Sie dachten, es sei endlich Ruhe eingekehrt in ihrer Heimat. Doch nach Jahren des Krieges durchleben die Tschetschenen nun einen neuen Albtraum: Fast wöchentlich sprengen sich Selbstmordattentäter in die Luft. Islamisten haben den Kampf um Unabhängigkeit zum Glaubenskrieg gemacht.
Es ist Freitagnachmittag, kurz nach zwei, das Hauptgebet geht zu Ende. Die Gläubigen strömen aus der Achmad-Kadyrow-Moschee, einem marmornen Prachtbau, der vor einem Jahr fertiggestellt wurde. Die Sonne wärmt noch an diesem Herbsttag in Grosny, auf dem Wladimir-Putin-Prospekt hinter der Moschee fließt der Mittagsverkehr. Einige Tschetschenen setzen sich an den Brunnen neben der kürzlich eröffneten Russischen Islamischen Universität, sie diskutieren über die Predigt des Imams. „Selbstmordattentäter können nicht barmherzig sein“, hat er die Gläubigen belehrt.
Später, im Abendfernsehen, wird ein anderer Imam von der „goldenen Zukunft“ sprechen, die für Tschetschenien nun endlich angebrochen sei. Gezeigt werden Bilder vom Putin-Prospekt, wo sich Schönheitssalon an Café reiht, und von Wohnvierteln, wo kaum ein Haus mehr an den Krieg erinnert, der die Menschen dieses Landes 15 Jahre lang gequält hat. Der 32-jährige Präsident Ramsan Kadyrow hat aus Ruinen innerhalb weniger Jahre blühende Landschaften gemacht.
Nur die „Teufel“ stören diese Idylle.
Seit die russische Armee Mitte April ihre knapp zehnjährige „konterterroristische Operation“ offiziell beendet hat, sprengen sich in Tschetschenien und den nordkaukasischen Nachbarrepubliken Dagestan und Inguschetien fast jede Woche junge Männer in die Luft. Sie sind 25, manchmal erst 18 Jahre alt. Meist reißen sie Polizisten mit in den Tod. Ihre Anschläge sind offenbar von langer Hand geplant: In Berlin wurden vergangene Woche bei einer Großrazzia drei Islamisten ermittelt, die Terroranschläge in Russland vorbereitet haben sollen. Auf den Straßen von Grosny stehen nervöse Uniformierte mit Maschinenpistolen im Anschlag. Jeder, der ihnen zu nahe kommt, könnte einer der selbst ernannten „Schahide“ sein – Märtyrer im Namen Allahs.
Uvays ist an diesem Freitag nach Schali gefahren, eine Stadt 35 Kilometer südöstlich von Grosny. Zwei „Märtyrer“ haben sich in der vergangenen Nacht an einem Polizeiposten in die Luft gesprengt, unter den Verletzten ist der 22-jährige Polizist Amin, ein Cousin von Uvays. „Der Typ kam von hinten angerannt, hat laut ‚Allahu Akbar‘ geschrien und sich in die Luft gesprengt“, berichtet der 31-Jährige, der in Grosny als Anwalt arbeitet. So haben es ihm Augenzeugen erzählt. Er und mehrere Dutzend Verwandte halten nun nach tschetschenischer Tradition vor dem Krankenhaus Wache. In kleinen Gruppen hocken sie auf den Bordsteinen und warten auf Neuigkeiten: Amin wird im künstlichen Koma gehalten, eine Kugel steckt in seinem Kopf. Erst vor wenigen Monaten war er Polizist geworden, abends studierte er Geschichte. Natürlich hatte sein Vater ihn vor dem Berufsrisiko gewarnt. „Aber für junge Leute gibt es hier nur zwei Möglichkeiten, Geld zu verdienen: entweder als Polizist oder als Bauarbeiter“, sagt der Vater, der nach der zweiten schlaflosen Nacht tiefe Augenringe hat.
Amins Verwandte haben schnell herausgefunden, wer der Attentäter war: ein junger Mann aus der Stadt Argun, nur ein Jahr jünger als Amin. Vor etwa drei Jahren hatte er sich den Rebellen angeschlossen, war „in den Wald gegangen“, wie es hier heißt. Ein Handy wird herumgereicht: Da liegt er, der Attentäter, mit weit aufgerissenen Augen, vom Körper nur noch der Torso und ein Arm übrig, zerfetzt von einem mit Metallkugeln gefüllten Sprengstoffgürtel.
Auf einem anderen Bildschirm, er hängt in einer Schaschlik-Stube gegenüber des Krankenhauses, verkündet derweil ein vor Selbstbewusstsein strotzender Präsident Ramsan Kadyrow, die Rebellen seien „Schaitany“, Teufel, mit denen er kurzen Prozess machen werde.
Nicht nur Polizisten, auch die politische Elite wird von den Attentätern ins Visier genommen: Ende Juni sprengte ein Mudschaheddin die Fahrzeugkolonne des inguschetischen Präsidenten Junus-Bek Jewkurow in die Luft, er überlebte schwer verletzt. Aus dem Kampf der Tschetschenen für Unabhängigkeit, der seit 1994 rund 60 000 Menschenleben forderte, hat sich ein Bürgerkrieg fundamentalistischer Islamisten gegen die lokalen Machteliten entwickelt.
Dabei waren in den letzten Jahren fast alle, die Ramsan Kadyrows Macht infrage stellen könnten, ausgeschaltet worden. Aslan Maschadow, der ehemalige Präsident, wurde 2005 getötet, den Rebellenführer Schamil Bassajew erschoss 2006 der russische Geheimdienst, und auch die Brüder Sulim und Ruslan Jamadajew, Erzfeinde des Kadyrow-Clans, wurden im vergangenen Jahr beseitigt. Nun will Kadyrow seine letzten Gegner vernichten: Seit dem Frühjahr geht er mit äußerster Härte gegen die Islamisten unter der Führung des selbsternannten „Emirs“ Doku Umarow vor. Jeden Tag ziehen Truppen in die bewaldeten Berge an der Grenze zu Georgien und Dagestan, wo die Rebellen vermutet werden. Nur noch 50 bis 70 seien übrig, sagt Kadyrow, der harte Worte liebt. Den Verwandten der Rebellen drohte er jüngst: „Entweder sie töten ihre Hunde selbst, oder sie sollen sie uns überlassen.“
Die Islamisten antworten mit Selbstmordanschlägen, die den Nerv des traumatisierten Landes treffen. Die Tschetschenen, die in den vergangenen 20 Jahren ausgebombt, verschleppt und vertrieben wurden, zeigen sich schockiert von der neuen Strategie der Islamisten. „So etwas hat es hier noch nie gegeben“, sagt der Anwalt Uvays entgeistert. Denn bisher hatten sich tschetschenische Attentäter meist jenseits der Republikgrenzen in die Luft gesprengt.
Die männlichen Bewohner der Nowatory-Straße versammeln sich nach Einbruch der Dunkelheit auf einem der Höfe. Obwohl die fünfstöckigen Plattenbauten hier frisch saniert sind und fast nichts mehr an den Krieg erinnert, spürt man große Nervosität: Die Gerüchteküche brodelt, jeder hat von neuen Terroranschlägen gehört. Was das tschetschenische Fernsehen verschweigt, wird per Mundpropaganda verbreitet. Auch hier auf dem Hof steht ein Handy im Zentrum der Aufmerksamkeit: Ein Dutzend junger Männer verfolgt ein Video, das derzeit in Tschetschenien kursiert. Auf dem Display ist ein Mann mit dünnem Vollbart zu erkennen, er sitzt auf der Hinterbank eines Kleinbusses. Mit ruhiger Stimme spricht er von Allah, vom Dschihad, von den „Kafery“, den Ungläubigen. Immer wieder untermauert er seine Ausführungen mit arabischen Koransuren, dann hebt er warnend den Finger: „Diese Aktion ist nur der Anfang. Inschallah.“ Schnitt. Man sieht den Kleinbus nun von außen, er biegt von einer belebten Straße ab und steuert auf eine Mauer zu. Eine ohrenbetäubende Explosion, alles versinkt in Staub, man hört Maschinengewehrsalven. Der Anschlag galt dem Innenministerium der inguschetischen Hauptstadt Nasran, mindestens 25 Menschen kamen dabei um.
Die meisten Männer auf dem Hof schütteln den Kopf, Sympathie für den Attentäter hat keiner. Aber Achtung. „Das war ein Mensch mit Idealen“, sagt ein junger Tschetschene.
Der Mann im Video war bekannt als Mitglied der Islamistengruppe „Riyad us-Sahilin“: Garten der Tugendhaften. Er nennt sich Said Burjatski, doch der wirkliche Name des 27-Jährigen ist Alexander Tichomirow, er stieg im letzten Jahr zum Chefideologen der russischen Islamisten auf. Tichomirow, der in seiner Jugend zum Islam konvertierte, ist mit Internetpredigten berühmt geworden. Als Ziel bezeichnet er die Vertreibung der Ungläubigen aus dem Kaukasus, als Endziel die Errichtung eines kaukasischen Emirats. Im Mai 2008 sickerte er nach Tschetschenien ein, um den „Pfad des Dschihad“ zu beschreiten. Kadyrow hat ihn zu seinem „persönlichen Feind“ erklärt.
Ob sich Tichomirow in Nasran wirklich in die Luft gesprengt hat, ist unklar. Im September dementierte eine Extremisteninternetseite seinen Tod. Weiter hieß es dort, insgesamt stünden 20 „Märtyrer“ zum Selbstmord im Namen Allahs bereit. Sechs von ihnen haben sich bislang in die Luft gesprengt. Bleiben 14.
Hinter einem grünen, von Maschinengewehrsalven durchlöcherten Zaun lebt Sulpa Dakajewa. Lautstark verflucht die 58-Jährige die Mörder von Natalja Estemirowa, der Menschenrechtlerin, die am Morgen des 15. Juli von Unbekannten entführt und erschossen wurde. „Sie war die Einzige, die für die Erniedrigten gekämpft hat! Die anderen haben alle Angst um ihre Sessel“, sagt Dakajewa wütend. Seit dem Jahr 2000, als ihr Haus von Granaten zerstört wurde, hat sie mit ihrer Familie in Flüchtlingslagern und Wohnheimen gelebt. Im Dezember 2007 sicherten die Behörden ihr zu, der Familie bis Februar 2008 eine Wohnung zuzuteilen. Die Dakajews verließen ihr Wohnheim, gemeinsam mit elf weiteren Familien, von denen nur drei inzwischen eine Wohnung bekommen haben. Familie Dakajewa nahm in einer Baracke Zuflucht. Die Mutter presst die Hand vor den Mund und schluchzt. An allem Elend, sagt sie, seien Kadyrows Beamten schuld, die sich an den Moskauer Subventionsgeldern bereichern – allein im Jahr 2008 floss über eine Milliarde Euro nach Tschetschenien.
Geschichten wie die von Sulpa Dakajewa kennt fast jeder in Grosny: Ihre Nachbarin erzählt, was man tun muss, um die Kompensation von rund 8000 Euro zu erhalten, die der Staat jedem Tschetschenen zahlt, dessen Haus im Krieg zerstört wurde: „30 Prozent müssen wir den Beamten abtreten.“
Nurdi Nuchaschijew bringt das nicht aus dem Konzept. „Die Lösung dieser Probleme hängt von der Zivilgesellschaft ab“, sagt der Menschenrechtsbeauftragte Tschetscheniens. Hinter ihm hängt ein Bild, das ihn mit dem Präsidenten zeigt: Kadyrow, in Lederjacke, hakt Nuchaschijew freundlich unter, die beiden gelten als enge Vertraute. „Wenn jemand eine Bestechung fordert, dann gibt es gesetzliche Möglichkeiten, dagegen zu protestieren“, sagt Nuchaschijew. „Wir haben ein funktionierendes Rechtssystem.“
Dann schimpft Nuchaschijew gegen die Informationskampagne, die der Westen gegen Tschetschenien und Russland führe: Als Instrument dienten „von den USA finanzierte“ Organisationen wie Human Rights Watch und Memorial. Ihre Strategie sei, die Probleme in Tschetschenien aufzublähen – und andere Dinge zu verschweigen. Was seien schon die 27 Fälle unrechtmäßiger Festnahmen in diesem Jahr, fragt Nuchaschijew, im Vergleich zu einem Rechtsbruch wie Guantanamo? Und ja, in Tschetschenien seien in diesem Jahr in sechs Fällen Häuser von Angehörigen getöteter Rebellen niedergebrannt worden. „Aber vergleichen Sie das mal mit den Methoden, die Israel gegen religiöse Extremisten einsetzt! Warum berichten diese Organisationen nicht über solche Verbrechen?“ Für Nuchaschijew ist die Antwort klar: „Weil sie Menschen gleichen Blutes sind – Juden.“
Viel lieber spricht Nuchaschijew aber über sein Lieblingsthema, über die 3000 von russischen Soldaten verschleppten Tschetschenen, deren Körper in Massengräbern vermutet werden. Nuchaschijew will sie finden und die Schuldigen bestrafen. „Aber es gibt den Wunsch bestimmter föderaler Strukturen, die Verbrechen von Soldaten nicht aufzudecken“, sagt er.
In der Nacht hat das Telefon Uvays aus dem Schlaf gerissen. „Amin ist gestorben“, teilte ihm ein Verwandter mit. Uvays hat sich gleich auf den Weg gemacht, noch am selben Tag wird Amin in seinem Geburtsort beerdigt, die Trauerzeremonien werden noch die ganze Woche dauern. Amins Angehörige haben der Familie des Attentäters keine Blutrache geschworen, wie es nach tschetschenischer Tradition üblich wäre. „Aber streicheln“, sagt der Vater, „wird man sie auch nicht.“
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 13.10.2009)
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So eine Qualität vermiss ich des öfteren im Tagesspiegel.
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Denn bisher hatten sich tschetschenische Attentäter meist jenseits der Republikgrenzen in die Luft gesprengt.
Ein fabelhafter Satz, der bei seiner Bescheidenheit so viel preisgibt.
Die Tschetschenen hollt gerade ihre eigene grausame Vergangenheit ein.
Aber ob Platzhirsch Kadyrow sich weiterhin so auf der Nase rumtrampeln lässt ist zu bezweifeln.
Wieder ist offensichtlich, dass es einzig und alleine um die pure gewaltsame Expansion im Namen der islamistischen Wahnideologie geht.
Wieder passen die beliebten linken und rechtsextremen Erklärungsmuster nicht, nach denen die mordenden Dschihadisten ja eigentlich Widerstandskämpfer und moderne Robin Hoods seinen, mit denen man solidarisch sein müsse.
Wieder wird der doch so offensichtliche massenmörderische und mitnahmesuizidale Charakter des Islamismus geleugnet, relativiert oder ignoriert werden von denen, die in terroristischen Dschihadisten unbedingt heroische Freiheitskämpfer sehen möchten.
Ich kann Ihnen aber meinen Kommentar dazu sagen:
Mehr Drohnen und mehr F-16.
Oder, um es anders auszudrücken: Peace through superior firepower.
Entsprechende T-Shirts, Mousepads und Kaffeetassen gibt es hier:
Right Wing Stuff
Und zwar erheblich mehr! Danke für den Link.
Hier dafür die folgende Passage aus einem Interview mit Victor Davis Hanson:
HH: Ought we to be talking to Iran right now, Victor Davis Hanson?
VDH: Yeah, I think that’s way, way overdue. We really need to start doing some things beyond talking, and if that is going into Iranian airspace, or buzzing Iranians, or even starting to forget where the border is and taking out some of these training camps, we need to do that and send a message, because they’re a paper tiger. They really are.
(Quelle: http://thinkprogress.org/2007/08/14/hanson-iran-is-a-paper-tiger-that-must-be-bombed/)
Ein grausames und engstirniges Motto, wahrscheinlich noch weltfremder als "Peace through superior firepower".
Glückwunsch, @hebold & @beija_flor, Sie entbößen ihren Bellizismus wie Männer mit langen Mänteln in Parkhäusern!
Ihre Hassterminologie gegenüber dem Islam nimmt ja schon pathologische Züge an.
Und nur mal so um Ihren begrenzten Horizont zu erweitern: In immer größerer Zahl haben vor allem die russischen Truppen die Einheimischen, also Tschetschenen getötet. Das waren Zehntausende und die überwiegende Mehrzahl Frauen und Kinder.
Offenbar hat der Mann kein Fernsehen! Hier wird doch praktisch nur über Guantanamo und Israel berichtet. Und Internet auch nicht! Wer bei Google Human Rights Watch Israel eingibt und dann Human Rights Watch Tschetschenien weiß, was ich meine.
Wer weiß hierzulande schon Details über diesen russischen Imperialismus? Die 35.000 Toten in den 14 Tage der Eroberung Groznys durch die Russen interessieren doch hierzulande genau niemanden. Während sich die UNO noch immer lautstark bei den angeblich 1.400 Toten in Gaza aufhält. Auch und gerade unsere germanischen Gutmenschen von der Linken ignorieren die russischen Verbrechen in Tschetschenien. Die krakehlen nur gegen den Staat der Juden. Nicht aber gegen Russland. Es scheint, als würde die russische Satrapie "DDR" in den Köpfen weiterleben. Deutsch-Sowjetische Freundschaft und so. Waffenbrüderschaft.
Israel Shahak: "Jüdische Geschichte, jüdische Religion", S. 67.
Versuchen Sies beim nächsten Mal doch bitte mit Inhalt.
Die Russen haben auf dem Weg von der UdSSR nach Rußland gelernt. Langsam, schmerzlich, aber stetig. Das haben andere noch vor sich.
Können Sie das mal begründen? Warum grausam? Warum engstirnig? Der Satz ist kein Motto, sondern eine sehr weise Erklärung. Grausam sind allenfalls Terroristen, die ihre eigenen Kinder mit Sprengstoffgürteln um den Bauch losschicken.
Vielleicht wenn man gegen schwächelnde Fanatiker kämpft, wir aber haben es hier viel mehr mit einer fatalen Projektionen zu tun:
Westliches Denkmuster angewendet auf eine andersartige Mentalität und Gesellschaftordnung.
Das ist zu einem engstirnig und zu anderem auch weltfremd, denn was nutzt schon die Androhung von agressiver Beharrlichkeit gegen generationsübergreifenden Hass, wachsendem Zusammenhalt und angewendeter Blutrache?
Völker wie die Palästinenser und insbesondere die Tschetschenen, mag man sie deswegen auch unzivilisiert nennen, sehen in ihren Kindern mehr als wir Europäer oder Westler es imstande bereit sind.
Kinder werden für den Kampf zu Männer erklärt und wenn eins stirbt, dann hat man noch eins und dieses hat auch Kinder oder wird noch welche zeugen. Die Spiralle der Gewalt wird nur weiter wirbeln.
Erklärt wird durch diese 'Weisheit' gar nichts, so lange es sich nicht auch auf die eigenen Handlungen bezieht. Auf den den "Bumper" kleben und fertig. Zu mehr nutzen solche poetische Zitate auch wirklich nicht.
Dennoch: Die Israelis ziehen diese Sache offenbar seit Jahrzehnten sehr erfolgreich (?) durch und von Grausamkeit also keine Spur, oder wie?
Nun, grausam wird's frühestens dann, wenn man völlig reuelos sagt: "Hey, selber Schuld! An UNS liegt es ja nicht, dass wir unsere Kinder mit Sprengstoffgürteln in die weite Welt schicken müssen".
Unbemerkt wird man von einem unbelehrbaren und hochmütigen Gewissen getrieben, das jegliche Opfer als Kollateralschaden ansieht. Man ist zu einer ähnlichen Bestie mutiert, die man an anderer Seite selber bekämpft.
Ob aber Israel sich jemals besinnen wird und sein Konfliktpotential für den Frieden opfert ist fraglich.
Demnächst hat die friedvolle 'superior firepower' schon den Iran im Visier.
"There will be no peace
until they love their children more than they hate us."
grausam und engstirnig ist. Offenbar können Sie das nicht. Denn Sie erklären nur lang und breit, dass der Westen engstirnig und grausam ist. Bemerkenswert: Die Terroristen sind es offenbar für Sie nicht. Die kommen aus einer anderen Kultur mit anderen Maßstäben. Also lässt man sie besser ihre Kinder ermorden.
Oje, @hebold, bitte geben Sie mir nicht die Schuld an Ihrer leseschwäche und selektiver Wahrnehmung. Ich habe Ihnen versucht die Grausamkeit, Engstirnigkeit, ja sogar das Weltfremde in solch Ansagen klar zu machen. Dass Sie sich dabei in vollem Maße an den Westen errinert fühlen und die Kritik so billig von sich weg schüttlen ist kein Zufall.
Es fehlt Menschen wie Ihnen unter anderem einfach an Erfahrung und Empathie, das zum auch strategischem Denken beitragen kann.
So bleibt Ihnen nur die unkomplizierte Antwort des Bellizismus für schlichte Gemüter: "Mehr Drohnen und mehr F-16. Und zwar erheblich mehr!"
Was kann ich dafür, dass Sie sich weigern die Realität im vollen Spektrum hinzunehmen?
Das sie die Drecksarbeit in Tschetschenien von anderen machen lassen und dafür sorgen das darüber nicht berichtet wird?
Ein Wahnsinns Lernerfolg der Russen.
Gruß Hosse
Machen Sie sich einfach im klaren, was die Drecksarbeit ist und von wem sie genau durchgefürht wird.
Berichtet wird andauernd, doch selten mit einer Objektivität wie in dem Bericht oben.
Offenbar gefällt es den westlichen Gutmenschen nicht, dass ihr Gedankengut in solchen Fällen/Gegenden einfach an seine Grenzen stößt und damit zerrissen wird.
Ein Wahnsinns Lernerfolg der Russen.
Ihr Sarkasmus ist eigentlich ein Kompliment.
Denn es war der wahabitische Islamist und Bin Laden-Vertraute Schamil Bassajew, der als führender Kommandeur zusammen mit seinen Dschihad-Söldnern an der gewaltsamen faktischen Abtrennung Abchasiens von Georgien beteiligt war, und der dabei auch maßgeblich für das (vom russischen FSB in Auftrag gegebenen) Massaker von Sochumi verantwortlich war, bei dem zigtausende georgische Zivilisten von verbündeten kaukasischen Islamisten und russischen Kosaken abgeschlachtet wurden, die unter Bassajews Kommando standen. Der tschetschenische Islamist Bassajew war damals offiziell "Stellvertretender Verteidigungsminister" der von Moskau unterstützten abchasischen Separatisten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Schamil_Salmanowitsch_Bassajew
http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Sochumi_1993
http://de.wikipedia.org/wiki/Abchasien#Kampf_um_Unabh.C3.A4ngigkeit
Das erkennt man schon an Ihrem Blödsinn über den FSB, der erst offiziel 1995 gegründet wurde (zählen Sie jetzt mal mit den Figern nach wie viele Jahre/Monate der FSB zurück in die Zeit reisen musste um angeblich ein Massaker in Auftrag zu geben).
Etwas grundsätzliches: Auf den Kreml hat zu dieser Zeit im Kaukasus niemand mehr gehört - alle haben sich doch für Unabhängig erklärt, schon vergessen?
Die Sojwetunion ist zusammengebrochen und die Russen hatten dank dem Wirrwarr und der Putschversuche in Moskau keine Kraft mehr sich um die genauen Anliegen im Kaukasus zu kümmern.
Das war Grund genug für die Georgier die noch von Stalin geschenkten Verwaltungszonen Abchasien und Südossetien samt deren Bewohner in ihr 'souveränes' Georgien mitzureißen.
Es folgten seltsame Gesetzte und Verordgnungen wie das Verbot die abchasische Sprache zu sprechen, abchasische Volksfeste zu feiern und sonst irgendwie im öffentlichen Leben abchasisch zu sein.
Widersatnd kam auf, der dann unweigerlich zu bewaffeneten Ausernandersetzungen führte, bei dem die Georgier natürlich -dank umfangreicher Ausrüstung aus der Sowjetzeit- ganze Arbeit leisteten.
Bei einer Versammlung der Völker im Kaukasus baten dann die Abchasen um Hilfe gegen die Georgier anzukämpfen.
Interessanterweise verstehen sich die Tschetschenen als die 'Verteidiger' des Kaukasus und Schamil Bassajew wurde als Anführer eines tschetschenischen Battaions hingeschickt, der dann größten Teils das Massaker von Sochumi zu verantworten hatte. Erst dadurch hat er sich einen 'richtigen' Namen gemacht; zuvor ist er 'nur' als gewaltbereiter Söldner in Erscheinung getreten.
Ausgerechnet dem Kreml ist es aber dann gelungen einen Waffenstillstand zu erreichen.
Bemerkenswert bei den unkontrollierbaren Verhältnissen zu der Zeit dort.
Kadyrow wird es so ergehen wie Pinochet oder Stroessner, zumal der wegen seiner öffentlich zur Schau getragenen Religiösität in Moskau eh suspekt ist.
Was Sie "die Drecksarbeit andere machen lassen" nennen, ist die gängige Praxis aller Industriestaaten. Nur wenige sind so dumm und verlieren gern selbst Kriege. Aber auch an denen sterben nur das Fußvolk und ein paar Zivilisten. Den Rest kann man private contractors übertragen. Die werden für den Überlebensfall fürstlich entlohnt.
Gruß Hosse
Eine interessante Frage ist, woher plötzlich so viele Terroristen herkommen :-). Die beamen sich ja nicht hin, sondern brauchten Rückzugsräume, Unterstützung, Essen, Unterkunft, Ausbildung.