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Heiliger Bimbam

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Auf ihrem Zukunftskongress debattiert die evangelische Kirche über ein massives Sparprogramm, das möglichst bald umgesetzt werden soll. Wie denken die Landesgemeinden darüber?


Der Kirchturm bröckelt. Orkan „Kyrill“ hat die Wittenberger Schlosskirche arg beschädigt, an deren Tür Martin Luther seine Thesen angeschlagen haben soll. Für viele Bischöfe, die von morgen bis Samstag zum „Zukunftskongress“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in die Lutherstadt kommen, passt das durchaus zu ihrer Stimmung. Denn sie fürchten, dass die EKD viel Bewährtes zertrümmert, indem sie den 23 Landeskirchen einen Reformkurs aufzwingen will.

Dem dreitägigen Treffen liegt das Impulspapier „Kirche der Freiheit“ zugrunde, das „Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ aufzeigen soll. Der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber hat es im Sommer vorgestellt. Seitdem wurde viel darüber gestritten. Nun wollen 300 leitende Geistliche, Kirchenjuristen und Abgesandte aus den Landeskirchen über die Konsequenzen des Papiers reden. Das wird nicht einfach sein, denn die kulturellen Unterschiede zwischen dem EKD-Kirchenamt in Hannover, wo das Reformpapier entstanden ist, den westlichen Landeskirchen und denen im Osten sind groß. Der Chef des Kirchenamts sagt: „Der Reformprozess ist unumkehrbar.“ Der Pfälzer Kirchenpräsident Eberhard Cherdron hält dagegen: „Wir sehen in vielen Punkten keinen Handlungsbedarf. Außerdem sind die Landeskirchen autonom. Die EKD hat uns nichts zu sagen.“ In der Kirchenprovinz Sachsen heißt es: „Vieles, was jetzt vorgeschlagen wird, machen wir schon lange.“

Dass Reformdruck besteht, kann niemand leugnen: Bis 2030, prognostiziert die EKD, schrumpft die Zahl der Kirchenmitglieder von 26 Millionen auf 17 Millionen, die Kirchensteuereinnahmen halbieren sich von vier auf zwei Milliarden Euro. Der Zwang zur Veränderung ist in Ost und West unterschiedlich stark. In der Kirchenprovinz Sachsen etwa sind durch die dramatische Abwanderung nur noch 20 Prozent der Bevölkerung Kirchgänger. Von den 20 Prozent zahlt weniger als ein Viertel Kirchensteuer. „Will man hier die kirchlichen Aufgaben aufrechterhalten, ergibt sich die Frage, ob man mit der benachbarten Landeskirche zusammengeht, von selbst“, sagt der Kirchensprecher. Das kommt der EKD entgegen, die eine Reduzierung der 23 Landeskirchen auf acht bis zwölf vorschlägt. Aber besonders die westlichen, finanzkräftigeren Landeskirchen denken gar nicht daran, sich mit Fusionsplänen zu beschäftigen. Das Beste wäre, in Wittenberg gar nicht über Fusionen zu sprechen, sagen etliche. Sonst sei die Stimmung ruiniert.

Auch die Ideen der EKD zur Gemeindereform haben zu Befürchtungen an der Kirchenbasis geführt. Statt der Kirche im Dorf soll es Schwerpunktgemeinden, City-Kirchen und Themengottesdienste geben. Das freut die Pfarrer der Berliner Gedächtniskirche, aber nicht die Bischöfe großer Flächenkirchen. Sie fürchten, dass gewachsene Strukturen und die Vielfalt verloren gehen könnten, die den deutschen Protestantismus bisher ausmachen. Die Mehrheit der 25 Millionen Protestanten lebt auf dem Land. Und viele Pfarrer sind schlichtweg beleidigt, weil sie im Impulspapier nicht gut wegkommen. „Wir werden als desorientiert, unterqualifiziert und separatistisch beschrieben“, sagt Pfarrer Klaus Weber, der dem Pfarrerverband vorsitzt. Er hätte die Versammelten in Wittenberg gerne gefragt, was mit den geforderten „Qualitätsstandards“, „Leistungsbewusstsein“ und „geistlicher Kompetenz“ gemeint sei. Aber der Pfarrerverband, der 20 000 Pfarrer vertritt, ist nicht eingeladen.

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