographische Besonderheiten. An einer SOS-Notrufsäule kann das Grundgesetz abgerufen werden. „Eine schöne Idee“, freut sich der Historiker Jürgen Reiche, „aus hunderten Einzelinformationen können sich die Besucher ihr Deutschlandbild zusammensetzen und sich dabei vor allem selbst erkennen.“

Wie unterschiedlich und vielfältig sich die Deutschen selbst sehen, hat bereits das parallel zur Ausstellungsentwicklung laufende Studienprojekt „Deutschland von A bis Z“ gezeigt. Zehn Magisterstudenten der HU sind in ihren Referaten verschiedenen Facetten Deutschlands nachgegangen. Auch kontrovers diskutierte Themen wurden betrachtet, wie etwa die Bundeswehr oder die deutsche Migrationspolitik. Aus den bisherigen Ergebnissen sollen die Studenten im Sommersemester eine mehrsprachige Zeitung erstellen: Neben deutschen und englischen werden dort auch türkische Texte zu finden sein. Ziel des Projektes ist es, einen Reiseführer – eine Art Cicerone – für Deutschland zu erstellen. „Den Studenten soll die Gelegenheit gegeben werden, Theorie und Praxis zu verbinden“, sagt Reiche. Sie haben bereits Kontakt zur Jungen Presse aufgenommen, um sich journalistisches Know-how anzueignen. In einer durchlaufenden Kopfzeile sollen die Themen der Ausstellung kurz und knapp dargestellt werden, die weiteren Beiträge werden die Ausstellungsinhalte vertiefen. „Wir möchten Tagesabläufe von verschiedensten Menschen ausarbeiten, Interviews führen, die das Verhältnis zu Deutschland widerspiegeln, oder aber ethnografische Miniaturen über die Erlebnisse an einer Imbissbude beim Curry-Wurst essen einbringen“, erzählt der Student Ludger Storcks. Der 28-Jährige studiert Europäische und Außereuropäische Ethnologie im achten Semester und findet: „Wir bekommen interessante Einblicke in den musealen Ausstellungsalltag. Auch die redaktionelle Tätigkeit mit Layoutgestaltung und Druck ist spannend.“

Die Ausstellung wird vom Auswärtigen Amt in Berlin aus in weitere deutsche Städte ziehen. Anschließend wird eine weitere Variante des Projektes über die Goethe-Institute nach Nordamerika und von dort aus um die ganze Welt wandern. Constanze Haase

„Deutschland für Anfänger“: Eine Wanderausstellung, zu sehen ab 1. Juli im Auswärtigen Amt, Werderscher Markt 1 in Berlin-Mitte.

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