Ernährungs-Studie
Dick sein ist doof
Die Bundesregierung hat das Essverhalten untersuchen lassen. Glaubt man der neuen Studie, haben die Deutschen ein fettes Problem: Menschen mit niedrigem Bildungsstand und geringem Einkommen haben ein höheres Risiko, dick zu werden. Dagegen leiden zehn Prozent der jüngeren Frauen an Untergewicht.
Wie steht es um das Gewicht der Deutschen?
Die Deutschen nehmen weiter zu. Männer sind zurzeit im Mittel 84,6 Kilo schwer, Frauen wiegen im Schnitt 69,9 Kilo. Vor allem unter jungen Erwachsenen steigt die Zahl der Übergewichtigen. Vor zehn Jahren wogen 20 Prozent der 18- und 19-jährigen Männer zu viel, inzwischen sind es knapp 30 Prozent. Ähnlich ist der Trend bei den älteren Deutschen. In dieser Personengruppe (Menschen über 60 Jahre) ist die Adipositas am weitesten verbreitet, die extremste Form von Übergewicht. Adipöse Menschen gelten als besonders gesundheitsgefährdet. Gegen den Trend hat sich das Gewicht bei Frauen zwischen 30 und 60 Jahren entwickelt. In dieser Gruppe ist offenbar das Gesundheitsbewusstsein gestiegen, die Zahl der Übergewichtigen nahm dabei im Zehnjahresvergleich um bis zu acht Prozent ab.
Woran wird gemessen, ob ein Mensch zu viel wiegt?
Nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gilt als übergewichtig, wer einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis 30 hat, die Adipositas beginnt ab einem Wert von 30. Der BMIWert erfasst das Verhältnis von Körpergröße zu Körpergewicht. Errechnet wird er aus dem Gewicht geteilt durch das Quadrat der Größe. Wer 1,75 Meter groß ist und 70 Kilo wiegt, kommt zum Beispiel auf einen Wert von 23, ist also normalgewichtig. Nimmt man dagegen bei derselben Größe ein Gewicht von 95 Kilo an, steigt der Wert auf 31. Die Person gilt dann als stark übergewichtig. Der BMI-Index ist aber nicht das einzige Kriterium für Übergewicht. Denn Personen mit einer hohen Fettansammlung im Bauchbereich tragen ein höheres Gesundheitsrisiko als Menschen, die im Bereich von Hüfte und Oberschenkel fett sind. Deshalb wurden auch andere Kriterien, wie das Taille-Hüft-Verhältnis, in der Studie berücksichtigt.
Welche Gruppen sind besonders anfällig für Übergewicht?
Schweres Übergewicht ist vor allem in niedrigeren sozialen Schichten verbreitet. Die wenigsten Übergewichtigen finden sich unter Menschen mit hohem Nettoeinkommen. Auch Beziehungen sind ausschlaggebend: Männer mit Partnerin neigen häufiger zu Übergewicht als Singles. Bei Frauen ist das Übergewicht erst deutlich höher, wenn sie verheiratet sind. Die meisten übergewichtigen Männer gibt es in Schleswig-Holstein, bei den Frauen ist das Saarland führend. Die wenigsten finden sich in Hamburg und Bremen. Berlin liegt bei der Statistik der dünnsten Deutschen auf dem vierten Platz, Brandenburg auf dem zehnten.
Was machen die Deutschen bei der Ernährung falsch?
Sie unterschätzen vor allem die Gefahren, die von falscher Ernährung ausgehen. Aus der Studie geht hervor, dass die Deutschen zwar in Angst vor verdorbenen Lebensmitteln oder Chemierückständen leben, sich über ihre eigenen Ernährungsgewohnheiten aber kaum bewusst sind. Vor allem essen die Deutschen offenbar zu viel: Nur acht Prozent der Deutschen schätzen ihren täglichen Energiebedarf richtig ein. Deutlich wird in der Studie auch, dass sich Männer im Vergleich zu Frauen sehr viel weniger für Ernährungsfragen interessieren. Welche Lebensmittel konkret für das Übergewicht der Deutschen verantwortlich sind, wird erst im zweiten Teil der Verzehrsstudie stehen, der im April vorgestellt wird.
Was hilft gegen Übergewicht?
Gerhard Rechkemmer, der Präsident des Bundesinstituts für Ernährung, empfiehlt eine ausgewogene Ernährung mit Reis, Kartoffeln, Brot, Nudeln sowie viel Obst und Gemüse. „Die Bevölkerung ist inzwischen durch eine Vielzahl selbsternannter Experten verunsichert, wie eine richtige Ernährung aussieht“, beklagte er. Zuverlässig seien zum Beispiel die Empfehlungen der DGE. Außerdem sei ausreichend Bewegung und genügend Flüssigkeitszufuhr wichtig. Laut Studie sind die Bundesbürger im Durchschnitt nur zweieinhalb Stunden pro Woche „leicht sportlich aktiv“.
Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: www.dge.de.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 31.01.2008)

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Kommentare [ 15 ] Kommentar hinzufügen »
Eine gewagte These, denn dann müsste sie auch auf die Mitglieder des Deutschen Bundestages Anwendung finden dürfen.
Ich fordere daher eine Untersuchung darüber, wie viele intelligente Politiker im Deutschen Bundestag vertreten sind!!
die heutige generation der führungsmenschen kann sich einen derartigen körper und die damit verbundenen nachteile(rein körperlich und auch imagemässig)gar nicht mehr erlauben.
wer natürlich den halben bis ganzen tag vor dem flachtv hängt um talkshows,chips und zigaretten zu konsumieren ist mit ende dreissig körperlich am ende und kann so seinen arbeitsunfähigen körper zu lasten der gesetzlichen krankenversicherung in das rentnerdasein überführen.
viel spass in der zukunft des solidarsystems wünscht stromberg.
Dick sein ist ein gesellschaftliches Problem. Menschen in wirtschaftlich gutem Umfeld neigen zur Bequemlichkeit und zum Übermaß. Ein bischen Geld in der Tasche für den Döner,Currywurst oder Burger, zwischendurch hat da ja fast jeder und langt auch zu.
Arme Menschen können das nicht und sind froh überhaupt eine ausreichende Ernährung zu bekommen und sind ständig in Bewegung Diese zu erlangen, das hält fit.
Aber wir sind ja politisch auf guten Wege bald wieder fit zu werden.
olli
Ich habe Schüler, für die ein Stück aus einem US-amerikanischen Gourmettempel bereits ein Festessen ist. Dann ist es staatskonformer, die falsche Ernährung dem Bildungsstand zuzuschreiben, nicht der regierungsamtlich verordneten Armut.
Und warum kommt der Seehofer erst jetzt mit der Studie. Zur Grünen Woche wärs doch ganz praktisch gewesen. oder hatte man Angst, die Leute würden dann nichts mehr kaufen?
Statt sich um das Wesentliche zu kümmern, tischt uns die Regierung wieder mal einen Schmarrn auf. Guten Appetit.
wieso sind daran wieder die politiker und unternhemer schuld?
Guten Appetit
Ich mag keinen Granny Smith und keinen Golden Delicious. Andere Sorten sind teurer.
Außerdem sollten Sie berücksichtigen, dass auch Brot teurer geworden ist. Bei Aldi und beim Bäcker.
Leben Sie doch bitte mal von 347 Euro, bzw. wenn Sie verheiratet sind von 624 Euro. Davon sind dann Kosten für Strom, Warmwasser, Telefon, ÖPNV und Versicherungen noch zu bezahlen.
Herzliche Grüße aus E.