Magix wuchs in Berlin in wenigen Jahren zu Europas Marktführer bei kreativen PC-Programmen
Für Magix ist 2009 ein Jahr zum Feiern. Beim Berliner Multimedia-Unternehmen stehen gleich zwei Jubiläen an. Vor 15 Jahren brachte Magix mit dem „Music Maker“ ihr erstes Computerprogramm auf den Markt. Inzwischen füllen die Berliner ganze Software-Regale der Elektronikkaufhäuser mit ihren Softwarepaketen rund um digitale Musik, Fotografie oder Videobearbeitung. Das zweite Jubiläum betrifft den Standort. Vor zehn Jahren verlagerte Magix den Firmensitz von München nach Berlin. „Diese Entscheidung haben wir nie bereut“, sagt Gründer und Firmenchef Jürgen Jaron.
Magix ist europaweit zum Marktführer bei kreativen PC-Programmen für private Computernutzer aufgestiegen und hat dabei selbst namhafte US-Unternehmen überholt. Das Unternehmen deckt die unterschiedlichsten Gebiete ab. Mit dem „Music Maker“ können musikalische Laien aus einem großen Baukasten eigene Musikstücke zusammenbasteln. Ein Instrument muss man dafür nicht spielen können. Später folgten Programme zum Bearbeiten von Videoaufnahmen oder Verschönern von Digitalfotos. Magix gehört zu den Unternehmen, die die alte Diashow fernseh- und computerfähig gemacht haben. Auch alte analoge Videokassetten kann man mit Magix-Programmen in die neue digitale Medienwelt retten.
Magix hat eine erstaunliche Erfolgsgeschichte hinter sich. Die wirtschaftlichen Kennzahlen für das laufende Geschäftsjahr weisen sogar leicht nach oben. „Unsere Produkte sind krisenfest, weil sie sehr erschwinglich sind“, sagt Firmenchef Jaron. Die Kreativprogramme bieten dem Anwender aber auch eine lange Beschäftigungszeit. All das zusammengenommen führt dazu, dass Magix-Käufer treue Kunden sind, erklärt Jaron. Die Magix-Datenbank enthält über zehn Millionen registrierte Nutzer, einige davon seit der ersten Version eines Programms.
Rund gerechnet jeder zweite Mitarbeiter ist der Entwicklung zuzurechnen, nicht nur am Entwicklungsstandort Dresden, sondern auch in Berlin, wo die Medieninhalte entwickelt werden. Von den insgesamt 300 Mitarbeitern arbeiten 170 in Berlin. Bei der Gründung 1994 bestand die Magix Technologie GmbH genau aus den fünf Gründern. Durch ihre Zusammensetzung handelte es sich um ein echtes Ost-West-Joint-Venture. Auf der einen Seite waren da die Entwickler Tilman Herberger und Titus Tost aus dem Umfeld der Technischen Universität Dresden, die sich mit ihrer digitalen Musikworkstation Samplitude einen Namen gemacht hatten. Auf der anderen Seite standen Dieter Rein und Jürgen Jaron, zwei Marketingspezialisten aus Nordrhein- Westfalen, die zuvor PCs und Buchhaltungssoftware produziert hatten. Für Berlin sprechen mehrere Gründe. Der Standort in der Friedrichstraße befindet sich in Sichtweite des Checkpoint Charly. „Für eine vergleichbare Lage hätten wir in München das Doppelte gezahlt, vermutlich sogar das Dreifache“, sagt Jürgen Jaron. Ein weiteres Manko von München war die Konkurrenz anderer IT-Unternehmen wie Microsoft oder Intel, was die Suche nach Mitarbeitern erschwerte. Für ein junges Wachstumsunternehmen ist das ein großes Problem.
Berlin hingegen war für die Mitarbeitergewinnung optimal. Viele IT-Unternehmen profitieren davon, dass Berlin über verschiedene technische Universitäten verfügt, um ihren Bedarf an Programmierern und Informatikern zu decken. Magix ist mit seinem Produktspektrum zugleich aber auch ein Kreativunternehmen mit einem ausgeprägten künstlerischen Fokus. Davon profitiert auch die Stadt: Magix bildet einen Teil des Nachwuchses selbst aus. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 44 Azubis.
www.magix.com
„Für eine vergleichbare Lage wie hier in der Friedrichstraße hätten wir in München das Doppelte an Miete gezahlt,
vermutlich sogar das Dreifache.“
Jürgen Jaron, Magix-Chef
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.09.2009)
Kommentare [ 0 ]