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Klimawandel

Auf dem Tigerfelsen

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Wir nähern uns mit großen Schritten – die wenigsten hier im Lande werden es aus naheliegenden Gründen wissen – dem Jahr des Tigers. Das beginnt im kommenden Februar und wird in den sogenannten Tigerländern begangen, das sind Länder, in denen noch frei lebende Tiger umherschweifen, wir sind also eher kein Tigerland. 3200 solcher ungebundenen Katzen gibt es weltweit noch, nur noch. Weswegen sich gerade 250 Experten in Kathmandu/Nepal versammelt haben, um das Aussterben zu verhindern. Ein löbliches Unterfangen, bei dem die Teilnehmer sich gewiss glücklich geschätzt haben, dass der Veranstalter nicht dem derzeitigen Trend nach einem sachgebundenen Tagungsort erlegen ist. Möglicherweise wären die Tierschützer bei einer Versammlung auf dem artgerechten Tigerfelsen anschließend weniger gut zu sprechen gewesen auf die zu schützenden Kätzchen, oder sogar gänzlich handlungsunfähig. Weil so ein Tiger in der Regel nicht weiß, dass man ihm nur Gutes will und er dann auch nicht unterscheidet zwischen politisch korrektem Fressen und herkömmlichem Fraß.

Der Trend ist nicht zu übersehen. Mitte Oktober setzte ihn die Regierung der Malediven, als sie abtauchte und eine Kabinettssitzung unter Wasser abhielt. Ein Hinweis auf das bedrohliche Ansteigen des Meeresspiegels.

In die entgegengesetzte Richtung will sich nun das Kabinett von Nepal aufmachen. Das tagt, wenn die Tigerexperten unversehrt wieder abgereist sind, in der Höhe. Und zwar im November am Mount Everest, in einem Basislager in 5360 Metern Höhe. Da ist die Luft dünn und den Kabinettsmitgliedern nur anzuraten, ihre Erregung bei dieser Aktion gegen den Rückgang der Gletscher gut zu dosieren. Auch hier in der Höhe wie in der Tiefe des Meeres wütet der Klimawandel, spektakuläre Zeichen sind vor dem Weltklimagipfel Anfang Dezember geboten. Einerseits ist es schön und tröstlich, dass das Protestinstrumentarium von Greenpeace nun parlamentarisch geworden ist und auch Politiker es nicht scheuen, sich mit eigenem Körpereinsatz schwimmend oder bergsteigend der Katastrophe entgegenzustemmen. Allerdings macht Greenpeace dergleichen schon seit Jahrzehnten, ohne nennenswert gehört worden zu sein. Im anderen Falle wären die Spektakel am Berg und im Meer vielleicht gar nicht nötig. Man kann also nur hoffen, dass es diesmal nicht nur bei spektakulären Bildern bleibt. Sonst ist nicht nur für Tiger bald Land unter.Helmut Schümann

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.11.2009)
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Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »

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von Luc1973 Luc1973 ist gerade offline | 4.11.2009 9:11 Uhr
Nicht die Politiker haben Schuld
Dass die Politiker bisher nicht auf Greenpeace gehört haben, liegt nicht allein an den Politikern. Würden sie nämlich auf Greenpeace hören, dann würde kein Mensch sie mehr wählen. Weil die Menschen einfach von Natur aus egoistisch und selbstsüchtig sind. Beispiel Obama: Er setzt sich ein für Krankenversicherung und Klimaschutzabkommen und wird dafür als Kommunist verschrien, weil er die Freiheiten der Menschen beschränken wolle. Möglicherweise ist es für alle Beteiligten besser, dass die ganze Welt untergeht mit all ihren profitgierigen Menschen. Sie zur Vernunft zu bringen hat ja bis jetzt wenig gebracht.
Comment
von nyarlat nyarlat ist gerade offline | 5.11.2009 20:12 Uhr
Vielleicht liegt es auch an der Glossenartigen Schreibe
der Journalisten das kaum einer das Thema richtig ernst nimmt.

Der erste launige Teil zu den bedrohten Tigern steht im krassen Kontrast zu dem was danach folgt.

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