Zeitung Heute : „A Hund isser scho!“

Wiesnwirt, Fußballklub-Chef und Bauherr – was die Münchner von den Wildmosers halten

Frank Müller[München]

Wer in München Wiesnwirt ist, also ein Oktoberfestzelt betreibt, ist mindestens ein Halbgott. Wer in München einen Bundesliga-Fußballklub leitet, erst recht. Und wenn dieser Mann dann noch der Chef des vielleicht traditionsreichsten Wirtshauses der Stadt ist, des „Donisl“ am Marienplatz, und überdies einer der beiden Bauherrn für das spektakuläre neue Fußballstadion im Münchner Norden, dann ist der passende Superlativ nicht so einfach zu finden.

Am besten nennt man ihn also einfach „den Wildmoser“ und damit ist in München eigentlich alles gesagt. Wahrscheinlich gibt es in der an skurrilen Charakterköpfen nicht gerade armen Stadt keine zweite Figur, auf die der Münchner Ehrentitel „A Hund isser scho!“ derart perfekt passen würde wie auf Karl-Heinz Wildmoser. Ruppiges, mitunter rüpelhaftes Auftreten, unbedingter Macht- und Durchsetzungswille, patriarchalisches Gehabe und das Spiel mit sehr viel Geld: Wer sich so gibt wie Wildmoser, dazu über eine bullige Statur verfügt und über Gesichtszüge, die wie aus Stein gemeißelt wirken, der ist ein Fixpunkt in dieser Stadt. Einer der, wie es vielleicht nur in München möglich ist, gleichzeitig verehrt und gehasst wird, einer, den man achtet und verachtet zugleich. Einer auch, dem der Münchner jede Schweinerei sofort zutrauen würde und dann doch überrascht wäre, wenn es wirklich so kommt.

Es passt in dieses Wildmoser’sche Panoptikum, dass ihm ein besonderer Trend zum innerfamiliären Geschäft innewohnt. Immer häufiger tauchte in jüngster Zeit Karl-Heinz Wildmoser junior an der Seite seines Vaters auf, ob im Verein als Leiter der Profi-Abteilung, ob in der Großgastronomie der Wildmosers oder eben in der Stadionbaugesellschaft. Die gehört den beiden Münchner Fußballklubs TSV 1860 und FC Bayern je zur Hälfte, Geschäftsführer auf Löwenseite war bisher Wildmoser junior. Die Ermittlungen der Justiz konzentrieren sich daher auf ihn.

Es gibt also viel Gesprächsstoff, wenn sich an diesem Donnerstag die Münchner Politprominenz zum traditionellen Starkbieranstich trifft, um sich – dieses Jahr erstmals vom Kabarettisten Bruno Jonas – in der Bußpredigt die Leviten lesen zu lassen. In München machen nun viele Geschichten die Runde, in denen es um angeblich schlecht gelaufene Geschäfte der Wildmosers in Ostdeutschland geht. Die Frage, ob die Familie sich in existenzieller Not auf die Bestechungsgeschichte eingelassen haben könnte, stellte auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). So wäre zumindest der Versuch einer Erklärung dafür gemacht, warum eine Institution wie Wildmoser die Zerstörung seines Lebenswerks riskieren konnte.

Denn das von diesem wenig übrig bleiben wird, wenn die Affäre aufgeklärt ist, steht fest. Im TSV 1860 hat die Post-Wildmoser- Ära begonnen. Schon häufiger hatte der Clubchef mit einem Rückzug aus dem Präsidentenamt kokettiert, das er andererseits stets mit großem Pathos zu etikettieren wusste: „Wie eine Sucht, wie eine große Liebe.“ Nun ist es so weit, Wildmoser lässt das Amt ruhen. Und dass er in diesem Herbst noch Wirt auf der Wiesn sein wird, darauf würde in München derzeit niemand wetten.

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