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Kurz und gut: Halina Poswiatowska: Erzählung für einen Freund

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Wenn ihre Altersgenossen in die Bar gehen, geht sie zum Heilwasserausschank. Wenn andere junge Mädchen im Spiegel ihr Make Up begutachten, ist sie schon froh, dass die blauen Flecken an ihrem Körper verblassen. Es ist eindeutig eine Leidensgeschichte, die Halina Poswiatowska hinterlassen hat - ihre eigene. Dieser Umstand macht die unbefangene Lektüre unmöglich. Sachlich schildert die erfahrene Patientin den Krankenhausalltag: "Fast täglich starb jemand. Es war immer das gleiche Ritual. Weiße Arztgestalten, die sich über das Bett beugten, die Flügelhaube einer Ordensschwester und direkt dahinter der in den Saal laufende Pfarrer. Letzte Ölung, einige Zuckungen des bereits kraftlosen Körpers." Halina Poswiatowska, 1935 in Tschenstochau geboren, leidet seit ihrer Kindheit durch eine verschleppte Angina an einem schweren Herzfehler. Mit Anfang zwanzig tritt sie als Lyrikerin in Erscheinung. 1958 ermöglichen ihr Spenden eine Operation in Philadelphia. Anstatt nach ihrer scheinbaren Genesung direkt zurückzukehren, beschließt sie, von ihren Wohltätern als undankbar geziehen, in Amerika zu bleiben, um "den neuen Hunger zu stillen". Sie schreibt sich an einem College ein und beginnt eine ungebundene, provisorische Existenz. All das schildert sie einem blinden Freund in der Heimat. 1961 kommt sie nach Krakau zurück. Ihr Ruhm als Lyrikerin setzt ein. Poswiatowskas einziger Roman, kurze Zeit vor ihrem Tod 1967 erschienen, scheut vor Sentiment und Pathos nicht zurück. Dennoch ist es zu begrüßen, dass der "Mythos Poswiatowska" jetzt auch im Nachbarland erfahrbar wird. (Aus dem Polnischen von Monika Cagliesi-Zenkteler. Piper Verlag, München 2000. 238 S., 36 DM.)
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