Rosenbauer Feuerwehrtechnik gehört zu den größten Herstellern von Feuerwehrfahrzeugen in Deutschland – die Hälfte der Produktion geht ins Ausland
Bis auf die ultramarinblaue Farbe erinnert alles an ein Feuerwehrauto. 53 Modelle des Typ-1-Gerätekraftwagens hat das Technische Hilfswerk bei der Firma Rosenbauer Feuerwehrtechnik in Luckenwalde bestellt. Die Fahrzeuge sollen in den Ortsverbänden für den Katastrophenschutz eingesetzt werden. Es ist ein weiterer Großauftrag, der in diesem Jahr in den Büchern der Brandenburger steht. Rund acht Millionen Euro beträgt das Auftragsvolumen.
Franz Berger, Geschäftsführer der Rosenbauer Feuerwehrtechnik, ist stolz, dass er die Firma leitet, denn das Werk ist voll ausgelastet, von Kurzarbeit keine Spur. Rund 160 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, allein in diesem Jahr wurden 20 neue Kräfte eingestellt. „Ganz gegen den Trend wächst und gedeiht unser Geschäft“, sagt der Österreicher. Seit 1878 werden in Luckenwalde Löschfahrzeuge produziert. Doch die Zeiten waren nicht immer so gut. 1995 musste die Feuerlöschgerätewerk Luckenwalde GmbH Insolvenz anmelden. Die Metz-Gruppe übernahm daraufhin die Geschäfte. 1998 wurde Metz selbst von der österreichischen Firma Rosenbauer übernommen und das Werk in Luckenwalde in die Unternehmensstruktur eingegliedert. Seit vier Jahren schreibt das Traditionsunternehmen wieder schwarze Zahlen.
Rosenbauer hat sich auf den deutschen Markt für kommunale Feuerwehrfahrzeuge spezialisiert und ist Hauptlieferant der Berliner Feuerwehr. Das Konjunkturpaket des Bundes hat dem Geschäft einen zusätzlichen Schub gegeben. Viele Kommunen nutzen das Geld, um ihre teils veraltete Feuerwehrtechnik zu erneuern.
Doch auch international ist die Marke ein Begriff. So lieferten die Brandenburger im vorigen Jahr einige Dutzend Löschfahrzeuge an die US-Armee in Afghanistan. „Wir profitieren davon, dass unser Mutterkonzern international aufgestellt ist“, sagt Franz Berger. Rosenbauer International ist als Lieferant der US-Armee gelistet. Auftragsspitzen werden unter den Tochterunternehmen aufgeteilt. Die Luckenwalder haben sich als verlässlicher Partner ausgezeichnet, deren Qualität selbst in Saudi-Arabien ein Begriff ist. Gerade erst gingen zwei Löschfahrzeuge in den Wüstenstaat.
Rosenbauer nutzt die Fahrgestelle großer Nutzfahrzeughersteller wie Man, Mercedes oder Scania. In Luckenwalde wird das hinzugefügt, was aus einem normalen Lkw ein Feuerwehrauto macht. Dazu gehört zum einen die Mannschaftskabine, die sich hinter dem Fahrerhaus befindet. Sie ist schon weitgehend im Mutterwerk im österreichischen Leonding vorbereitet worden. In Luckenwalde wird sie verkabelt und mit dem Fahrerhaus zu einer Einheit montiert. Das Herz eines Löschfahrzeuges ist allerdings der Gerätekoffer. Er macht rund zwei Drittel des ganzen Fahrzeuges aus. In seinem Kern befindet sich der Löschwassertank, der bei größeren Fahrzeugen schon mal 5000 Liter fassen kann. Außerdem lagern im Gerätekoffer alle Angriffsmittel für einen Brand: Die Löschwasserpumpe, Schaummittel, ein Generator für die Stromerzeugung bis hin zu ganzen Flutlichtanlagen, um die Brandstelle oder einen Unfallort zu beleuchten. Der Gerätekoffer wird von einer Aluminiumplatte getragen, lasergeschnittene Blechsets werden als Längs- und Querwände verschraubt. „Das ist vorbereitet, als wäre es ein Ikea-Paket“, witzelt Verkaufsleiter Rainer Worm. Mit dem Unterschied, dass diese Wände einen Löschwassertank halten müssen, der gefüllt mehrere Tonnen schwer ist.
An Stahlseilen befestigt gleitet ein Löschwassertank auf Schienen entlang der Werksdecke zum Arbeitsplatz von Olaf Peukert. Der Schlosser lenkt mit einer Fernsteuerung den mehrere Zentner schweren Behälter zwischen die Aluminiumwände des Gerätekoffers. Löcher, durch die später die Rohre für den Zufluss und den Ablauf gelegt werden, sind bereits vorgeschnitten. Alles wird hundertprozentig abgedichtet, denn ein Leck könnte die Elektronik beschädigen. Im Heck wird dann die Pumpe montiert.
Bis auf die Wasserversorgung sind die Löschfahrzeuge autonom. Ein Generator erzeugt den Strom, mit dem zahlreiche Werkzeuge betrieben werden: hydraulische Scheren und Spreizer, Kettensägen, Motortrennschleifer, Türöffnungswerkzeuge und Tauchpumpen. Schließlich folgt die Verkleidung in Feuerwehrrot.
Die Löschfahrzeuge, die nach Saudi-Arabien gingen, waren allerdings weiß. Schließlich sollen sich die Wagen unter der sengenden Sonne des Wüstenstaates nicht unnötig aufheizen. Bevor das Fahrzeug dem Kunden übergeben werden kann, muss es noch an Ralf Hoffmann vom Technischen Prüfstand vorbei. „Wenn hier was tropft, geht’s gleich wieder ins Werk“, sagt Hoffmann. Schließlich soll das Feuerwehrauto im besten Falle noch in 30 Jahren Leben retten.
www.rosenbauer.com
Die Löschfahrzeuge werden bei uns so akribisch vorbereitet, als wären sie
ein Ikea-Paket. Allerdings müssen die Wände einen Löschwassertank halten,
der gefüllt mehrere Tonnen schwer ist. “
Rainer Worm, Verkaufsleiter der Rosenbauer Feuerwehrtechnik
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.09.2009)
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