Fünfhundert Milliarden Dollar? Oder eine Billion? Oder wahrscheinlich sogar 1500 Milliarden? Seit anderthalb Jahren eskaliert die Krise an den Kapitalmärkten und mit ihr die Schätzungen über den angerichteten Schaden. Allein für den Finanzsektor kalkulieren unabhängige Ökonomen mittlerweile Verluste, die einem Zehntel der amerikanischen Wirtschaftsleistung eines Jahres entsprechen. Dabei sind die volkswirtschaftlichen Schäden, die sich aus den Verlusten für die Sparer an den Börsen und für die Unternehmen aus höheren Zinsen ergeben, noch gar nicht mitgerechnet. So wächst jeden Tag das Risiko, dass die Finanzindustrie die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession treibt, die Millionen mit dem Verlust ihrer Jobs werden bezahlen müssen.
Doch so ungeheuerlich der Schaden ist, so bizarr ist die Reaktion der Politik. Um das Schlimmste abzuwenden, sahen sich die Notenbanker und Finanzminister auf beiden Seiten des Atlantiks gezwungen, einen großen Teil der Risiken auf den Staat zu übertragen. Sie tauschten unverkäufliche, also praktisch wertlose Papiere in solide Staatsanleihen um, gaben wie im Fall der deutschen IKB milliardenschwere Risikogarantien oder verstaatlichten kurzerhand die insolventen Banken, so geschehen bei den US-Hypothekenriesen „Fanny“ und „Freddie“. Das war wirtschaftspolitisch durchaus vernünftig. Der Konkurs einer großen Bank kann so viel Vertrauen bei Sparern und Anlegern kosten, dass daraus ein globaler Bankenkrach und noch viel größerer Schaden erwachsen würde.
Wenn die Steuerzahler aber schon für das Versagen anderer bluten müssen, dann sollten sie von ihren Regierungen mindestens erwarten können, dass diese radikal gegen die Missstände vorgehen, die überhaupt erst in die Krise geführt haben. Genau das bleiben die amtlichen Lenker der Hochfinanz in Zentralbanken und Ministerien aber bisher schuldig und betreiben de facto eine Art Sozialismus für Reiche, der mit Steuergeld Aktionäre und Manager begünstigt. Der Grund dafür ist simpel: Sie tragen erhebliche Mitschuld. Indem sie dem Schlachtruf der Banker von der Deregulierung immer weiter nachgaben, haben sie offenen Auges zugelassen, dass die Akteure an den Finanzmärkten die in 300 Jahren Finanzmarktgeschichte mühsam erkämpften Grundregeln der Bankenaufsicht aushebelten. Über Briefkastenfirmen in Steueroasen und andere Konstruktionen konnten Banken außerhalb ihrer Bilanzen auf Pump gigantische Risiken eingehen, ohne dafür, wie im normalen Bankgeschäft zwingend vorgeschrieben, eigenes Kapital vorhalten zu müssen. Die sozialdemokratischen Pfleger des deutschen Bankgewerbes im Finanzministerium befreiten das Geschäft sogar eigens von der Gewerbesteuer, um es zu fördern.
Spätestens mit dem Zusammenbruch dieses Schattenbank-Systems und den massiven staatlichen Interventionen hat sich nun aber die Ideologie von der Selbstregulierung der Märkte ad absurdum geführt. So schlimm die Folgen sind, politisch eröffnet die Krise die Chance, endlich gegen die privat organisierte Anarchie der Finanzindustrie mit ihren steuer- und regelfreien Zonen von den Kaiman-Inseln bis nach Hongkong vorzugehen. Wenn Notenbanker und Finanzminister das weiterhin verweigern, dann sollten eben die Parlamente die nötigen Reformen vorantreiben. Eine bessere Gelegenheit, die Finanzbranche vor ihrer eigenen Zerstörungskraft zu schützen und auf ihre Kernaufgaben zurückzuführen, wird sich so bald nicht mehr ergeben.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.09.2008)
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DEN REICHEN REICHT DAS GELD HINTEN UND VORNE NICHT. BESONDERS HINTEN.
[@ Udo Lindenberg > Sollte Dir dieser Satz gefallen haben, dann können wir ja mal zusammen auf der Bühne auftreten. Und Leute auf die Palme bringen. Randale machen. Und so.]
Grüezi!
Man könnte da fast den Verdacht hegen.....
Auch ist Tatsache, dass der Dollar steigt und das Öl fällt,
was nichts weiter bedeutet, dass diejenigen, die ihre "Positionen" auf Kredit finanziert hatten, nun nachschießen müssen und/oder die Kreditlinien abbauen. Deshalb brauch die jetzt Cash bis Abwinken.
Auf dieses Schlachtefest freue ich mich allerdings schon seit einem halben Jahr und wurde langsam ungeduldig...
Auch ist Tatsache, dass der Dollar steigt und das Öl fällt,
was nichts weiter bedeutet, dass diejenigen, die ihre "Positionen" auf Kredit finanziert hatten, nun nachschießen müssen und/oder die Kreditlinien abbauen. Deshalb brauch die jetzt Cash bis Abwinken.
Auf dieses Schlachtefest freue ich mich allerdings schon seit einem halben Jahr und wurde langsam ungeduldig...
DAS sind die "berühmten" Rahmenbedingungen, die die Politik liefert....
- Pendlerpaúschale ist nicht finanzierbar
- Gehälter im öffentlichen Dienst nicht bezahlbar
- Kein Geld für Renovierung der Schulen
- Rentenerhöhung nicht möglich
- Harz IV Regelsätze müssen niedrig bleiben
- Rente mit 67 ist notwendig
- etc., etc.
Praktisch alle sozialen Forderungen sind finanzierbar, wenn der Unsinn aufhört, daß private Finanzinstitutionen märchenhafte Gewinne erwirtschaften und der
Staat im Krisenfall für ebenso märchenhafte Verluste aufkommen muß.
Das Geld ist vorhanden, es muß nur anders verteilt werden!
Ihr solltet nicht vergessen, dass diese Kriese entstanden ist, weil Leute ihre Kredite nicht mehr abbezahlen konnten. Also haben sich Leute überschuldet und die Banken haben die leichten Kredite angeboten wonach immer geschrien wird.
Und an der Börse wird nunmal spekuliert. Auch wenn ein Papier als sicher angegeben wird, sollte mir klar sein, dass es nie die 100%ige Sicherheit gibt. Wir profitieren doch alle schon seit Jahrzehnten von der Spekulation und vom Zins, dann sollten wird nicht heulen, wenn mal was nicht klappt.
Hat nicht geklappt? Aus Sicht der Zocker schon...
Also halten wir fest.
Geben die Banken keine Kredite -> Böse
Geben die Banken Kredite und alle Machen gewinn -> Banken Böse, anleger Schalu
Geben die Banken Kredite und die Leute können sie nicht zurück zahlen: -> Banken extrem Böse.
Darüber hinaus ist aber das Problem, dass die ihre Kreditrisiken in Wundertüten verscherblen durften und die Ratinginstitute, also die die Qualität eines Assets zu beurteilen haben, versagt haben.
Weiterhin aber viele insbesondere Derivate-Engagements auf Kredit finanziert waren bzw. sind, wodurch jetzt einerseits Cash gebraucht wird, andererseits die Kredite teurer
Die Derivate sind das "Teufelszeug" nicht die "realen" Börsenpapiere.
Wenn wir Katastrophen wie die aktuelle zukünftig vermeiden wollen, muss der Derivatemarkt, wie jetzt auch viele US-Banker fordern, stark reguliert werden...
Legt der Kleinanleger Geld in Wertpapiere an und die Kurse fallen und er macht einen großen Verlust, sind immer die Bösen Banken und Großanleger Schuld.
Ähnlich sieht es bei Festverzinslichen Wertpapieren aus. Der Schuldner kann auch immer mal pleite gehen, somit sind einnahmen und das Geld weg. Aber auch hier gehe ich ja ein Risiko ein, in der Hoffnung möglichst viel Profit zu machen.
Ein solches Verhalten ist nicht nur ehrbar, sondern auch ökonomisch sinnvoll.
Wenn ich aber, wie die Heuschrecken, Unternehmen systematisch ausschlachte, erfüllt das keine volkswirtschaftlichen Zweck mehr.
Noch wilder wird es, wie etwa bei Rohstoffboom, wenn da wichtige z.B. Rohstoffe möglichst noch auf Kredit "gehegded" werden und dann, durch andere Heuschrecken verursacht, das Bankensystem zusammen kracht.
Das sind dann nun wirklich Zocker und sollten,
womit wir dann schon bei einer Lösung des Problems wäre:
Gewinne aus Derivaten sollte wie Gewinne aus Casiniobetrieben versteuert werden
und die Finanzierbarkeit von Börsenengagements auf Kredit MUSS stark reglementiert werden.
Mal sehen, ob die Politik so viel Mut hat...
Die Wallstreet I S T ein Speilkasino.
All diese Zusammenbrüche basieren letztendlich auf neuartige "Finanzprodukte" die durch Wetten abgesichert wurden, weil den Banken und sonstigen Mitspielern (Risikoabsicherer (AIG), Hedgefonds zB.)das Eigenkapital fehlte.
Diese Kapitalverdünnung (bis zu einem zwanzigstel) führte auch zu diesen Wahnsinns-Gewinnen.
Allein die Boni für MerrillLynch-Mitarbeiter NY (20000Leute) betrugen 2007 25 Millarden $ also 1,25 Millionen pro Mitarbeiter.
Das ist auch der Grund warum Basel II in der USA (wo man es zuerst forderte) nie umgesetzt wurde.
Die Mitspieler haben es alle gewust, wenn es ernst wird können und müssen sie nicht die Zeche bezahlen.
Übrigens ist auch aus diesen Gründen McCain für mich eine KnallCharge ersten Ranges.
Da würde mich jetzt Ihre Begründung interessieren!
PS: Es gab übrigens auch mal eine Gewerkschaftsbank. Was ist aus der eigentlich geworden?
Analog machen Sie nun den Gebrauchtwagenkäufer verantwortlich, dass er betrogen(!) wurde.
Ein Auto kaufe ich um damit rumzufahren, Spaß zu haben oder sonst irgendwas. Ein Auto verursacht immer Kosten und ist in den seltensten Fällen eine Wertanlage die auf Grund des rumstehens in der Garage sein Wert steigert. Will ich mir ein Auto als Wertanalage kaufen, muss ich sehr genau Wissen was ich das tue und es ist wahrscheinlich, dass in 30 Jahren das Ding keiner haben will.
Wenn ich mir ein Haus kaufen, kaufe ich es weil ich darin wohnen will. Habe ich das Geld nicht muss ich es entweder sparen oder versuchen einen Kredit aufzunehmen. Nehme ich einen Kredit auf, verpflichte ich mich das Geld zurück zu zahlen. Kann ich das nicht ist das Haus halt Weg und ich zahle die differenz (dank Blödsinn wie Privatinsolvenz kann man heute leider fremdes Geld verjubeln ohne Konsequenzen fürchten zu müssen). Die Banken müssen das verliehenden Geld ja finanzieren, also Geben sie Wertpapiere aus. Der Anleger der das kauft, hat halt immer das...
Das Problem ist also nicht die Bank, sondern der, der unbedingt was auf Pump kaufen will und es dann nicht bezahlen kann und der, der Spekuliert und am Ende nicht wahrhaben will, dass man bei der Spekulation auch verlieren kann.
"Goldman Sachs verteilte 25 Milliarden Dollar Profit unter seinen 4000 Beschäftigten" = durchschnittlich 6.250.000$ Prämien! Für kaltschnäuzigen Betrug! (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578352,00.html)
Wie heißt es so schön: die Bank gewinnt immer!
.... - ohne sie sich anzusehen!!! - ....
eine Schrottimmobilie gekauft hat. Muss die Gesellschaft jetzt ein schlechtes Gewissen haben, dass seine Schulden nicht sozialisiert werden?
Festzuhalten ist, dass es durchaus auch Menschen gab, die von den Strukturen, die in der DDR geherrscht haben, profitierten. Dazu gehören mit Sicherheit alle, die möchten, dass man für sie sorgt und sie immer in die richtige Richtung schickt und stets vom Bahnhof abgeholt werden.
Alle anderen, die ein selbstbestimmtes (halbwegs) freies Leben führen möchten, das natürlich auch Risiken birgt, sind heute bestimmt besser bedient.
Ansonsten kann ich mich den Erkenntnissen von @nielas.aran anschließen. Wenns gut gegangen ist, kann man die eigene Cleverneess gar nicht ausgiebig genug feiern. Im anderen Fall hat der Staat versagt.
da ging es ja weiter,
dadurch, dass die Immopreise sich expolsionsartig erhöhten, konnte auf die Immobilie auch noch die neue Wohnungseinrichtung und der neue SUFF als Drittfahrzeug gekauft werden und alles war ja so billig abzuzahlen.
Der Sturz der Immopreise aber hat die Kreditlinien verkürzt, somit diverse Kredite fällig.
So war denn nicht mal der Anstieg der Zinsen das Problem, das die Hauskäufer nicht stemmen konnten und können, sondern der "Wertverlust" der Immobilie...