Von Lesben, Schwulen und ihrem Wunsch nach Familie. Das Dumme ist: Es gibt Vorurteile und Verbote. Das Gute ist: Natur und Staat lassen sich überlisten.
Handwarm sollte das Sperma sein. Thomas stellt einen Topf auf den Herd, dreht die Gasflamme auf eine mittlere Stärke und legt ein kleines Wärmekissen in das Wasser. „Wir kommen jetzt vorbei“, hatte Nina am Telefon gesagt. Sie klang nervös. Zehn Minuten hat er jetzt. Zehn Minuten, um ein Kind zu zeugen.
Thomas geht in sein Schlafzimmer, einen sterilen Plastikbecher in der Hand. Genaue Anweisungen hatte er erhalten. Nina kennt sich aus, sie ist Apothekerin. Drei Tage lang sollte er auf Sex verzichten. Nicht durchgehalten. Würde es trotzdem funktionieren?
Thomas verschließt den Plastikbecher. Jetzt bloß nichts falsch machen. Wie viel Zeit noch? Die Kompresse ist warm, nicht zu heiß, gut so. Thomas steckt den Becher in eine dunkelgrüne Wollsocke und legt das Kissen dazu. Er schaltet den Fernseher ein.
Gefragt hatte Nina ihn auf einer Party: „Könntest du dir vorstellen, mir ein Kind zu machen?“. Das war vor vier Jahren. Thomas hatte spontan „ja“ geantwortet. Er fühlte sich geschmeichelt. Und ihm gefiel die Idee, Vater zu werden als schwuler Mann.
Es klingelt an der Haustür. „Hallo“, sagt Nina. „Hallo“, sagt Thomas. Schweigen. Er drückt ihr die grüne Socke mit dem Becher in die Hand; sie nimmt das Bündel, hält es schützend unter ihren Mantel. Es ist ein dunkler Sonntagabend im Oktober, kalt draußen.
Was hier passiert heißt in Insiderkreisen „Bechermethode“ und ist nur eine der Möglichkeiten für homosexuelle Paare, eine Familie zu gründen. Lesbische Frauen fragen oft Bekannte nach einer Samenspende, andere besorgen sich den fehlenden Chromosomensatz über das Internet oder sie bestellen bei einer Samenbank und lassen sich in einer Klinik künstlich befruchten.
Komplizierter wird es bei schwulen Paaren: In Deutschland ein Kind zu adoptieren ist für sie so gut wie unmöglich. Und bei der Vermittlung von Pflegekindern werden heterosexuelle Paare bevorzugt.
Als Nina zu ihrer Freundin Maren in den dunkelblauen Corsa steigt, müssen beide lachen. „Das ist schon komisch“, sagt Nina. Sie setzt sich auf den Beifahrersitz, das kurze dunkle Haar vom Wind zerzaust. Den Becher wärmt sie zwischen ihren Beinen. Jetzt schnell nach Hause, Maren ist eine gute Autofahrerin, sportlich, konzentriert. Ihre Hände schwitzen am Lenkrad. Nina sieht auf die Uhr. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Spermien sterben ab.
Maren zündet die Kerzen im Schlafzimmer an, legt ein „Café del Mar“-CD auf. Nina hat in der Apotheke eine Spritze besorgt. Sie drückt selbst ab. Danach geht sie in den Handstand, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.
Drei Monate lang hat Nina ihren Zyklus beobachtet, jeden morgen um sechs Uhr Fieber gemessen, auch im Spanienurlaub. Der Eisprung muss kurz bevorstehen. Dass sie beim ersten Versuch schwanger wird, ist sehr unwahrscheinlich. Nina ist 35 Jahre alt.
Zehn Tage später erscheint ein rosafarbener Streifen im oberen Feld des Schwangerschaftstests. In Ninas Bauch wächst ein Kind.
Etwa 7000 Kinder leben laut Mikrozensus in Deutschland in sogenannten Regenbogenfamilien, also mit zwei Müttern oder zwei Vätern. Meist handelt es sich um Jungen und Mädchen, die aus früheren heterosexuellen Beziehungen stammen. Doch gerade lesbische Paare wollen gemeinsam Kinder bekommen. Ein Hindernis ist die Biologie, ein anderes die Bundesärztekammer. Deren „Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion“ schließt die Insemination, die durch einen Mediziner betreute Befruchtung mit Spendersamen, bei gleichgeschlechtlichen Paaren aus.
Nicht jeder Arzt hält sich daran: Cora und Anja Wilkner ließen die Insemination in einer Klinik durchführen. Vor ein paar Tagen ist ihr Sohn Julius ein Jahr alt geworden. Über dem Esstisch hängen noch die bunten Luftballons, das Kind verteilt Bauklötze auf dem Parkettboden. „Ein anonymer Samenspender aus dem Netz kam für uns nicht in Frage“, sagt Cora. Die zarte 33-Jährige ist die leibliche Mutter von Julius. Anja, fünf Jahre älter, burschikose Kurzhaarfrisur, dreifach durchstochene Ohrläppchen, ist Co-Mutter.
Drei Profile von Männern hatte das Ehepaar zu Auswahl: Größe, Gewicht, Haarfarbe. „Ein Foto kann man natürlich nicht sehen“, sagt Anja. Beruf und Hobbys müssen die Männer aber angeben. „Man klammert sich dann an Kleinigkeiten“, sagt Cora. Am Studienfach, das sie nicht verraten will, glaubte sie Sozialkompetenz abzulesen, das Hobby Musik stand für Kreativität. „Aber letztlich ist das alles egal“, sagt Cora, „wichtig ist vor allem die gesundheitliche Überprüfung des Spenders.“
Der Preis für die Behandlung variiert von Klinik zu Klinik, bei Anja und Cora waren es rund 3000 Euro. Meist zahlt die Kundin eine Pauschale und hat bis zu zehn Versuche, um schwanger zu werden. Dabei wird der Spendersamen per Katheder direkt in die Gebärmutter eingeträufelt. „Die Turnübungen konnte ich mir also sparen“, sagt Cora und kitzelt ihren Sohn am Bauch. Sie hatte Glück: Schon nach zwei Versuchen hat es geklappt.
Gerade bei Frauen ab Mitte 30 ist eine Schwangerschaft durch Insemination unwahrscheinlich. Mehr Chancen auf Erfolg verspricht die Befruchtung der weiblichen Eizelle im Reagenzglas. Für diese Behandlung müssen lesbische Paare ins Ausland fahren, etwa in die Niederlande. Die Kosten liegen bei rund 4000 Euro – pro Versuch.
Noch schwieriger ist es allerdings für schwule Männer, sich den Traum vom Familienglück zu erfüllen. Gleichgeschlechtliche Paare können in Deutschland nicht gemeinsam ein Kind adoptieren. Die sogenannte Stiefkindadoption, bei der einer der Partner das leibliche Kind des anderen adoptiert, ist bei homosexuellen Männern sehr selten, meist wachsen die Kinder bei ihren Müttern auf.
Marcel de Groot, 50 und Rainer Ditzel, 52, haben sich für Pflegekinder entschieden. Die beiden sind seit 25 Jahren ein Paar. „Schwule bekommen die Kinder, die sonst keiner will“, sagt Rainer. Vor elf Jahren kam Jasmin zu ihnen. Damals war sie vier Jahre alt, stammte aus einer türkischen Familie und war den Eltern per Gerichtsbeschluss entzogen worden. Deutsch konnte sie nicht. Und auch kein Türkisch. „Sie war verwahrlost“, sagt Rainer, der von Beruf Erzieher ist.
In den folgenden Jahren lebten die Pflegeväter in der ständigen Angst, das Kind wieder zu verlieren. „Die Familie war nicht damit einverstanden, dass Jasmin bei zwei Männern aufwächst“, sagt Marcel. Immer wieder versuchten die leiblichen Eltern, das Sorgerecht einzuklagen — ohne Erfolg. Jasmin blieb in der Regenbogenfamilie und hat zwei weitere Pflegegeschwister bekommen.
Die Liste der Vorurteile ist lang: „Für Kinder ist es am besten, wenn sie bei Mann und Frau aufwachsen“, sagt Hartmut Koschyk, Chef der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag. Regenbogenkinder seien nicht nur Diskriminierungen ausgesetzt, auch die Partnerschaften ihrer Eltern seien weniger stabil.
„Eltern wissen nicht, wie sich ihre Beziehungen langfristig entwickeln. Ehen scheitern. Bei Homosexuellen potenziert sich wahrscheinlich das Risiko“, sagte der Kinderarzt und Buchautor Remo Largo kürzlich in der Schweizer „Weltwoche“. Für Daniel Regli vom kirchennahen Verein Familienlobby sind Regenbogenkinder die „Leidtragenden“. Bei der sexuellen Selbstfindung hätten sie es schwerer, es könnte Verwirrung entstehen.
Ist es also egoistisch, wenn gleichgeschlechtliche Paare Kinder großziehen wollen?
„Wo Kinder mit Liebe aufwachsen, wachsen sie gut auf“, erklärte Justizministerin Brigitte Zypries kürzlich und forderte das volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Homosexuelle seien keine besseren, aber auch keine schlechteren Eltern als andere. Auch Marina Rupp, Leiterin der vom Justizministerium in Auftrag gegebenen Studie zur „Situation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften“, hält Regenbogenfamilien für durchaus qualifiziert zur Kindeserziehung. „Die sexuelle Orientierung der Eltern spielt eine untergeordnete Rolle“, sagt die Soziologin, „viel wichtiger für das Kind sind stabile Beziehungen zu beiden Elternteilen.“ Kinder aus Regenbogenfamilien entwickelten sich ganz normal. Auch eine Verwirrung bezüglich der Geschlechterrollen finde nicht statt. In den Kategorien Selbstbewusstsein und Autonomie schnitten Regenbogenkinder sogar besser ab als ihre Altersgenossen. „Ihr Vorteil ist, dass sie eigentlich immer Wunschkinder sind“, so Rupp.
Ein Jahr und neun Monate nach der Übergabe des Bechers an Nina: Thomas, dunkles Hemd, blaue Augen, sitzt im „Impala“, einem Café am Berliner Nollendorfplatz. Ein wenig sieht er aus wie Claus Kleber. „Ich habe eine Luxusvaterschaft“, sagt er, lächelt und bestellt einen Salat mit Thunfisch. Alle ein, zwei Wochen sieht er seine Tochter Marie. Neulich waren sie beim Babyschwimmen. „Sie entwickelt einen immer stärkeren Bezug zu mir.“ Thomas weiß, er kann als Vater nur so präsent sein, wie es die Beziehung zwischen Nina und Maren erlaubt. Thomas weiß auch, dass seine Tochter bei den beiden Müttern gut aufgehoben ist. „Mit so einer hippen Mitte-Tussi hätte ich kein Kind bekommen“, sagt er.
Nina und Maren verbringen ihre Abende am liebsten zu zweit auf der Terrasse. Noch vor der Geburt ihrer Tochter haben sie sich ein kleines Haus gekauft, im grünen Berlin-Rudow. An der Haustür hängt ein hellblaues Schild, „Welcome“ steht darauf. „Ich bin Apothekerin geworden, um mir eine Familie leisten zu können“, sagt Nina. Ihre Freundin ist Beamtin. „Meine Frau“, sagt sie. Sonntags gehen sie in die Kirche, christliche Erziehung ist ihnen wichtig. Zwei Menschen, die sich genügen, die trotzdem einen Dritten, einen Mann, in ihr Leben gelassen haben, die mit Eifersucht und Ängsten umgehen, damit ihre Tochter einen Vater hat.
Hinten im Garten schläft eine dicke, graue Katze. Sommerblütenduft. Ihre Tochter haben sie schon ins Bett gebracht. Maren wirft noch einen prüfenden Blick auf die Zucchini, die sie hier anbaut, nimmt einen Schluck Bier und sagt: „Gott, sind wir Spießer.“
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.08.2009)
Kommentare [ 67 ] Kommentar hinzufügen »
Ach ja... was ist denn nun das Gute daran?
ganz unabhängig von persönlichen Vorlieben und Lebensmodellen.
Und Regenbogen-Familien sind alles andere als bloßes "Flickwerk".
Ein gleichberechtigtes Modell neben der "normalen Familie" allemal.
Wer nähere Infos und Kontakte zum Thema sucht,
findet sie in Berlin hier
Ich habe als Kind bisweilen unfreiwillig "Vater, Mutter, Kind"
mit den Freundinnen und Freunden im Kiez gespielt,
am liebsten die Vaterrolle übernommen, ups. ;-)
Mit dem ersten Partner hat's später leider nicht geklappt.
Jetzt könnte es klappen, mir der Richtigen, endlich.
Doch ist es leider schon zu spät: "Wer hat an der Uhr gedreht?",
der biologischen. Die Risiken sind mittlerweile zu hoch.
Ansonsten kann so eine Regenbogenfamilie absolut erfüllend sein.
Eine sehr gute und fast schon literarische Geschichte -
überraschend erfreulich hier beim Tagesspiegel zu lesen,
danke an die Autorin Nicola Abé!
Insofern ist der Kinderwunsch von Homosexuellen für die Kinder nicht gut.
Und deshalb sollte man - um der Kinder willen- darauf verzichten.
Das Dumme ist, dass das manche "Eltern" nicht einsehen wollen.
Das Gute ist, dass diese Fehlentwicklung wohl nicht allzu häufig passieren dürfte.
Richtig ist nämlich, dass ein Kind nicht von Mann und Frau gleichzeitig erzogen werden muss, sondern lediglich von einem festgelegten und nicht wechselnden Personenkreis. Dass das Kind zwangsläufig mit allen Geschlechtern in Berührung kommt, ist ja wohl selbstredend.
Was sagen Sie denn alleinerziehenden Vätern bzw. Müttern? Entwickeln sich deren Kinder auch "unnormal"?
Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie mit dem Partner, den Sie lieben keine Kinder haben dürften?
Im übrigen sollten Sie noch einmal überdenken, was eigentlich genau männliche und weibliche Rollenvorbilder sind und ob diese nicht einem ständigen Wandel unterzogen sind. Das Kind zu einem aufgeschlossenen und toleranten Menschen zu erziehen, halte ich persönlich für wichtiger, als auf fragwürdige Rollenmuster zu bestehen.
Liebe Grüße,
Nadine Lantzsch
tagesspiegel.de-Redaktion
ich finde es seltsam, dass Sie hier eine jahrtausendealte sichere Erkenntnis - dass nämlich männliche und weibliche Rollenvorbilder nötig sind - plötzlich als These bezeichnen.
Aus vielfacher eigener Lebenserfahrung kann ich Ihnen sagen, dass ich sehr rasch merke, ob ein Junge aus einer intakten Familie mit dem Vater oder aus einem vaterlosen Umfeld kommt.
Und ich muss leider hinzufügen, dass die vaterlosen Jungen für gewöhnlich problematischer sind. Diese Probleme betreffen grundsätzlich auch die Söhne von allein erziehenden Müttern!
Jungen, die ohne ihren Vater aufwachsen, haben leider häufiger Probleme im späteren Leben. Sie entwickeln sich zwar auf Grund ihres männlichen Erbguts sowieso mehr in die männliche Richtung, schwanken aber oft zwischen einer machohaften Überbetonung oder aber einer ebenso falschen Unterbetonung männlicher Wesensart. Es gibt hierzu sogar kriminologische Studien.
Der anwesende Vater gibt ein Rollenvorbild und hilft den Jungen, ihre normale Entwicklung zu vollziehen. Insbesondere der pubertäre Vater-Sohn-Konflikt ist dabei ein notwendiger und sinnvoller Teil des Entwicklungsprozesses.
(Ihr Argument, dass eine vollständige Familie mit zwei sich streitenden Elternteilen auch problematisch ist, stimmt.
Aber dies ist zum Glück nicht der Regelfall.)
Ihr Zweifel, ob es denn überhaupt konstante männliche und weibliche Rollenvorbilder gibt, verrät, dass Sie der sog. Gendertheorie zuneigen.
Ich persönlich halte diese sog. "Theorie" - höflich gesprochen - für schlichtweg falsch und wirklichkeitsfremd sowie - schlimmer noch - für schädlich.
Natürlich gibt es konstante typisch männliche oder weibliche Merkmale!!! Das kann Ihnen nicht nur die überwältigende Mehrheit aller Menschen auf der Erde bestätigen, sondern auch die moderne Hirnforschung. Männliches und weibliches Gehirn unterscheiden sich weit mehr als man früher meinte.
Natürlich ist der Kontakt mit beiden Geschlechtern für das Kind wichtig. Die Frage ist nur, ob beide Geschlechter bei der Erziehung maßgeblich sein müssen. Ich widerspreche Ihnen hier, weil ich auch erlebt habe, dass Kinder in allen Familienverhältnissen (alleinerziehend, Hetero, Homo, etc.) gesund aufwachsen. Die Frage ist nicht, welche Familienform gewählt wird, sondern WIE das Kind erzogen wird.
Sie sprechen ganz klar Familientypen, die nicht dem heteronormativen Bild entsprechen, ihre Daseinsberechtigung ab. Haben Sie Angst vor Vielfalt? Auch bei Heranwachsenden? Was ist denn "normal"? Das kann nicht mal die Biologie beantworten.
Lesen Sie doch noch einmal den Artikel, der eindeutig ihre Thesen mit stichhaltigen Argumenten widerlegt. Oder wie andere Kommentatoren hier bereits ansprechen - auch Kinder mit Mutter und Vater oftmals keine gesunde Entwicklung nehmen, aus verschiedenen Gründen.
Ich glaube, die Gendertheorie bzw. biologische Aspekte spielen bei der Diskussion um Familien und Erziehung eine eher untergeordnete Rolle. Wichtig sollte doch sein, dass ein Kind mit Liebe aufwächst und wie bereits gesagt, lernt, wie individuell die Welt sein kann. Nur so kann es sich als Heranwachsender/Erwachsener ein möglichst vorurteilsfreies Bild seiner Umwelt machen bzw. seine Lebensform finden, die er/sie für richtig erachtet.
Herzliche Grüße,
Wie bitte kommen Sie auf diese überaus skurrile Behauptung das "[...]eine vollständige Familie mit zwei sich streitenden Elternteilen[...] nicht der Regelfall" ist?
Leider ist das Gegenteil davon Realität....sprechen Sie doch einmal mit einem Sozialarbeiter an einer Schule, wie viele Kinder aus "normalen" zerrütteten Familien kommen!!!!
Amüsant, wenn soviel verbohrte Rückständigkeit nicht schon traurig wäre, ist des Weiteren ihre Bezeichnung einer "vollständigen" Familie...Sie würden also die Verbindung eines Menschen, der seine betagten Eltern pflegt und mit ihnen den Haushalt teilt, nicht als Familie bezeichnen?
Zählen für Sie nur starre Muster? Macht nicht Liebe, Glück, Zuneigung, Geborgenheit, Zusammenhalt und Sicherheit eine Familie aus?
Es ist unendlich traurig und bemitleidenswert wenn sich Menschen aufgrund von Konventionen, an die sie glauben sich halten zu müssen, aus welchen Gründen auch immer, ihr Lebensglück versagen!
Gönnen Sie ihren Mitmenschen doch ihr Glück, ihre Familie - das ist ihr gutes Recht!!!
Es sollte doch die persönliche Entscheidung eines jeden Menschen sein, über sein Leben zu bestimmen, das fordern Sie für sich selbst mit Sicherheit auch ein!!!
Unterschiede in der Kindererziehung gibt es davon abgesehen immer! Jeder Mensch hat andere Wertvorstellungen, welche an die Kinder weiter vermittelt werden, da macht es keinen Unterschied welches Geschlecht die Elternteile besitzen!!!
Haben Sie Beweise für Ihre These, dass Kinder unbedingt männliche und weibliche "Rollenvorbilder" brauchen?
In Vertretung von Freidenker: Ja klar, was für eine Frage?! Wie wäre es z.B. mit Millionen Jahren Evolution? Bitte werfen Sie nicht durcheinander: wer gegen solche "Erziehungsmodelle" ist, ist noch lange nicht schwulen- oder lesbenfeindlich eingestellt.
Allerdings warte ich ebenfalls immer noch auf den "Beweis der These", dass Kinder ohne männliche Rollenvorbilder problemlos aufwachsen können. Denn genau das schwebt Ihnen ja offenbar auch vor. Diese Forderung trage ich übrigens genauso an alleinerziehende "Familien" heran, die für mich ebenfalls bisher nicht bewiesen haben, dass sie zur sozialen und demografischen Nachhaltigkeit einer Gesellschaft beitragen können.
Merke: Nur weil etwas geht oder man den Staat "überlisten" kann oder was auch immer, heißt das doch nicht, dass das auch gut wäre. Man fühlt sich vielleicht individuell schlauer als der dumme Durchschnittsspießer, gerade in Berlin, das gebe ich gern zu. ;-)
Und noch einmal: Ich halte es trotzdem für wichtig, dass Kinder im Umfeld von allen Geschlechtern, Typen, Rollen, etc. aufwachsen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Ich bin jedoch nicht der Meinung, dass allein das Modell "Mutter, Vater, Kind" das Allheilmittel einer intakten Familie ist. Gegenbeispiele gibt es genug.
Alleinerziehende Elternteile derart zu diskriminieren, dass deren Kinder sozial fehlgesteuert sein müssen, finde ich im übrigen ziemlich anmaßend. Es gibt kein Familenmodell, das garantiert, dass Kinder zu perfekten Menschen werden. Letztendlich machen wir unsere Erfahrungen und prägen unsere Person auch durch unser Umfeld. Das sollte man bei allem nicht vergessen.
"Es gibt kein Familenmodell, das garantiert, dass Kinder zu perfekten Menschen werden."
Gott sei Dank ist das so.... vor perfekten Menschen graut es mir!
Ich wünsche allen noch einen angenehmen Sonntag!
Wie kommen Sie darauf, dass ich diskriminiere? (Eigentlich dachte ich, dass ich hier sachlich diskutiere) Das finde ich spannend. Ebenso spannend finde ich Ihre Aussage, dass es kein "Familienmodell mit Garantie gäbe", sondern es vielmehr auf "das Umfeld" ankäme, ergo irgendwie alles möglich und total relativ sei.
Natürlich gibt es kein Familienmodell mit Garantie und natürlich kann es auch andere gute Möglichkeiten geben. Allerdings haben sich im Laufe der Geschichte bestimmte "Familienmodelle" als überlebensfähig herauskristallisiert, andere eben nicht. Und das hat Gründe: z.B. Naturgesetze, soziale Muster. Den Gegenbeweis müssen also Sie bringen.
Problematisch - und das ist für mich der Casus Knacktus dabei - ist, dass man diese "Gegenbeweise" nur aus einer großen und rückblickenden Perspektive antreten kann und so wie ich Sie bzw. die Autorin verstehe, geht es ja "nur" um das bescheidene, private Glück und darum, "den Staat auszutricksen". Das gönne ich Ihnen und jedem ja von Herzen, auch alleinerziehenden Müttern, aber für den Fortbestand einer Gesellschaft reicht das vielleicht dennoch nicht aus.
Es kommt nicht vielmehr auf das Umfeld an, das habe ich so nicht geschrieben, sondern dass das Umfeld ebenso Einfluss auf die Entwicklung eines Menschen nimmt.
Welche Modelle haben sich denn als "überlebensfähig herauskristallisiert"? In anderen Kulturkreisen herrschen ganz andere Modelle und das ebenfalls seit mehreren Jahrhunderten.
Naturgesetze besagen lediglich, dass es Spermien und Eizellen braucht, um ein Kind zu zeugen sowie eine Frau, die es zur Welt bringt. Insofern ist der Fortbestand einer Gesellschaft immer gesichert. Alles andere Normativierende in dieser Diskussion ist in meinen Augen konstruiert und entbehrt jeder Grundlage. Es dient einzig und allein dazu, bestimmten Menschen Verantwortungsbewusstsein für andere Menschen zu entziehen.
Dass es durchaus in einigen Fällen zu Fehlentwicklungen bzw. psychosozialen Störungen bei Kindern kommen kann, sei unbestritten. Diese kommen allerdings - wie sagt man so schön - in den besten Familien vor ;-)
Mit besten Grüßen,
Herzliche Grüße
Was mir jedoch in dem Artikel völlig fehlt - und was ich aus persönlicher Erfahrung kenne - ist die m.E. nicht allzu seltene Haltung von Schwulen, mehr aber noch von Lesben, die ich männerfeindlich, genauer gesagt hetero-Männer-feindlich nennen würde.
Zuweilen ist diese Haltung scherzhaft-spöttisch, oft aber auch ernst, bis hin zu ideologischer Verbissenheit. Da werden Hetero-Männer für alles Elend dieser Welt von Unterdrückung über Ausbeutung bis Krieg verantwortlich gemacht.
Wenn solche Paare sich ihren Kinderwunsch erfüllen, wird das Kind in diesem Geiste erzogen: Männer stehen unter Generalverdacht, dumme und triebgesteuerte Machtmenschen zu sein.
Wie ein Kind unter solchen Vorzeichen sich zu einem aufgeschlossenen und toleranten Menschen entwickeln soll, ist mir völlig schleierhaft.
Also: der Artikel ist mir zu undifferenziert.
Und, verehrte Frau Lantzsch:
Dass eine Tagesspiegel-Redakteuerin hier so eifrig mitdiskutiert, hat für mich ein "Gschmäckle".
Schreiben Sie als Privatperson?
Vertreten Sie die Meinung des Tagesspiegel? Wenn das der Fall sein sollte, müsste ich mich wundern.
Ich kann @freidenker zustimmen: Ihre Ausführungen klingen arg nach "Gender".
Und das halte ich für fragwürdig und ideologisch.
Was sie ansprechen, ist ein richtiger Punkt, den ich auch nicht bestreite. Allerdings ist das nicht die Regel. Bietet leider trotzdem Anlass für die Verbreitung von Klischees ;-) Menschen kommen außerdem seltener im Elternhaus mit Sexismus in Berührung, sondern viel mehr in der Gesellschaft. Diese Diskussion ist das beste Beispiel dafür.
Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag noch
Ich persönlich finde, dass Kinder in einer möglichst liebenvollen Umgebung aufwachsen sollten, dabei ist es doch egal, ob die Eltern hetero- oder homosexuell sind. Und wer sagt denn, dass Regenbogenkinder nicht sowohl weibliche als auch männliche Bezugspersonen haben? Was ist etwa mit den Großeltern, die doch im Leben der meisten Kinder eine wichtige Rolle spielen? Und Baby Marie zum Beispiel hat nicht nur zwei Mütter, sondern auch regelmäßigen Kontakt zum Vater, ich sehe nicht, warum das per se schlechter sein sollte als eine "normale" Familie.
@ 10115er
Die Regenbogenfamilie hatte doch bisher überhaupt keine Gelegenheit, sich als "überlebensfähig herauszukristallisieren". Bis vor ein paar Jahren konnten homosexuelle Paare doch gar keine Kinder haben, zudem ist es noch gar nicht so lange her, dass Homosexualität als Straftat galt. Und was Ihre Kritik an Alleinerziehenden betrifft, der allergrößte Teil hat sich dieses Familienmodell bestimmt nicht ausgesucht.
Das Wohl des Kindes sollte an oberster Stelle stehen, und ob man eine glückliche Kindheit hat oder nicht hängt sicher noch von anderen Faktoren ab als nur von der sexuellen Orientierung der Eltern.
Ich sprach von einer Gruppe, nicht von allen.
Aber das kann natürlich auch daran liegen, dass Sie mich nicht verstehen wollen.
....jedoch wenden Sie sich mit Ihrer "Kritik" an die Mehrheit homosexueller Eltern(Zitat:" [..]nicht allzu seltene Haltung von Schwulen, mehr aber noch von Lesben[]")
.....kann es sein, dass Sie sich da ein ganz kleines bißchen widersprechen?!
Stan/Loretta:
Ich möchte eine Frau sein. Ich möchte, daß ihr... daß ihr mich von jetzt an Loretta nennt.
Rech:
Was?
Stan/Loretta:
Das ist mein Recht als Mann.
Judith:
Ja, aber warum möchtest du Loretta sein, Stan?
Loretta:
Weil ich Babys haben möchte.
Rech:
Was möchtest du haben? Babys???
Loretta:
Jeder Mann hat das Recht, Babys zu haben, wenn er sie haben will.
Rech:
Aber, aber du kannst keine Babys haben.
Loretta:
Unterdrücke mich bitte nicht.
Rech:
Ich unterdrücke dich überhaupt nicht, Stan. Aber du hast keine Mumu. Eine Gebärmutter
hast du auch nicht. Wie soll denn das funktionieren? Willst du's in 'ner Zigarrenkiste
aufheben?
Judith:
Warte. Ich habe eine Idee: Nehmen wir an, daß ihr euch darauf einigt, daß er keine Babys
bekommen kann, weil er keine Gebärmutter hat, woran niemand schuld ist, nicht mal die
Römer, aber daß er das absolute Recht hat Babys zu bekommen.
Francis:
Gute Idee, Judith. Wir kämpfen gegen die Unterdrücker, für dein Recht Babys zu haben,
Bruder. hh. Verzeihung. Schwester.
Rech:
Das ist doch aber sinnlos.
Francis:
Was?
Rech:
Es ist vollkommener Blödsinn, für sein Recht, Babys zu bekommen zu kämpfen wenn er
keine Babys bekommen kann.
Francis:
Es ist ähm, symbolisch. Für unsere Ringen gegen die Unterdrückung.
Rech:
Symbolisch für sein Ringen gegen die Realität.
Sie schreiben: "Denen verbieten wir ja auch nicht sich fortzupflanzen, oder?"
Es ist mir neu, dass es überhaupt irgendjemandem verboten wäre, sich fortzupflanzen. Insofern verstehe ich diesen Satz nicht.
Und: Wer ist "wir"?
Ähm... ich grübele: Meinen Sie das ernst oder satirisch?
Klären Sie mich auf, @ganymed!
sehr kontroverse Diskussion werden würde.
Wie steht es also tatsächlich um das Kindewohl
in Regenbogenfamilien?
Erhellende Erkenntnisse dazu liefert uns
folgende Studie hier
nebst weiterem Gesprächsstoff - und regt womöglich
dazu an, sein aktuelles Menschenbild zu überdenken.
Was lerne ich aus dieser Diskussion hier?
Dass ich wohl Glück gehabt habe, "diese Fehlentwicklung"
namens Regenbogenfamilie nebst entsprechender Kommentierung
unserer Kinder und deren Lebensumstände, die "ein einziger
Irrweg" egozentrischer Homo-Eltern sind, nicht erlebt zu haben?
Meine Antwort wäre zu persönlich und sprengt den Rahmen hier.
Evolution? Zurück in die Bäume?
Bei mir tut's heute auch die Palme... ;-)
Frei nach Darwin: "Seid stärker als alle Vorurteile."
Kinder machen vor, wie das geht - wenn wir sie nur lassen.
Bereits vor ca. 100 Jahren gab es Leute, die sich (wie wir mittlerweile wissen erfolglos) gegen den Bau des Eifelturms in Paris gewendet haben, da sie sich sicher waren, daß ein so hohes Bauwerk niemals sein eigenes Gewicht tragen könnte.
Hätte ich 1969 schon gelebt, so hätte ich mich vehement gegen eine Landung auf dem Mond gewehrt, schließlich wissen wir ja, daß seit Menschheitsgedenken Himmelskörper für den Menschen unerreichbar sind. Ebenso unnatürlich empfinde ich auch Reisen mit dem ICE (der Mensch selber kann von sich aus keine höhere Geschwindigkeit als ca. 20 km/h erreichen) und auch das Gerätetauchen, wo sich der Mensch in Wassertiefen aufhält, wo er selbst einfach nichts zu suchen hat.
Tradition ist zwar eine Grundhaltung, jedoch als Argument nicht geeignet.
"Der anwesende Vater gibt ein Rollenvorbild und hilft den Jungen, ihre normale Entwicklung zu vollziehen."
Die Frage ist hier, wie man das "männliche Rollenbild" definiert. Ich vermute, daß diese weitgehend durch Traditionen innerhalb einer Gesellschaft bestimmt ist, die ich als nicht unveränderbar, sondern überprüfenswert ansehe. Auch die Tatsache, daß die Gehirne von Männern und Frauen unterschiedlich sind, heißt nicht, daß daraus unverrückbare Rollenbilder innerhalb einer Gesellschaft hervorgehen. Ich leite daraus vielmehr die Möglichkeit ab, daß wir (Männer und Frauen) voneinander bei der Bewältigung von Aufgaben lernen können.
Traditionell wird der Mann als streßresistenter angesehen, offenbar sind es jedoch die Frauen, die damit besser umgehen können.
Macht Euch lieber Gedanken um die MILLIONEN VONKINDERN Erziehung total verweiblicht ist.
Von der alleinstehenden Mutter über die Kindergärtnerin und die Lehrerin, wohlmöglich auch noch die Kinderärztin ist die gesamte Adoleszenz völlig matriacharisiert.
Nun könnte man ja sogar so gehässig sein, da mal 'ne Frage zur Kausalität dessen zur Infantilisierung der Gesellschaft stellen.
Aber das kann selbst ich nicht,
denn dann würde ich bestimmt von einer üble wib richtig auf die Finger bekommen.
Also bleibe auch ich lieber infantilisiert...
ich möchte einem gleichgeschlechtlichen Paar den guten Willen überhaupt nicht absprechen. Ich gebe auch zu, dass die Situation in gewisser Weise tragisch ist.
Die entscheidende Frage ist aber die nach den Rollenvorbildern.
Dazu meinen Sie, dass es im Grunde reicht, wenn irgendwo im Umfeld - z.B. Schule, Verein - das fehlende Rollenvorbild (meist ein Mann) vertreten ist. Ich glaube nicht, dass das reichen würde, denn dann würde das Kind ja doch ganz überwiegend nur von einem Geschlecht geprägt und erzogen.
Außerdem hat ja @ dali soeben darauf hingewiesen, dass der Bildungsbereich von der Kita angefangen ohnehin viel zu sehr verweiblicht ist ... !
Insofern ist der starke Zweifel, dass es dann noch mehr an männlichen Vorbildern fehlen würde, überhaupt nicht ausgeräumt.
Ein anderes Argument von mir ist leider bisher sogar ganz ignoriert worden, und zwar die nachweislichen häufigeren sozialpsychologischen Probleme und Störungen von Jungen, die ohne Vater aufwachsen.
Das sind Tatsachen.
@ betrachter........von 14.12 Uhr:
Sie haben da ein wichtiges Problem angeschnitten (Männerfeindschaft).
Bezeichnend, dass niemand darauf eingegangen ist.
Das spricht für sich.
Ich sehe es ebenso, wie Sie.
viele Grüße, Frau Lantzsch,
vom Freidenker