[Kommentare: 2]

Thetanische Verse

Von Harald Martenstein
Anzeige
Bild vergrößern
In Deutschland herrscht Religionsfreiheit. Mit anderen Worten, jeder darf jeden Quatsch glauben. Wer glaubt, dass er von einem Känguru abstammt oder von Außerirdischen, darf dies gern tun. Die Religionsfreiheit gilt auch für die auf 6000 deutsche und maximal 100 000 amerikanische Personen geschätzten Scientologen. Sie glauben, dass sie von Außerirdischen abstammen, den Thetanen. Die Thetanennachfahren sind traumatisiert, weil ihre Ahnen von einem bösen Mann auf die Erde gebracht wurden, um sie in Vulkane zu werfen. Gegen Bezahlung heilt Scientology das Vulkantrauma. Wer dieser kleinen, durchgeknallten Gruppe die Gefahr einer Weltverschwörung zuschreibt, wie einst die Nazis den Juden, der sollte sich lieber Sorgen um den eigenen Geisteszustand machen.

Die Scientologen betreiben angeblich Gehirnwäsche. Tut das nicht jede Religion, zumindest in den Augen derjenigen, die zufällig nicht an sie glauben? Wenn man der Ansicht ist, Wein in Blut verwandeln zu können, wie die Katholiken, klingt das auch nicht gerade vernünftig, und wenn junge Männer sackartige Gewänder anziehen, ihre Familien verlassen, den Job kündigen und ein Schweigegelübde ablegen, wie gewisse Mönche, dann verhalten sie sich mindestens ebenso irrational wie ein Scientologe. Der Islam unterdrückt die Frauen, er ist trotzdem nicht verboten. Im Gegensatz zum Islam haben es die Scientologen sogar zu einer Art Reformation gebracht, es gibt die „Freie Zone“, die sich vom Ur-Scientologentum abgespalten hat und irgendwie anders tickt. Abtrünnige werden übrigens von fast allen Religionen mit besonderer Wut bedacht und psychologisch unter Druck gesetzt, auch da sind die Scientologen keine grundsätzliche Ausnahme, auch wenn sie heftiger Druck ausüben als andere.

Woher stammt die spezifisch deutsche Scientology-Paranoia? Da kommt einiges zusammen. Scientology ist amerikanisch, ist kapitalistisch, reich und geldgierig, ist eine kleine, aber selbstbewusste Minderheit, wird von den mächtigen Marktführern auf dem Religionsmarkt als Konkurrenz empfunden. Ich verteidige den Scientologywahnsinn nicht. Ich sage nur: Regt euch ab. Gibt es eine vernünftige, demokratische Religion? Nein. Deswegen müssen Religion und Staat getrennt sein, den Staat will man demokratisch und halbwegs vernünftig. Solange der Wahnsinn nicht an der Macht ist, hält die Welt allerdings ziemlich viel Wahnsinn aus.

Wer sich den Scientologen anschließt, ist selber schuld, auch dies kann der Staat nicht regeln. Und Tom Cruise ist immerhin ein recht guter Schauspieler.
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Libyen:

Allein gegen Gaddafi
Der Diktator will zwei Schweizer Geiseln in Libyen den Prozess machen.

Europas neue Spitze:

Gesichter eines Kontinents

Untersuchungsausschuss:

Spreedreieck-Affäre: Strieder rechnet mit Nachfolgern ab
Ex-Bausenator Strieder will beim Spreedreieck frühzeitig gewarnt haben. Nachbarn des Areals klagen erneut.

Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von maxim maxim ist gerade offline | 13.7.2007 10:16 Uhr
unsinniges Zeug
Martenstein schreibt dummes Zeug.

Wenn man wie er Scientology auf der gleichen Ebene sieht wie die Weltreligionen, ist das ungefähr so, als wenn ein Philosoph ernsthaft Platon auf die Ebene einer billig-Fernsehserie (über Außerirdische o.ä.) diskutieren würde. Er macht den selben Fehler wie viele Esoteriker, die auch glauben, alles gleichsetzen können. Kurz: Martenstein ist hier absolut inkompetent - er hat wenig Niveau.

Scientology ist wirklich gefährlich. Abgesehen von psychischer Ausbeutung (es geht S. tatsächlich nur um Kommerz) ist S. aber vor allem: penetrant. Wie alle Missionare, ganz gleich ob Christlich, atheistisch oder islamistisch.

Über mich ist neulich eine Schar ca. 19-jähriger Mädchen mit Fragebogen (von Scientology) hergefallen. Die haben eine Penetranz an sich - nicht zu fassen. Nur wenige "militante Atheisten" sind nerviger, sorry-.


Comment
von drmabuse drmabuse ist gerade offline | 15.7.2007 19:59 Uhr
Titelseite zweitklassig
In Deutschland herrscht Pressefreiheit. Mit anderen Worten, jeder darf jeden Quatsch schreiben. Die einen in der Bildzeitung, die anderen im Tagesspiegel. Warum rege ich mich auf? Weil ich letzteren abonniert habe. Gehirnwäsche und Meinungsverschiedenheit unterscheiden sich qualitativ und nicht, wie uns der Autor beruhigen möchte, nur quantitativ. Sie unterscheiden sich wie die Sekte von der Kirche oder der Totalitarismus von der Demokratie. Mag sein, dass die ersten Gehirnwäscher unter Stalin von der Inquisition gelernt haben, aber zu suggerieren, die Kirchen befänden sich im Mittelalter, ist reine Polemik. Mir scheint eher, dass Fundamentalismus und Einfältigkeit nicht mehr Privilegien religöser Gruppierungen sind, sondern auch "Zufällig-nicht-glaubende" erfasst haben.

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 10 x 2 = 


Rubriken
Anzeige
Weitere Themen

Bafögsätze sollen steigen Lesezeichen hinzufügen

Die Bundesregierung will zum 1. Oktober 2010 das BAföG erhöhen. mehr...

Entsorgungsfragen Lesezeichen hinzufügen

Von Reimar Paul, Göttingen
Umweltschützer befürchten, das Bundesamt für Strahlenschutz könnte seinen ... mehr...

Von Nord-Wasiristan bis Berlin Lesezeichen hinzufügen

Von Frank Jansen, Erfurt
Geheimdienste fürchten Anschläge im Zusammenhang mit der ... mehr...

Mehr Bafög – und 300 Euro für die Besten Lesezeichen hinzufügen

Die Bundesregierung will das Bafög erhöhen und besonders leistungsstarke ... mehr...

Mohammed al Baradei: Der Aufseher Lesezeichen hinzufügen

Von Andrea Nüsse
IAEA-Chef Mohammend al Baradei steht vor dem Ende seiner Amtszeit - klare Worte ... mehr...
Fotostrecken

Die Feier im neuen Haus (36 Bilder)

Gedenken an Robert Enke (7 Bilder)

Die neue Zentralbibliothek der HU (11 Bilder)

WM 2010 - Die Teilnehmer (33 Bilder)

15 Jahre Cookies-Club (7 Bilder)

Gasometer in Polaroid (30 Bilder)