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Gesundheit

Krebstherapie – bald nach Kassenlage?

Die neue Kosten-Nutzen-Bewertung könnte für Patienten schwerwiegende Folgen haben. Experten warnen bereits jetzt: Schwerkranken könnten ab 2009 nicht mehr alle Medikamente erstattet werden.
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Berlin - In der Diskussion um die steigenden Gesundheitskosten hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) davor gewarnt, die geplante Kosten-Nutzen-Bewertung von Therapien leichtfertig einzusetzen. „Das führt dazu, dass viel versprechende und wirksame Medikamente unter Umständen nicht mehr eingesetzt werden können, weil ihr verbesserter Nutzen im ungünstigen Verhältnis zum höheren Preis steht“, sagte Johannes Bruns, Generalsekretär der Fachärzte-Vereinigung.

Um die steigenden Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen, sollen mit der Gesundheitsreform zunehmend Kosten und Nutzen von Therapien bewertet werden: Ab 2009 sollen die gesetzlichen Kassen neue Medikamente schrittweise nur dann voll erstatten, wenn der höhere Preis auch durch einen höheren Nutzen begründet ist. Nach welcher Methode Kosten und Nutzen bewertet werden, wird derzeit erarbeitet.

Nach Ansicht der DKG könnte dieses Verfahren für die Krebsmedizin zu Problemen führen. Allein das objektive Qualitätsmerkmal – Verlängerung der Lebenszeit – heranzuziehen, sei zu kurz gedacht, sagte Bruns. „Krebsmedikamente haben mitunter starke Nebenwirkungen und rufen beispielsweise heftiges Erbrechen hervor. Für die Betroffenen ist es daher ebenso wichtig, wie sie mit der Therapie zurechtkommen.“ Solche Merkmale seien aber sehr individuell und in Studien, die den Nutzen von Wirkstoffen untersuchten, zu wenig berücksichtigt.

„Wir werden uns nicht davor drücken können, bestimmte Leistungen einzuschränken“, sagte Ullrich Graeven, ein Experte der DKG. Es müsse allerdings klar geregelt werden, welche Wirkstoffe zur Verfügung stehen und welche nicht.

Das Gesundheitsministerium versicherte, auch in Zukunft sollten alle Patienten, die es benötigen, Zugang zu innovativen Therapien haben – das gelte vor allem für Schwerkranke wie Krebspatienten. Dabei gehe es auch darum, die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. „Die Kosten-Nutzen-Bewertung soll gerade dafür sorgen, dass es Therapien zu fairen Preisen gibt“, sagte eine Sprecherin. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erwarte dabei auch die Unterstützung der Pharmaindustrie.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, angesichts der Mittelknappheit im Gesundheitswesen sei eine sachgerechte Kosten-Nutzen-Bewertung von Innovationen zweifellos notwendig und sinnvoll. „Die Kosten-Nutzen-Bewertung darf aber nicht als willfähriges Instrument einer bloßen Kostensenkung missbraucht werden. Der Begriff des Nutzens muss sich zuallererst an den individuellen Bedürfnissen der Patienten ausrichten“, sagte er. Ein Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen sagte, die gute Versorgung der Versicherten müsse das Maß bleiben. „Die offene Debatte und die deutlichen Worte der verschiedenen Beteiligten dürften sicherstellen, dass die Sorge vor einer ,übereilten Einschätzung‘ unbegründet ist“, sagte er. In Deutschland sterben jährlich mehr als 200 000 Menschen an den Folgen von Krebstumoren. Die Behandlungskosten werden auf rund 30 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 22.07.2008)
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Kommentare [ 5 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von schunke schunke ist gerade offline | 22.7.2008 9:07 Uhr
Sachlichkeit
Wer schreibt solche Titel? Eine sensible und fundierte Kosten-Nutzen-Analyse ist für das deutsche Gesundheitssystem mehr als überfällig und die hierfür notwendige und adäquate Methodologie hat sich über die vergangenen Jahrzehnte entwickelt. Die Wahl des Titels induziert aber unnötige und unbegründete Ängste und nutzt dabei die vorherrschende Unkenntnis in der Bevölkerung. Auch viele Verbände nutzen in Ihrer Argumentation – hier sicherlich wissentlich - naive Vorstellungen, aber es wäre doch zu wünschen, dass eine seriöse Zeitung hier mehr Sachlichkeit walten lässt!
Nur ein Punkt: Selbstverständlich werden Steigerungen der Lebensqualität durch verringerte Nebenwirkungen in die Bewertung eines Medikamentes mit einbezogen werden.
Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Verfahrens werden immer bestehen, aber ihnen stehen enorme Chancen für eine effiziente, evidenzbasierte Therapie gegenüber. Davon kann das gesamte Gesundheitssystem profitieren.
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von fredericussecondo fredericussecondo ist gerade offline | 22.7.2008 9:08 Uhr
Die Konvergenz der Systeme
Man mag es schon gar nicht mehr hören. Natürlich wird in Deutschland künftig verrecken, wem das Geld im Beutel fehlt.

Damals in der Ostzone, da verreckten die Unterprivilegierten, weil die damaligen Machtfunktionäre in Wandlitz gar keinen Anlaß sahen, das damalige ideologische Terrorregime zu modifizieren. Schließlich ging es ihnen doch gut und hätte doch nur ihr Gewaltmonopol gefährdet.

Heute, im sogen. wiedervereinigten Deutschland, werden die Unterprivilegierten verrecken, denen das heutige Machtmittel fehlt: Finanzkraft. Und mal ganz ehrlich. Wo bitte ist denn da noch ein wirklicher Unterschied zwischen den Staatsterroristen der DDR und den sich heute heraus kristallisierenden Staatsfeinden des bundesdeutschen Lobbyparlamentarismus?

Damals kein Parteifunitionär, heute ALG-II-Entsorgter. Wenn das keine Konvergenz der Systeme ist, dann weiß ich auch nicht weiter.
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von searitual searitual ist gerade offline | 22.7.2008 9:14 Uhr
Kein einziger
Vertreter der Pharmaindustrie, die Ulla Schmidt so treuherzig um Beistand bittet, wird auch nur annähernd daran interessiert sein, ein einigermaßen wirksames Medikament gegen Krebs auf den Markt zu bringen. Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, dass der Verkauf von Krebsmedikamenten oder Nahrungsergänzungspräparaten ein Milliardengeschäft für pharmazeutische Konzerne ist und der Gewinn dabei auch zu Genüge in deutsche Kassen fließt.
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von supergeo supergeo ist gerade offline | 22.7.2008 10:38 Uhr
Tatsachen
Tatsache ist der weitgehende Verlust der Finanzhoheit den die Krankenkassen mit Einführung des Gesundheitsfonds hinzunehmen haben. Ebenso ist unter den Bedingungen von Einheitsbetrag und evt. Zusatzbeiträgen von einer größeren Zurückhaltung der Kassen auszugehen wenn Möglichkeiten ausgelotet werden sollen sich an den Kosten einer noch nicht ausgereiften Therapie zu beteiligen da bei einem Patienten / Versicherten noch keine herkömmliche Therapie zum Erfolg geführt hat. Wie zügig ein Gremium zur Kosten-Nutzen-Bewertung reagieren kann wird man dann sehen.

Schade dass die Bemühungen der vielen Kassenmitarbeiter zur Hilfe in Einzelfällen nicht anerkannt werden. Schade auch, dass viele Selbsthilfe Vereine sich in erster Linie als Beschaffer von Freifahrtscheinen für die Pharmaindustrie begreifen.
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von appollin appollin ist gerade offline | 23.7.2008 11:42 Uhr
Wo kommt das Geld hin?
Deutschland gibt sehr viel Geld für Medizin aus doch in Krebstherapie sind wir nur im Mittelfeld.Amerikaner haben die beste und längste Überlebenchance. Warum? Wer kassiert hier ab?Darüber sollten wir un Gedanken machen. Nicht umsonst haben wir eins der komplzitesten Arzneigesetze der Welt. Wir Deutschen dürfen nicht mal Vitamine aus den USA legal bestellen( als einziges Land in Europa!!!Warum?
Noch ein Beispiel: Niacin (Vit B3 senkt z.B.ab 500 mg den Cholesterin)--kostet in USA 5 $ und hier 98 Euro.
Noch ein Beispiel Q10 100 mg ( Herzschutz)in den USA 7 $ und hier um die 80 Euro und viele viele andere Beispiel......
WARUM?

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