[Kommentare: 14]

Interview

"Dumm gelaufen, oder?"

Der Nationalspieler über den Anfang seiner Karriere – und das bittere Ende. Heute sagt Sebastian Deisler: Ich war nicht geschaffen für dieses Geschäft.
Anzeige
Bild vergrößern
Sebastian Deisler, 27, galt als der talentierteste deutsche Fußballspieler. Sein Weg führte über Mönchengladbach und Berlin zum FC Bayern – bis er ausstieg. Hier redet er zum ersten Mal öffentlich über den Entschluss.

Herr Deisler, Sie haben vor acht Monaten Ihre Karriere beendet und seitdem nichts mehr in der Öffentlichkeit gesagt. Warum, und wie geht es Ihnen?

Danke, mir geht es gut. Ich habe erst einmal Abstand gebraucht und die Ruhe genossen. Daran möchte ich auch nichts ändern. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte kein neues Thema werden. Ich möchte jetzt ein Leben führen, das ich allein bestimme. Aber ich kann mich öffnen und Ihnen einen kleinen Einblick geben, was mich dazu bewogen hat, meine Karriere zu beenden.

Sie taten das mit 27, im besten Fußballeralter. Fehlt Ihnen nicht der Fußball?

Der Fußball, der mir fehlt, ist ein anderer als der, den ich verlassen habe. Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich so, wie alles gelaufen ist, nicht geschaffen war für dieses Geschäft. Am Ende war ich leer, ich war alt, ich war müde. Ich bin so weit gelaufen, wie mich meine Beine getragen haben, mehr ging nicht.

Lassen Sie uns das ein wenig ordnen. Sie haben Ihren Entschluss zum Ausstieg Anfang des Jahres in Dubai, im Trainingslager des FC Bayern, getroffen.

Ich habe für mich keine andere Lösung mehr gesehen. Ich war verbittert, auch über mich selbst. Ich kann auch nicht verlangen, dass mich jeder versteht. Langsam finde ich zu mir zurück und möchte mir fernab der Öffentlichkeit etwas Neues aufbauen. Ich bitte nur, dass man dies respektiert.

Wie verliefen die Tage nach Ihrer Entscheidung?

Ich war froh, ich habe Erleichterung empfunden. Ich hatte mich nach Verletzungen so oft herangekämpft, aber am Ende ist mir die Kraft ausgegangen. Ich brauchte ein paar Monate, um einen neuen Rhythmus zu finden. Das war nicht einfach. Mittlerweile komme ich damit gut zurecht.

Uli Hoeneß sagte damals: Wir haben den Kampf um Sebastian Deisler verloren. Empfanden Sie das auch so: Haben Sie den Kampf um sich verloren?

Nein, ich sehe das anders. Wissen Sie, ich habe so lange gekämpft gegen mich, ich habe Krieg geführt gegen mich, bis ich es nicht mehr ausgehalten habe. Deswegen habe ich einen Schlussstrich gezogen. Uli Hoeneß bin ich dankbar dafür, dass er mir zugehört hat, dass er mich verstanden hat. Aber im Januar war ich an einen Punkt gekommen, an dem ich mich maßlos überfordert hatte mit all meinen Problemen, meinen Schmerzen und mit meinem Träumen. Im letzten Testspiel in Dubai, gegen Marseille, hätte ich mich fast wieder verletzt, es war kurz davor. Ich hatte mich noch gerade über Wasser halten können.

Was ist diese Entscheidung heute?

Ein Sieg, aber einer, der in seiner Tragweite auch bitter war. Ich habe mich lange und intensiv mit meiner Vergangenheit auseinandergesetzt. Für mich ist heute vieles klarer. Ich kann mir erklären, warum es so gelaufen ist, ja, warum es am Ende einfach nicht funktionieren konnte.

Lassen Sie uns an Ihren Erkenntnissen teilhaben? Wie konnte es dazu kommen?

Da muss ich weit zurück in meinem Leben. Ich kann Ihnen davon erzählen, weil ich heute glaube, dass in meiner Vergangenheit Gründe liegen. Ich bin ja praktisch nur mit einem Bein aus dem Haus gelaufen. In meiner Heimat Lörrach waren wir damals mehrere Jungs, die im Hof Fußball spielten. Ich war immer der Kleinste. Wir waren damals 14 oder 15. Ich war nicht mal einssechzig groß. Ich spielte viel besser Fußball als die anderen. Irgendwann fingen meine Freunde an, mich auszulachen. Sie machten sich lustig über mich wegen meiner Körpergröße. Im Kampf um die neuesten Markenartikel konnte ich auch nicht mithalten, da meine Eltern andere Werte gesetzt haben. Heute bin ich ihnen dafür sehr dankbar, damals war es eine Qual. Ich litt sehr darunter.

Aber das waren doch Kinder.

Ja, aber ich war ja auch noch eins. Die Sache nahm für mich ungeheure Ausmaße an. Zum Teil Kinderkram, ich weiß, aber damals traf es mich sehr.

Was sagten Ihre Eltern damals?

Ich hatte ein gutes Elternhaus, aber meine Eltern konnten mir damals nicht so helfen. Sie hatten eigene Probleme, Probleme, die es in vielen Familien gibt. Mein Zuhause war damals für mich nicht der Ort, an dem ich mich hätte zurückziehen können. Meine Mutter wollte nicht, dass ich gehe. Aber ich sah für mich nur noch darin eine Chance. Diese Dinge haben mich von zu Hause weggehen lassen. Heute weiß ich, dass es viel zu früh war. Ich wollte es damals auf Teufel komm raus meinen Freunden und mir zeigen.

Und mit diesem Schmerz und Druck zogen Sie los.

Ja, mit diesem Ballast. Und dann kamen mein Ehrgeiz und mein Talent dazu. Ich ging ab wie eine Rakete. Das war Ende der neunziger Jahre. Heute weiß ich, dass das alles viel zu schnell ging und viel zu viel war. Die Welle, die über mich kam, war nicht mehr aufzuhalten.

Der deutsche Fußball lag am Boden. Sie waren der Hoffungsträger. Eine ganze Nation projizierte ihre Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen auf Sie.

Ja, das müssen Sie sich mal vorstellen. Ich galt als Heilsbringer des deutschen Fußballs. Ich war 19!

Mittlerweile waren Sie über Mönchengladbach in Berlin gelandet.

Oh ja, Berlin – wo plötzlich alles anders war als normal. In Berlin ging es für mich von null auf tausend. Jeder wollte wissen, welche Jeans ich trage und welches Parfüm. Über Nacht hatte ich kein Privatleben mehr. Man wollte aus mir den Beckham von der Spree machen, aber das war ich nicht. Trotzdem habe ich versucht, es, so gut es ging, zu machen. Ich wollte es zum Guten steuern, dass etwas anderes rüberkommt.

Was sollte rüberkommen?

Ich habe bei Autogrammstunden versucht, jedem etwas Persönliches mit auf den Weg zu geben. Mich hat es deprimiert, wenn die zweite Frage war: Welches Auto fährst du, wie viel Geld verdienst du? Wenn es allen nur noch darum geht, dann gute Nacht. Ich freue mich auch, ein schönes Auto zu fahren, ich freue mich, dass ich heute meine Familie unterstützen kann. Aber damals hat mich das alles sehr irritiert.

Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen: Ich war nicht geschaffen für dieses Geschäft?

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich wollte ja auch dazugehören. Es geht im Fußball sehr viel um Status, um Titel, um Ego, um Macht. Das habe ich gesehen in dieser Welt. Ich habe lange versucht, den Schein zu wahren. Ich trug eine Maske, innerlich habe ich dagegen rebelliert. Ich habe andere Dinge gesucht.

Welche Dinge haben Sie gesucht?

Ich wollte Spaß und Freude vermitteln. Mir waren die Gucci-Brillen und Prada-Shirts nicht so wichtig. Aber klar, es gab auch Phasen, in denen ich versucht habe, mich über Äußerlichkeiten zu definieren. Aber ich kam mir so lächerlich vor. Wissen Sie, in Berlin habe ich in meiner Wohnung gesessen, ich war bekannt in ganz Deutschland, ich war oben angekommen, und vor der Tür stand ein Mercedes. Aber das alles hat mich nicht glücklich gemacht. Ich habe mich gefragt, war’s das jetzt? Ich war todunglücklich.

Warum haben Sie nichts dagegen unternommen?

Das ist gar nicht leicht. Ich hatte schon in Berlin das Gefühl, dass es gegen die Wand fährt. In Berlin gab es diese Geschichte mit dem Scheck.

Im Oktober 2001 tauchte in der „Bild“-Zeitung der Auszug Ihres Kontos auf. Der FC Bayern hatte Ihnen 20 Millionen Mark dafür überwiesen, dass Sie im Sommer 2002 nach München wechseln ...

Ja, das war am Vormittag, und am Nachmittag habe ich gegen den HSV gespielt und mir meine erste ganz schwere Verletzung zugezogen. Monate vorher, im Sommer 2001, hatte ich Herthas Manager Dieter Hoeneß gesagt, dass ich im Sommer 2002 nach München wechsele. Er bat mich, damit nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, sondern ein halbes Jahr zu warten, um keine Unruhe aufkommen zu lassen. Das hatte ich verstanden, schließlich hatte ich dem Verein einiges zu verdanken, ich bin in dieser Zeit Nationalspieler geworden. Aber es war schlimm für mich, nichts sagen zu können. Jeden Tag wurde ich gefragt, von Fans, von Journalisten, von meinen Mitspielern. Im Oktober platzte dann die Geschichte. Und ich stand da wie ein Verräter. Plötzlich wurde ich gehasst in Berlin. Ich wurde beschimpft, als ich mit Krücken auf der Tribüne saß und nicht spielen konnte. Ich hätte damals aufhören müssen, aber ich konnte noch nicht loslassen.

Erzählen Sie weiter ...

Ich wollte nicht so abtreten. Ich wollte Berlin erhobenen Hauptes verlassen. Ich wollte in den verbleibenden Monaten zeigen, dass ich alles für diesen Verein tue, aber ich war verletzt. Heute weiß ich, dass ich damals hätte sagen müssen, was mir auf der Seele lag. Ich wurde schuldig gemacht für etwas, wofür ich gar nichts konnte. Heute wundert mich, warum ich nicht durchgedreht bin.

Warum nicht?

Ich zog mich damals massiv zurück, ich ließ niemanden mehr an mich ran. Ich wollte einfach nur noch meine Ruhe haben. Ich habe vor drei Wochen ein Foto von mir gesehen. Das hängt in Berlin in einem griechischen Restaurant. Der frühere Hertha-Mitspieler Kostas Konstantinidis hatte mich damals, es muss 2001 gewesen sein, mitgenommen. Wir machten ein Foto mit dem Besitzer. Ich habe dieses Foto erst jetzt gesehen. Das ist ein Bild von mir, das ich nicht mehr sehen kann. Ich erkenne in diesem Bild meinen ganzen Schmerz, meine ganzen Probleme. Heute kann ich darüber sprechen, weil ich erkannt habe, wie es dazu kommen konnte. Aber damals war ich einfach noch nicht so weit. Ich bin sehr depressiv geworden.

Sie waren mittlerweile beim FC Bayern.

Ja, ich glaubte, im Kreise vieler Stars untertauchen zu können. Aber eigentlich kam ich schon verletzt nach München. Mein Knie war kaputt und auch mein Kopf. Später ließ ich, wie bekannt ist, meine Depressionen behandeln. Kein einfacher Schritt. Aber gut, ich schaffte wieder den Anschluss. Ich wollte es noch einmal versuchen. Dabei hatte ich mich längst übernommen. Mein Gott, ich hatte utopische Träume. Ich wollte beim FC Bayern in die Mitte des Spiels kommen, um einen neuen Geist hereinzubringen, mehr Freude am Spiel, mehr miteinander und nicht dieses Egobetonte.

War es nicht naiv, zu glauben, ein Spieler wie Sie könnte den FC Bayern ändern?

Bei Hertha und in der Nationalmannschaft war ich in der Mitte. Dort konnte ich führen, eine Richtung vorgeben. Als zentraler Spieler hat man die Stellung, die man dazu benötigt. Mir ging es darum, andere neben mir gut aussehen zu lassen. Der Nebenmann merkt, oh, da kommt was Positives rüber, dann gebe ich zurück. Aber ich hatte nicht mehr die Position dafür, nicht mehr die Voraussetzungen und am Ende auch nicht mehr die Kraft.

Sie resignierten?

Mir fehlte von Anfang an ein festeres, ein stärkeres Fundament. Ich habe mit 15 alles auf die Karte Fußball gesetzt, habe viel zu früh mein Elternhaus verlassen. Ich hatte damals schon Probleme. Mein Talent im Fußball wurde zu meinem Schutz. Auch im Fußballgeschäft gibt es Leute, denen es um etwas anderes geht. Roque Santa Cruz beispielsweise habe ich wegen seines Fundaments beneidet. Ich habe versucht, mich freizuschwimmen. 2002 habe ich dann meine Lebenspartnerin kennengelernt. Bei ihr habe ich Halt gefunden. Wir bekamen einen Sohn, der ist jetzt dreieinhalb. Sie gaben mir die Kraft, vielleicht doch den Traum zu verwirklichen: Fußball zu spielen und trotzdem eine eigene Welt zu haben. Ich habe an Roque so bewundert, dass er so eingebettet ist in einer großen Familie. Er trägt sein Herz offen, ich habe meins zugemacht.

Weswegen nur?

Ich wollte nicht mehr verletzt werden wie damals mit 15. Ich habe versucht, in diesem Geschäft zu überleben. Dabei bin ich so weit übers Ziel hinausgeschossen. Ich hätte eher auf meinen Körper hören sollen. Ich habe versucht, vieles zu verstecken.

Und Sie gaben den Kampf um Ihren Traum auf?

Ich habe lange probiert, so zu sein wie viele der Fußballer. Oliver Kahn hat mal gesagt: Man stumpft ab in diesem Geschäft. Das ist auch so. Ich kann das aber nicht. Ich lebe als Fußballer und Mensch von meiner Intuition, von meinem Gefühl. Ich hatte auf dem Feld nicht diesen einen festen Plan, ich habe gesehen, wo die Stärken und Schwächen meiner Mitspieler waren, ich habe gesehen, welchen Ball, welchen Pass wer braucht. Verstehen Sie, was ich meine? Das ist meine Intuition, meine Kreativität, das ist meine Fantasie. Das ist es, warum ich so gut Fußball gespielt habe in meiner guten Zeit.

Sie hatten Angst davor, abzustumpfen und Ihr Fußballspiel zu verlieren?

Am Ende habe ich versucht, mit dem Gedanken zurechtzukommen, nur noch auf der rechten Seite zu spielen. Aber dieser Spieler war ich nie. Einen Meter neben der Außenlinie habe ich mich eingeengt gefühlt. Ich habe mich mit dieser Begrenzung nicht abfinden können, war aber andererseits froh darüber, überhaupt weiterspielen zu können mit meinem Knie. Ich hatte am Ende keine Kraft mehr, ich war müde. Deswegen musste ich Schluss machen.

Haben Sie ihre Entscheidung bereut?

Oh nein. Anfangs kamen viele Dinge hoch. Ich denke heute schon etwas anders darüber. Ich bin kein Mitläufertyp, dafür war ich auch zu gut. Aber ich bin auch kein Effenberg. Ich habe lange versucht, im Fußball zu überleben, wollte hart und kühl sein. Aber so bin ich nicht. Ich habe mich selbst verletzt. Ich hätte früher versuchen sollen, mich zu öffnen. Aber ich hatte Angst davor.

Sie wollten nicht, dass es heißt: Sie sind zu schwach?

Das bin ich nicht, glauben Sie mir. Vielleicht gelte ich jetzt als zu weich für dieses Geschäft, aber ich habe etwas getragen und ausgehalten, was nicht jeder in diesem Geschäft erleben muss. Stellen Sie sich mal damals die Schlagzeile vor: Der Retter des deutschen Fußballs muss gerettet werden. In dieser Welt ist man nur jemand, wenn man keine Schwächen zeigt: Entweder du gewinnst, oder du verlierst. Ich hätte mich gern mal angelehnt, mich ausgeruht. Sollte ich das der „Bild“-Zeitung sagen?

Sie sagen es ja jetzt.

Ja, und zum letzten Mal. Das Geschäft hat zu schnell Besitz ergriffen von mir. Ich habe nie die Zeit gehabt zum Wachsen, nie die Zeit, erwachsen zu werden, ich hatte nicht mal die Zeit, Fehler zu machen. Beim FC Bayern hat man dann versucht, mir Zeit zu geben. Dafür bin ich Uli Hoeneß sehr dankbar. Er hat bis zum Schluss an mich geglaubt, aber es ging einfach nicht mehr. Kurz: Es ist alles ein bisschen dumm gelaufen, oder?

Sie sind zynisch gegen sich selbst?

Nein, heute kann ich das so sagen. Das ist mein kleiner Sieg.

Was wollen Sie jetzt tun?

Da fällt mir eine kleine Geschichte ein. Als ich noch bei Hertha war, saß ich im Mannschaftsbus und blickte aus dem Fenster. Ich sah drei junge Männer. Vielleicht 19, 20 Jahre alt, so wie ich damals, sie hatten Schultaschen über den Schultern, es waren Studenten. Was hätte ich damals dafür gegeben, mit ihnen zu tauschen. Momentan arbeite ich an einem Buch, das andere hole ich bestimmt nach. Ich freue mich drauf.

Herr Deisler, welches Bild soll von Ihnen bleiben?

Er hat seinen Weg gefunden.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 30.09.2007)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Libyen:

Allein gegen Gaddafi
Der Diktator will zwei Schweizer Geiseln in Libyen den Prozess machen.

Europas neue Spitze:

Gesichter eines Kontinents

Untersuchungsausschuss:

Spreedreieck-Affäre: Strieder rechnet mit Nachfolgern ab
Ex-Bausenator Strieder will beim Spreedreieck frühzeitig gewarnt haben. Nachbarn des Areals klagen erneut.

Kommentare [ 14 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von hdgerdes hdgerdes ist gerade offline | 30.9.2007 0:34 Uhr
Alle ...
Achtung, sehr viel Respekt für die Offenheit des Herrn Deisler!
Ich wünsche ihm eine seinen Vorstellungen entsprechende Zukunft.
Comment
von incurable incurable ist gerade offline | 30.9.2007 10:35 Uhr
meine Hochachtung
Ich bin ergriffen von diesem Interview, ich finde es gut, dass Sebastian Deisler zu seiner vermeintlichen "Schwäche" steht und zu seinen Probleme steht, diese angeht. Gerade im Fußballgeschäft fehlt es leider an solchen Persönlichkeiten, um vielleicht mal ein Umdenken zu initiieren...vielen Dank, Sebastian Deisler, für Ihre Offenheit. Alles Gute!



Comment
von allgeneralpuplic allgeneralpuplic ist gerade offline | 30.9.2007 13:45 Uhr
Sebastian Deisler
Ich denke, dass sich Herr Deisler in etwas hineinmanövriert hat, was nicht zwangsläufig mit dem 'bösen' Fußballgeschäft einhergeht. Im Jugendbereich gibt es viele Fußballer in den Talentschmieden der Bundesligavereine, die es nie zum Profi schaffen, aber genauso viel Arbeit und Zeit investieren und am Ende eines Fußballerlebens mit leereren Händen dastehen. Der Weggang von der Familie blüht in der heutigen Zeit fast jedem jungen Menschen, der berufstätig wird. Dabei hatte Herr Deisler ja noch den Vorteil, im eigenen Land arbeiten zu dürfen und nicht wie der von ihm bewunderte Roque Santa Cruz mit 17 Jahren den Kontinent, die Sprache und das komplette soziale Umfeld wechseln zu müssen. Dabei hatte Santa Cruz mit ähnlich langwierigen Verletzungen zu kämpfen und müsste noch den Tod seines Bruders wegstecken. Vielleicht war es Herrn Hoeneß irgendwann zu mühselig, sich mit einem Talent zu beschäftigen, wenn bereits die nächste Generation von Talenten beim FC Bayern hochgejubelt wird.
Comment
von incurable incurable ist gerade offline | 30.9.2007 20:04 Uhr
böses Fußballgeschäft
Es geht ja gar nicht um das böse Fußballgeschäft und natürlich geht es vielen Menschen genauso wie S.Deisler, anderen schlechter, etc., aber es ist doch bewundernswert, dass auch mal ein Promi dazu steht, dass nicht alles einfach ist oder es einem trotz oder gerade wegen dem Ruhm, Geld etc. nicht zwangsläufig gut gehen muss. Ich finde es gut, dass er zu seiner Krankheit steht, Depressionen können jeden treffen - nur andere Promis lächeln trotzdem weiter...ein Lob an Herrn Deisler zu seiner Entscheidung! Warum muss man eigentlich in Deutschland immer darum wetteifern, wem es schlechter geht und auf welchem Niveau man unzufrieden, unglücklich sein darf...???
Comment
von joao33 joao33 ist gerade offline | 30.9.2007 18:27 Uhr
Verstellt ist...
...mindestens dreiviertel unserer Gesellschaft, Sebastian! Weltweit! (Okay, vielleicht habe ich mit dem Anteil übertrieben). Nur sie merkt es nicht oder will es nicht merken! Und was noch schlimmer ist: viele von ihnen zwingen andere gerade dazu, sich zu verstellen. Also zu lügen! Andere und sich selbst!! Und das aushalten zu müssen!!! ...... ja, ..... das hast Du am eigenen Leib erfahren. Ich übrigens auch, wenn auch in anderer Form. Wenn Menschen nur zu sich selbst stehen würden.....!!!!
Aber nach dem Regen kommt Sonne. Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn die Ballast größtenteils weg ist. Zu wissen, dass Leben mehr ist als nur das, "WAS MAN MACHT UND WAS MAN NICHT MACHT" - ob es Sinn hat oder nicht! " TJA, DAS SIND DIE SPIELREGELN UND DARAN MUSS JEDER SICH HALTEN" höre ich mir oft an. Ob diese Leute, die das sagen, sich selbst einen Gefallen tun,.... "ABER DARÜBER REDET MAN NICHT"!!! .... und die Liste lässt sich fotsetzen....
Sebastian, alles Gute auf DEINEM Weg!
Comment
von boernie boernie ist gerade offline | 30.9.2007 22:08 Uhr
Tausend dank für ihren Mut Sebastian Deisler
Sehr geehrter Sebastian Deisler
Ihr Interview hat mich sehr, sehr berührt.
Ich hatte 2002 einen Burn Out. Sehr viel von dem was sie beschreiben habe ich ähnlich erlebt, wenn auch zweifelsohne x - Ligen tiefer.
Dies ist wohl der Grund warum mich ihr Interview getroffen hat.

Ich möchte Ihnen sehr danken, da sie mit ihrem Verhalten und Ihrem Auftreten all denen die in welchem Rahmen auch immer an Burn Out erkranken einen sehr großen Dienst tuen.
Es ist sehr hilfreich dass Provinente solche Zeichen setzten, sich derart ehrlich outen.
Deshlab haben sie heute „das Tor des Jahres“ für all diejenigen geschossen die von BO betroffen sind. Danke
Ich bin gespannt welcher Themenkreis ihr Buch haben wird.

Ich wünsche Ihnen auf ihren weiteren Lebensweg alles Gute
Boernie
Comment
von peter_heixinger peter_heixinger ist gerade offline | 1.10.2007 23:30 Uhr
Lächerlich. Schuld sind immer die anderen?
Als Jugendlicher im Wachtum den anderen hinterher? Nicht die neueste Markenkleidung am Leib? Dieses fürchterlich grausame Schicksal teilte Herr Deisler mit Abermillionen anderer. Durch solche Erlebnisse kann man charakterstark werden, oder darueber noch mit Ende 20 jammern.

"Am Ende habe ich versucht, mit dem Gedanken zurechtzukommen, nur noch auf der rechten Seite zu spielen. Aber dieser Spieler war ich nie. Einen Meter neben der Außenlinie habe ich mich eingeengt gefühlt. Ich habe mich mit dieser Begrenzung nicht abfinden können"

Selten etwas egoistischeres gelesen. Diva Deisler moechte eine Stammplatzgarantie auf Wunschposition, ansonsten spielt Madame nicht mehr mit? Kein Wunder, dass so jemand in einem Mannschaftssport scheitert.

Unzaehlige andere haben es zum Bundesligaprofi geschafft und beenden ihre Karriere erst mit Mitte 30. Wenn Herr Deisler das nicht schafft, dann liegt es nicht an Gesellschaft, Medien oder dem lieben Herrgott, sondern ganz alleine an ihm selbst.
Comment
von joao33 joao33 ist gerade offline | 3.10.2007 12:42 Uhr
Herrn Peter Heixinger
Lieber Herr Heixinger, eine erste Frage: Hat er wirklich gesagt, dass er traurig ist, dass er nicht die neuesten Markenkleidung am Leib trägt? Oder hat er geäußert, dass er sich über sowas freuen kann, aber er im Leben andere Prioritäten setzt, wie Vermittlung von Lebensfreude seinen Mitmenschen etc. Was ist daran schlimm? Sie haben recht mit den Spielern über 30, aber was können diese später ausser Geld fordern?
Ausserdem: Fragen Sie sich einfach, warum Lukas Podolski nicht im Tor steht, oder warum Sie nicht Bundesligaspieler geworden sind. Dann würden Sie "Madame" Deisler auch verstehen, warum er sich auf besagter Position eingeengt fühlt. Was ist daran egoistisch?
Abschließend noch was zum Thema "Schwächen" "anderer": Ich glaube, Sie haben ein Problem, solche zu akzeptieren. Können Sie wenigestens Ihre eigenen akzeptieren und zeigen? Wenn Sie glauben, welche zu haben, sind Sie dann zwangsläufig eine Madame oder ein Weichei?
"Die Welt spricht viele Sprachen. ..." (Paulo Coelho)
Comment
von brian brian ist gerade offline | 3.10.2007 12:09 Uhr
Hut ab
Ganz großer Sport von Sebastian an dieser Stelle!
Damit ist er für mich endgültig zu einem der größten Spieler Deutschlands aufgestiegen.Ich glaube, dass kaum ein anderer der egozentrischen Bundesligaspieler zu so einer Selbsterkenntnis gelangt wäre,weil ihnen dazu ganz einfach die Weitsicht fehlt.Mich erinnert das sehr stark eine eine Phase,die ich vor kurzem erst selber durchgemacht habe und die letztendlich in einer Depression endete.Die Parallelen sind unglaublich, auch wenn die Bundesligabüne natürlich noch um einiges härter ist, als mein Studentenleben mit seinen Prüfungen usw. So hat aber jeder Mensch sein Päckchen zu tragen, und man muss für sich selber seinen Weg finden.
Sebastian hat an dieser Stelle Stärke gezeigt,wo andere sich vielleicht gefügt hätten und daran im Nachhinein zu Grunde gegangen wären.Ich hoffe für Ihn, dass er sein Leben jetzt endlich wieder auf die Reihe bekommt und seine Träume verwirklichen kann.
Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute dafür.

Brian
Comment
von top top ist gerade offline | 3.4.2008 9:43 Uhr
Weinerliches Selbstmitleid!
Sehr geehrter joao33,

es ist nicht gerade ein feiner Stil andere Meinungen, als die Ihre, in die Ecke der psychischen Schwächen zu stellen. Gemeint ist hier Ihre Bemerkung:

"Abschließend noch was zum Thema "Schwächen" "anderer": ..."

Auch wenn Ihnen diese Meinung nicht gefällt, so darf ich Ihnen sagen, daß ich die Intention von Herrn Heixinger gut verstehe. Auch auf mich wirken die Aussagen von Herrn Deisler durchtränkt vom weinerlichen Selbstmitleid. Zumal er auf einem sehr hohen Niveau "jammert". All seine Erkrankungen haben ihn ja auch nicht davon abgehalten, soviel Geld wie möglich, aus genau dem "Geschäft" herauszuziehen, daß er andererseits verurteilt.

Es gibt in unserer Gesellschaft genug Menschen, die eine massive "Drucksituation" in Familie und Beruf aushalten müssen - und die zerbrechen auch nicht daran.

top
Comment
von stefan84 stefan84 ist gerade offline | 16.5.2008 14:23 Uhr
Ich bewundere Sebastian Deislers großes Fußballtalent.
Aufmerksam bin ich auf Deisler geworden, als wir gegen Portugal 0:3 verloren und Deisler versuchte viele Flanken zu geben. Damals war Erich Ribeck noch Bundestrainer.Vor allem das entscheidende Tor per Volley gegen England, dass auch noch in den rechten Winkel.
Als BravoSport den Wechsel zu Bayern bekanntgab, prognostizierte man, dass Deisler im Zentralen Mittelfeld spielen würde. Und Deisler ist auch für mich der genialste deutsche Mittelfeldspieler weil er für mich der Klassische Spielmacher(gute Flanken, Entscheidende Pass, Torgefährlich...) ist.
Auch das Spiel bei Bayern hast du stark belebt, trotz der kurzen Einsätze hat man gesehen, wie du geackert hast und bei dem einen oder anderen Tor beteiligt warst. vllt. war es auch zu viel auf einmal. Schade dass du aufgehört hast, aber das muss ich auch akzeptieren.

Ich wünsche dir viel Glück auf deinem Weg und hoffe dass man noch was von dir hören wird
Comment
von selenbor selenbor ist gerade offline | 5.6.2008 16:38 Uhr
Das Geschäft hat zu schnell Besitz ergriffen von mir
Das Geschäft hat zu schnell Besitz ergriffen von mir
das ist der entscheidende Satz. Nicht er hat Gehalt "rausgezogen", sondern er wurde reingezogen. Sein Leben liest sich wie eine Abfolge von Anforderungen, die er erkannt hat als ihm vermeintlich fehlend und die an ihn gestellt wurden. Er hat andere Werte nie vermittelt bekommen als Leistung und Geld und Statussymbole, so hat er sich ganz darauf getrimmt. Dann hat niemand noch etwas anderes in ihm gesucht, dabei wollte er auch menschlich wertvoll gesehen werden, schaffte das aber auch selbst nicht, weil er sich zuwenig Ruhe gönnte.
Er hat weniger menschliche Wertschätzung erfahren als andere. Talent und Kreativität, also Wille zum Leistung geben, war sehr hoch. Er gab zuviel: nach außen, es kam zu wenig nach innen, auch von ihm selbst.
Jetzt sollte er anderes in anderen suchen. Philosophie, Meditation, Wert der Psyche, Seele, Philosophen, Glaube. Schon wikipedia ist voll von wertvollen Artikeln.
Comment
von zirkelentzug zirkelentzug ist gerade offline | 11.11.2009 13:30 Uhr
Schön, dass er überlebt hat!
Sebastian Deisler hat zu seinen Depressionen gestanden, wichtige Teile des FC Bayern haben ihn gestützt - so konnte er überleben und heute ein von den Medien wenig beachtetes Leben führen.
Aber Fußball ist immer noch eine von tough Guys und Girls geprägte Domäne, in der Depressionen und Therapien oder gar Coming Outs nichts zu suchen haben. Robert Enke war einer der respektabelsten und integersten Profispieler in Deutschland, trotzdem ist er an seinen Depressionen gescheitert.
Ich hoffe, dass jetzt empfindsamere Spieler, Trainer und Funktionäre mehr Rückhalt in ihren Umfeldern bekommen, wenn sie Probleme haben und nicht gesagt bekommen, sie sollten sich zusammenreißen!
Comment
von kaefermichnicht kaefermichnicht ist gerade offline | 12.11.2009 1:48 Uhr
Schön, dass er überlebt hat!
Die Kritiker an Deislers Worten und Taten sollten sich (nicht erst seit gestern) schämen! Robert Enke - ebenfalls an Depressionen erkrankt - hat leider nicht den Absprung wie Deisler geschafft. Möge er wenigstens jetzt seinen Frieden gefunden haben.

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 10 - 2 = 


Rubriken
Anzeige
Weitere Themen

Bafögsätze sollen steigen Lesezeichen hinzufügen

Die Bundesregierung will zum 1. Oktober 2010 das BAföG erhöhen. mehr...

Entsorgungsfragen Lesezeichen hinzufügen

Von Reimar Paul, Göttingen
Umweltschützer befürchten, das Bundesamt für Strahlenschutz könnte seinen ... mehr...

Von Nord-Wasiristan bis Berlin Lesezeichen hinzufügen

Von Frank Jansen, Erfurt
Geheimdienste fürchten Anschläge im Zusammenhang mit der ... mehr...

Mehr Bafög – und 300 Euro für die Besten Lesezeichen hinzufügen

Die Bundesregierung will das Bafög erhöhen und besonders leistungsstarke ... mehr...

Mohammed al Baradei: Der Aufseher Lesezeichen hinzufügen

Von Andrea Nüsse
IAEA-Chef Mohammend al Baradei steht vor dem Ende seiner Amtszeit - klare Worte ... mehr...
Fotostrecken

Die Feier im neuen Haus (36 Bilder)

Gedenken an Robert Enke (7 Bilder)

Die neue Zentralbibliothek der HU (11 Bilder)

WM 2010 - Die Teilnehmer (33 Bilder)

15 Jahre Cookies-Club (7 Bilder)

Gasometer in Polaroid (30 Bilder)