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Finanzkrise

Sozialismus für die Reichen

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Fünfhundert Milliarden Dollar? Oder eine Billion? Oder wahrscheinlich sogar 1500 Milliarden? Seit anderthalb Jahren eskaliert die Krise an den Kapitalmärkten und mit ihr die Schätzungen über den angerichteten Schaden. Allein für den Finanzsektor kalkulieren unabhängige Ökonomen mittlerweile Verluste, die einem Zehntel der amerikanischen Wirtschaftsleistung eines Jahres entsprechen. Dabei sind die volkswirtschaftlichen Schäden, die sich aus den Verlusten für die Sparer an den Börsen und für die Unternehmen aus höheren Zinsen ergeben, noch gar nicht mitgerechnet. So wächst jeden Tag das Risiko, dass die Finanzindustrie die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession treibt, die Millionen mit dem Verlust ihrer Jobs werden bezahlen müssen.

Doch so ungeheuerlich der Schaden ist, so bizarr ist die Reaktion der Politik. Um das Schlimmste abzuwenden, sahen sich die Notenbanker und Finanzminister auf beiden Seiten des Atlantiks gezwungen, einen großen Teil der Risiken auf den Staat zu übertragen. Sie tauschten unverkäufliche, also praktisch wertlose Papiere in solide Staatsanleihen um, gaben wie im Fall der deutschen IKB milliardenschwere Risikogarantien oder verstaatlichten kurzerhand die insolventen Banken, so geschehen bei den US-Hypothekenriesen „Fanny“ und „Freddie“. Das war wirtschaftspolitisch durchaus vernünftig. Der Konkurs einer großen Bank kann so viel Vertrauen bei Sparern und Anlegern kosten, dass daraus ein globaler Bankenkrach und noch viel größerer Schaden erwachsen würde.

Wenn die Steuerzahler aber schon für das Versagen anderer bluten müssen, dann sollten sie von ihren Regierungen mindestens erwarten können, dass diese radikal gegen die Missstände vorgehen, die überhaupt erst in die Krise geführt haben. Genau das bleiben die amtlichen Lenker der Hochfinanz in Zentralbanken und Ministerien aber bisher schuldig und betreiben de facto eine Art Sozialismus für Reiche, der mit Steuergeld Aktionäre und Manager begünstigt. Der Grund dafür ist simpel: Sie tragen erhebliche Mitschuld. Indem sie dem Schlachtruf der Banker von der Deregulierung immer weiter nachgaben, haben sie offenen Auges zugelassen, dass die Akteure an den Finanzmärkten die in 300 Jahren Finanzmarktgeschichte mühsam erkämpften Grundregeln der Bankenaufsicht aushebelten. Über Briefkastenfirmen in Steueroasen und andere Konstruktionen konnten Banken außerhalb ihrer Bilanzen auf Pump gigantische Risiken eingehen, ohne dafür, wie im normalen Bankgeschäft zwingend vorgeschrieben, eigenes Kapital vorhalten zu müssen. Die sozialdemokratischen Pfleger des deutschen Bankgewerbes im Finanzministerium befreiten das Geschäft sogar eigens von der Gewerbesteuer, um es zu fördern.

Spätestens mit dem Zusammenbruch dieses Schattenbank-Systems und den massiven staatlichen Interventionen hat sich nun aber die Ideologie von der Selbstregulierung der Märkte ad absurdum geführt. So schlimm die Folgen sind, politisch eröffnet die Krise die Chance, endlich gegen die privat organisierte Anarchie der Finanzindustrie mit ihren steuer- und regelfreien Zonen von den Kaiman-Inseln bis nach Hongkong vorzugehen. Wenn Notenbanker und Finanzminister das weiterhin verweigern, dann sollten eben die Parlamente die nötigen Reformen vorantreiben. Eine bessere Gelegenheit, die Finanzbranche vor ihrer eigenen Zerstörungskraft zu schützen und auf ihre Kernaufgaben zurückzuführen, wird sich so bald nicht mehr ergeben.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.09.2008)
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Kommentare [ 53 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von unbekannt | 15.9.2008 23:07 Uhr
Endlich mal ein Kommentar .............
............. in die richtige Richtung. Es geht hier um das Geld der Reichen. Es geht darum, dass uns immer vorgelogen worden war, freie Marktwirtschaft sei gut, gelenkte Staatswirtschaft sei schlecht. Endlich hier der Ruf nach staatlicher Lenkung.

DEN REICHEN REICHT DAS GELD HINTEN UND VORNE NICHT. BESONDERS HINTEN.

[@ Udo Lindenberg > Sollte Dir dieser Satz gefallen haben, dann können wir ja mal zusammen auf der Bühne auftreten. Und Leute auf die Palme bringen. Randale machen. Und so.]

Grüezi!
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von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 15.9.2008 23:08 Uhr
Tempolimits und Unfallflucht
Jetzt fehlt ein einfaches Achsenkreuz zur Erklärung, warum alle Wirtschaftsweisheit von VWL/BWL Professoren zur Verbrennung von Geld geführt hat. Wir nennen das Crash. Im Klartext : Überhöhte Geschwingdigkeit, Trunkenheit am Steuer, Kolbenfresser durch überheizen, Aufprall auf Kinder, die die Straße überquerten und die Neoliberalen werden uns wieder erklären, dass Ampeln, Verkehrsschilder, Tempolimit, Trinkverbot Übel des Staates sind. Wir waren schnell, leider zu schnell, aber der Bürger wird die Leichen und Wrackteile schon aufsammeln, während der Fahrer, der früher immer Erster war den Unfallort schnell verläßt. So sieht Unfallflucht aus.
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von hansenberg hansenberg ist gerade offline | 16.9.2008 6:42 Uhr
Der Bürger
als Leitartikler. Guter Rat ist umso billiger, je größer die Verluste der Banken. "Die Parlamente sollten".. - ja was noch? Wenn es der Westen nicht einmal in Afghanistan schafft, Dorfbewohner eines der ärmsten Länder der Erde zu entwaffnen, um den Drogenexport nach Europa zu stoppen, wollen Sie gleich die Parlamente (Plural) gegen ein Bankensystem antreten lassen, gegen deren Bilanzen manche Staatshaushalte nur Peanuts sind?
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von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 16.9.2008 8:00 Uhr
Toll
vorher die dicken Gewinne einstreichen und die Weltwitschaft ins Wanken bringen, und dann auf Kosten der Menschen, die es wahrscheinlich am meisten trifft, sanieren.Was mich noh mehr verwundert. Wenn man gestern abend z.B. in der Tagesschau Stellungnahmen hört, das mit den Zusamenbrüchen gerechnet wurde, man, bzw.die amerikanische Notenbank mit ihrer Super Kassandra,nichts rechtzeitig unternommen hat. Also offenbar auch nur Unfähigkeit.Oder??????
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von mino43 mino43 ist gerade offline | 16.9.2008 8:56 Uhr
Amerikas Schulden
all das wird doch den Dollar so richtig schön runterrasseln lassen. Wieder einmal eine ideale Gelegenheit, günstigst die Dollar-Staats- und Auslandsschulden zu begleichen.
Man könnte da fast den Verdacht hegen.....
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von dali dali ist gerade online | 16.9.2008 16:37 Uhr
Das stimmt SO nicht @mino,
denn die Schuldverschreibungen liegen z.Zt. (noch) in ruhigen Händen die werden tunlichst nicht zucken, denn damit würden sie ja das eigene Säckel gefährden.
Auch ist Tatsache, dass der Dollar steigt und das Öl fällt,
was nichts weiter bedeutet, dass diejenigen, die ihre "Positionen" auf Kredit finanziert hatten, nun nachschießen müssen und/oder die Kreditlinien abbauen. Deshalb brauch die jetzt Cash bis Abwinken.
Auf dieses Schlachtefest freue ich mich allerdings schon seit einem halben Jahr und wurde langsam ungeduldig...
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von dali dali ist gerade online | 16.9.2008 16:39 Uhr
Das stimmt SO nicht @mino,
denn die Schuldverschreibungen liegen z.Zt. (noch) in ruhigen Händen die werden tunlichst nicht zucken, denn damit würden sie ja das eigene Säckel gefährden.
Auch ist Tatsache, dass der Dollar steigt und das Öl fällt,
was nichts weiter bedeutet, dass diejenigen, die ihre "Positionen" auf Kredit finanziert hatten, nun nachschießen müssen und/oder die Kreditlinien abbauen. Deshalb brauch die jetzt Cash bis Abwinken.
Auf dieses Schlachtefest freue ich mich allerdings schon seit einem halben Jahr und wurde langsam ungeduldig...
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von mino43 mino43 ist gerade offline | 21.9.2008 9:39 Uhr
Das stimmt so nicht?
ich hab's vielleicht hier ein bisschen simpel formuliert, aber was ich meine wurde heute hier behandelt: http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Finanzkrise%3bart141,2619104
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von mannemoe mannemoe ist gerade offline | 16.9.2008 9:05 Uhr
Vergangenheit...
...war es in der Vergangenheit schon mal anders? Unternehmensgewinne für die Reichen, die Arbeit und die Verluste für die da unten...für die, die die Gewinne eigentlich erwirtschaften..das gilt doch nicht nur für die Banken.
DAS sind die "berühmten" Rahmenbedingungen, die die Politik liefert....
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von friedrich.lautemann friedrich.lautemann ist gerade offline | 16.9.2008 9:49 Uhr
Größenwahn
Wie viele Billionen Papierdollar die Welt spekulativ heimsuchen, vermag ich nicht zu schätzen. Die Summe übersteigt jedenfalls das menschliche Vorstellungsvermögen. Das Verhalten der Politik gegenüber den "Investments" der Banken tut es ebenfalls. Warum tauschten die betroffenen Staaten wertlose Papiere in solide Staatsanleihen um, und gaben wie im Fall der deutschen IKB milliardenschwere Risikogarantien? Originalton Peer Steinbrück (SPD): "Aus Imgagegründen für den Finanzplatz Deutschland!" Es ist wahnvolles Denken, das die menschliche Gier nach spekulativem Reichtum ins Unvorstellbare anwachsen lässt. Diese Spekulationsgeschäfte, für die Täter ohne erkennbares persönliches Risiko, haben sozialdemokratische Hüter des deutschen Bankgewerbes im Finanzministerium sogar eigens von der Gewerbesteuer befreit, um es zu fördern. Die Anarchie der Finanzindustrie mit ihren steuer- und regelfreien Zonen wird die Politik nicht beseitigen. Geld regiert die Welt, auch wenn es gepumpt ist.
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von michaelm michaelm ist gerade offline | 16.9.2008 9:54 Uhr
Und die Folgen?
Man sollte an diesen Artikel erinnern, wenn es in absehbarer Zeit wieder einmal heißt:
- Pendlerpaúschale ist nicht finanzierbar
- Gehälter im öffentlichen Dienst nicht bezahlbar
- Kein Geld für Renovierung der Schulen
- Rentenerhöhung nicht möglich
- Harz IV Regelsätze müssen niedrig bleiben
- Rente mit 67 ist notwendig
- etc., etc.

Praktisch alle sozialen Forderungen sind finanzierbar, wenn der Unsinn aufhört, daß private Finanzinstitutionen märchenhafte Gewinne erwirtschaften und der
Staat im Krisenfall für ebenso märchenhafte Verluste aufkommen muß.
Das Geld ist vorhanden, es muß nur anders verteilt werden!
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von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 10:03 Uhr
Mecker- und Neid-Republik
Also irgendwie kann ich diese widersprüche langsam nicht mehr höhren. Vergeben die Banken nur zögerlich Kredite, weil ihnen das Risiko zu groß ist, wird gemeckert, sie würden das Wirtschaftswachstum bremsen. Vergeben sie Kredite, mit dem Risiko die Gelder nicht wieder zurück zu bekommen sind zuerst alle Glücklich und zufrieden, bis die blase halt mal platzt.
Ihr solltet nicht vergessen, dass diese Kriese entstanden ist, weil Leute ihre Kredite nicht mehr abbezahlen konnten. Also haben sich Leute überschuldet und die Banken haben die leichten Kredite angeboten wonach immer geschrien wird.
Und an der Börse wird nunmal spekuliert. Auch wenn ein Papier als sicher angegeben wird, sollte mir klar sein, dass es nie die 100%ige Sicherheit gibt. Wir profitieren doch alle schon seit Jahrzehnten von der Spekulation und vom Zins, dann sollten wird nicht heulen, wenn mal was nicht klappt.
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von timchen timchen ist gerade offline | 16.9.2008 10:35 Uhr
@nielas
nein, diese Krise ist nicht entstanden, weil die (kleinen) Leute ihre Kredite nicht mehr abbezahlen konnten; sondern weil skrupellose Zocker ihnen Kredite gaben, wissend, sie können sie nicht zurückzahlen (und dabei ihre Gebühren und Provisionen einstrichen!) und nun der Steuerzahler (also wir alle) deren Kredite zurückzahlen.
Hat nicht geklappt? Aus Sicht der Zocker schon...
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von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 10:40 Uhr
Wie gesagt...
... es wird doch immer nach billigen Krediten ohne Bonitätsprüfung geschrien. Und wie ich bereits auch sagte, wenn die Banken keine Kredite geben, meckern ja auch alle rum.
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von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 10:43 Uhr
Und wieder...
... ist es natürlich der skurpellose Geldhai, der daran Schuld ist. Nicht etwa derjenige, der sich Geld leiht ohne es zurück zahlen zu können. Das ist natürlich sehr bequem!

Also halten wir fest.
Geben die Banken keine Kredite -> Böse
Geben die Banken Kredite und alle Machen gewinn -> Banken Böse, anleger Schalu
Geben die Banken Kredite und die Leute können sie nicht zurück zahlen: -> Banken extrem Böse.
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von dali dali ist gerade online | 16.9.2008 16:48 Uhr
Nein @nielas, darum geht es nicht,
hätten die Kredit gebenden Institute ihre Kredite besser unterlegen müssen, wäre das Ganze SO nicht entstanden.
Darüber hinaus ist aber das Problem, dass die ihre Kreditrisiken in Wundertüten verscherblen durften und die Ratinginstitute, also die die Qualität eines Assets zu beurteilen haben, versagt haben.
Weiterhin aber viele insbesondere Derivate-Engagements auf Kredit finanziert waren bzw. sind, wodurch jetzt einerseits Cash gebraucht wird, andererseits die Kredite teurer
Die Derivate sind das "Teufelszeug" nicht die "realen" Börsenpapiere.
Wenn wir Katastrophen wie die aktuelle zukünftig vermeiden wollen, muss der Derivatemarkt, wie jetzt auch viele US-Banker fordern, stark reguliert werden...
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von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 10:05 Uhr
Und wenn ihr nicht mehr...
... wollt, das es mächtige Banken gibt, dann hebt euer Geld von den Banken ab. Aber auf den Zins wollt ihr ja sicherlich alle nicht verzeichten.
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von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 10:11 Uhr
Interessante Phänomen an der bei Kleinanlegern
Nehmen wir an, ein Kleinanleger kauft sich ein par Wertpapiere und er macht einen sehr guten Gewinn. In diesem Fall klopft er sich selbst auf die Schultern und sagt zu sich was für und schlaues Kerlchen er doch ist.
Legt der Kleinanleger Geld in Wertpapiere an und die Kurse fallen und er macht einen großen Verlust, sind immer die Bösen Banken und Großanleger Schuld.
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von unbekannt | 16.9.2008 10:20 Uhr
Nielas Aran bringt es .............
............. auf den Punkt. Im Radio war mal ein Interview mit einem Mann, der war äußerst gebildet. Der sagte: Geld anlegen kann nicht glücklich machen. Das sehe ich genauso. Wenn man Geld hat muss man es investieren. Ob privat oder in ein Geschäft ist egal. Einfach nur das Geld auf die Bank legen macht nicht glücklich.
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von unbekannt | 16.9.2008 10:23 Uhr
@ nilas.aran
Und wenn der Bürger Bundeschatzbriefe kauf, die die sicherste Geldanlage überhaupt darstellen, denn der Staat geht nie pleite, dann wird das als Staatsverschuldung gebrandmarkt.
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von stachel stachel ist gerade offline | 16.9.2008 10:47 Uhr
Ist schon merkwürdig...
...wie Kommentatoren ihre Meinung innerhalb von 3 Stunden ändern können @joachim, oder haben diese Leute gar keine eigene Meinung? Ich halte nichts von John McCaine, aber er hat richtigerweise kritisiert, dass es offenbar Menschen gibt, die die Wall Street mit einem Spielcasino verwechselt haben.
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von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 10:55 Uhr
Kein Casino?
Was ist es denn bitte sonst? Ich weiß von niemanden, der in Aktien auf Grund der Devidenden investiert. Aktien werden gekauft, weil man sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder teuerer Verkaufen will. Also spekuliert man. Da eine Kurssteigerung niemals garantiert ist, muss ich damit Rechnen, dass das Geld weg ist. Also gehört Glück mit dazu.
Ähnlich sieht es bei Festverzinslichen Wertpapieren aus. Der Schuldner kann auch immer mal pleite gehen, somit sind einnahmen und das Geld weg. Aber auch hier gehe ich ja ein Risiko ein, in der Hoffnung möglichst viel Profit zu machen.
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von dali dali ist gerade online | 16.9.2008 17:02 Uhr
Nee, @nielas, so wird das nix,
wenn ich mich LANGFRISTIG an der Börse engagiere möchte ich an den Erträgen der Steigerungen der Produktivität von Unternehmen beteiligen und erfülle gleichzeitig noch den Zweck, die Unternehmen mit Kapital zu versorgen.
Ein solches Verhalten ist nicht nur ehrbar, sondern auch ökonomisch sinnvoll.
Wenn ich aber, wie die Heuschrecken, Unternehmen systematisch ausschlachte, erfüllt das keine volkswirtschaftlichen Zweck mehr.
Noch wilder wird es, wie etwa bei Rohstoffboom, wenn da wichtige z.B. Rohstoffe möglichst noch auf Kredit "gehegded" werden und dann, durch andere Heuschrecken verursacht, das Bankensystem zusammen kracht.
Das sind dann nun wirklich Zocker und sollten,
womit wir dann schon bei einer Lösung des Problems wäre:
Gewinne aus Derivaten sollte wie Gewinne aus Casiniobetrieben versteuert werden
und die Finanzierbarkeit von Börsenengagements auf Kredit MUSS stark reglementiert werden.
Mal sehen, ob die Politik so viel Mut hat...
Comment
von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 16.9.2008 11:21 Uhr
stachel
die Kritik des Herrn C. ist sicherlich berechtigt, aber war er nicht jahrzehntelang auch Teil dieses Systems?Ob er das schon vorher kritisiert hat?Oder erst jetzt wo der Karren im Dreck ist um Wähler zu fischen?Glaub eher das es daran liegt.
Comment
von peson peson ist gerade offline | 17.9.2008 0:51 Uhr
@stachel
du hast es immer noch nicht kapiert.
Die Wallstreet I S T ein Speilkasino.

All diese Zusammenbrüche basieren letztendlich auf neuartige "Finanzprodukte" die durch Wetten abgesichert wurden, weil den Banken und sonstigen Mitspielern (Risikoabsicherer (AIG), Hedgefonds zB.)das Eigenkapital fehlte.
Diese Kapitalverdünnung (bis zu einem zwanzigstel) führte auch zu diesen Wahnsinns-Gewinnen.
Allein die Boni für MerrillLynch-Mitarbeiter NY (20000Leute) betrugen 2007 25 Millarden $ also 1,25 Millionen pro Mitarbeiter.
Das ist auch der Grund warum Basel II in der USA (wo man es zuerst forderte) nie umgesetzt wurde.
Die Mitspieler haben es alle gewust, wenn es ernst wird können und müssen sie nicht die Zeche bezahlen.
Übrigens ist auch aus diesen Gründen McCain für mich eine KnallCharge ersten Ranges.

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von nobody nobody ist gerade offline | 16.9.2008 10:53 Uhr
Alles, aber auch alles
wird hier in Deutschland privatisiert was eigentlich ver-staatlicht gehört. Nur bei den Banken, die werden wieder staatlich gemacht, wenn es ihnen dreckig geht, weil sie Mist gebaut haben und der kleine Steuerzahler muss dafür bluten.
Comment
von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 10:58 Uhr
Und bleiben die Unternehmenen...
... staatlich stöhnen alle wie hoch die Steuern und die Staatsverschuldung ist um das alles zu finanzieren.
Comment
von hannibal hannibal ist gerade offline | 16.9.2008 11:33 Uhr
@nobody - Glauben Sie denn, wenn Beamte diesen Job in der Bank übernehmen,
dann wird's besser?

Da würde mich jetzt Ihre Begründung interessieren!

PS: Es gab übrigens auch mal eine Gewerkschaftsbank. Was ist aus der eigentlich geworden?
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von timchen timchen ist gerade offline | 16.9.2008 11:36 Uhr
@nielas
also nochmal: gewisse Leute mit zuviel Geld wussten nicht wohin damit, versprachen ahnungslosen Kleinverdienern das blaue vom Himmel (stetig steigende Immobilienpreise usw), OBWOHL sie es besser wussten! Das ist, als ob ein Gebrauchtwagenhändler einen Unfallwagen als Neuwagen verkauft - WISSEND, dass es ein Unfallwagen ist, was der Käufer nicht ahnen kann (entsprechend sind beim Gebrauchtwagenkauf die Gesetze inzwischen geändert: der Verkäufer muss auf den Unfall hinweisen).
Analog machen Sie nun den Gebrauchtwagenkäufer verantwortlich, dass er betrogen(!) wurde.
Comment
von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 11:55 Uhr
Und wieder machst...
... Du einen entscheidenen Denkfehler.
Ein Auto kaufe ich um damit rumzufahren, Spaß zu haben oder sonst irgendwas. Ein Auto verursacht immer Kosten und ist in den seltensten Fällen eine Wertanlage die auf Grund des rumstehens in der Garage sein Wert steigert. Will ich mir ein Auto als Wertanalage kaufen, muss ich sehr genau Wissen was ich das tue und es ist wahrscheinlich, dass in 30 Jahren das Ding keiner haben will.
Wenn ich mir ein Haus kaufen, kaufe ich es weil ich darin wohnen will. Habe ich das Geld nicht muss ich es entweder sparen oder versuchen einen Kredit aufzunehmen. Nehme ich einen Kredit auf, verpflichte ich mich das Geld zurück zu zahlen. Kann ich das nicht ist das Haus halt Weg und ich zahle die differenz (dank Blödsinn wie Privatinsolvenz kann man heute leider fremdes Geld verjubeln ohne Konsequenzen fürchten zu müssen). Die Banken müssen das verliehenden Geld ja finanzieren, also Geben sie Wertpapiere aus. Der Anleger der das kauft, hat halt immer das...
Comment
von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 11:58 Uhr
Fortsetzung
... Risiko ein, dass die Bank mal nicht Zahlkungsfähig ist. Du hast also Kohle, legst sie an, damit Du einen Gewinn hast. Du spekulierst also darauf, dass in der Kette niemals einer Zahlungunfähig wird. Wird einer Zahlungsunfähig, hast Du dich halt verspekuliert und das Geld ist Weg. Das gehört nun mal zum Spiel. Genauso hättest Du dich gefreut, wenn die Sache gut geht und Du deine 8% Zinsen bekommen hättest. (Wie gesagt, dann würdest Du denken was Du nicht für ein schlaues Kerlchen wärst mit deiner genialen Anlage-Strategie).

Das Problem ist also nicht die Bank, sondern der, der unbedingt was auf Pump kaufen will und es dann nicht bezahlen kann und der, der Spekuliert und am Ende nicht wahrhaben will, dass man bei der Spekulation auch verlieren kann.
Comment
von timchen timchen ist gerade offline | 16.9.2008 12:24 Uhr
entscheidend ist:
das Geld der Anleger, wie Sie schreiben, ist eben NICHT weg! Sie bekommnen es vom Steuerzahler! Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Schöner (ungebändigter) Kapitalismus!

"Goldman Sachs verteilte 25 Milliarden Dollar Profit unter seinen 4000 Beschäftigten" = durchschnittlich 6.250.000$ Prämien! Für kaltschnäuzigen Betrug! (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578352,00.html)
Wie heißt es so schön: die Bank gewinnt immer!
Comment
von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 12:45 Uhr
Und das zeigt es mal wieder...
... geht die Spekulation gut, ist man zufrieden und klopft sich selbst auf die Schulter. Ist de Spekulation schief gegangen, waren Betrüger am Werk.
Comment
von timchen timchen ist gerade offline | 16.9.2008 13:42 Uhr
ist das...
...wirklich so schwer? Spekulation ist, wenn es ein Risiko gibt. wo ist aber das Risiko, wenn der (vermeintliche) Spekulant sein Geld, das er eigentlich verzockt hat, wiederbekommt - von der Masse der Unbeteilgten?! Und noch dazu seine Prämie behalten darf?
Comment
von hannibal hannibal ist gerade offline | 16.9.2008 13:32 Uhr
@timchen - "versprachen ahnungslosen Kleinverdienern [...]stetig steigende Immobilienpreise usw. ..."
Was wollen Sie? Eine staatliche Behörde, die die Vormundschaft für ahnungslose Kleinverdiener übernimmt? Wie soll das funktionieren? Ich kenne jemanden, der

.... - ohne sie sich anzusehen!!! - ....

eine Schrottimmobilie gekauft hat. Muss die Gesellschaft jetzt ein schlechtes Gewissen haben, dass seine Schulden nicht sozialisiert werden?

Festzuhalten ist, dass es durchaus auch Menschen gab, die von den Strukturen, die in der DDR geherrscht haben, profitierten. Dazu gehören mit Sicherheit alle, die möchten, dass man für sie sorgt und sie immer in die richtige Richtung schickt und stets vom Bahnhof abgeholt werden.

Alle anderen, die ein selbstbestimmtes (halbwegs) freies Leben führen möchten, das natürlich auch Risiken birgt, sind heute bestimmt besser bedient.

Ansonsten kann ich mich den Erkenntnissen von @nielas.aran anschließen. Wenns gut gegangen ist, kann man die eigene Cleverneess gar nicht ausgiebig genug feiern. Im anderen Fall hat der Staat versagt.
Comment
von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 12:06 Uhr
Ich frage mich sowieso...
... was der Titel soll? Hier wird ja kein Sozialismus für die Reichen betrieben. Die Banken werden ja gestützt, damit nicht die abertausenen Kleinanleder ihr Geld verdienen. Genau die abertausenden Kleinanleger, die vorher auf fette Profite gehofft haben und es nun nicht wahrhaben können, das Spekulation auch schief gehen kann.
Comment
von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 16.9.2008 12:27 Uhr
verlieren statt verdienen
hatte mich verschrieben
Comment
von joz joz ist gerade offline | 16.9.2008 12:12 Uhr
Zustimmung
Meine volle Zustimmung zu diesem Artikel/Kommentar. Nun müßte eigentlich auch der letzte Politiker begriffen haben, dass die Politik nun endlich aktiv werden muss, und zwar umfänglich und sofort. Dies setzt allerdings Sachverstand und Durchsetzungskraft von Politikern voraus, was man aber zumindest bei vielen dieser Leute bezweifeln muss, sonst wäre es nämlich zu diesen Disaster erst gar nicht gekommen. Es zeigt sich immer wieder, dass sich letztendlich nur solides/seriöses (beides Begriffe, die den heutigen Bankern und Managern weitgehend unbekannt sind) Wirtschaften auszahlt. Mal abgesehen von einigen hochrangien Bankern/Managern, die sich eine goldene Nase "verdient". Ich bin ja mal gespannt, wie sich die mächtigste Frau der Welt nun verhält.
Comment
von joz joz ist gerade offline | 16.9.2008 12:30 Uhr
@nielas und andere
Als ehemaliger Banker im Kreditgeschäft muss ich hier mal einiges sagen. Eine seriöser/solider Kreditbanker vergibt Kredite nur nach umfangreicher Bonitätsprüfung, wobei diese positiv ausfallen muss. Bei Langfristkrediten muss neben der positiven Bonität auch eine ausreichende Besicherung, in der Regel durch Grundpfandrechte, vorhanden sein. Zu beantworten ist letztendlich die Frage, ob der Kreditnehmer mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus seinen Einnahmen den Kredit dauerhaft bedienen kann. Die Sicherheit - das Grundstück/die Wohnung - dient eigentlich nur für den Notfall. Dies alles sind bankübliche Regeln, so daß Ausfälle - die immer mal vorkommen können - normalerweise für eine Bank locker verkraftbar sind. Da viele Banken aber diese Regeln ignoriert haben (Gier nach Rendite), ist die jetztige Lage entstanden. Fazit: Nur solides und seriöses Wirtschaften zahlt sich letztendlich aus; und hohe Rendite bedeutet immer hohes Risiko. Allerdings möchten wir ja alle kleine Zocker sein!
Comment
von dali dali ist gerade online | 16.9.2008 17:13 Uhr
Richtig @joz
trifft aber die Situation in den USA noch nicht,
da ging es ja weiter,
dadurch, dass die Immopreise sich expolsionsartig erhöhten, konnte auf die Immobilie auch noch die neue Wohnungseinrichtung und der neue SUFF als Drittfahrzeug gekauft werden und alles war ja so billig abzuzahlen.
Der Sturz der Immopreise aber hat die Kreditlinien verkürzt, somit diverse Kredite fällig.
So war denn nicht mal der Anstieg der Zinsen das Problem, das die Hauskäufer nicht stemmen konnten und können, sondern der "Wertverlust" der Immobilie...

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