Zeitung Heute : A-roma

Edler Vanille-Milchreis aus Brandenburg

Bernd Matthies

A-roma im Arosa-Resort, Parkallee 1, Bad Saarow-Strand, Tel. 033631/6-0, nur Abendessen; So/Mo geschlossen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Kein gutes Jahr für Brandenburg, kulinarisch gesehen. Lange gab es nicht mehr so wenig empfehlenswerte Restaurants, noch nie ist so deutlich geworden, wie der Sparzwang die Köche unter Druck setzt. Die aktuelle Rangliste in Brandenburg ist schnell aufgezählt: Vorn das „17fuffzig“ im Hotel zur Bleiche in Burg, dahinter das Potsdamer „Juliette“, die „Alte Schule“ in Reichenwalde und der „Goldene Hahn“ in Finsterwalde. „Pino“ und „Speckers Gasthaus“ in Potsdam und das „Lenné“ in Neuhardenberg folgen, das Seepark-Hotel in Wandlitz verliert demnächst seinen Küchenchef – und dann müssen wir schon, hohe Ansprüche vorausgesetzt, den Mantel des Schweigens über alle weiteren Bemühungen decken.

Dass ein interessanter Neuanfang nun gerade im seltsamen Hotelgebirge am Scharmützelsee gelingen würde, ist eine Überraschung. Denn das Haus, das von der Kempinski-Gruppe lustlos an die Wand gefahren und dann als „Palmerston“ und „Das Brandenburg“ gegen Null gewirtschaftet wurde, schien an einem Geburtsfehler zu leiden. Doch von dem ist jetzt kaum noch etwas zu sehen. Die Arkona-Gruppe, die bislang vor allem Schiffe in die Welt geschickt hat, nimmt das Haus in Bad Saarow als Ausgangspunkt für neue Hotels, die als „A-rosa-Resort“ firmieren, also als Landhotel mit großer Wellness-Abteilung. Was früher nur nach Hotelroutine roch, atmet plötzlich Stil und Entgegenkommen.

Auch das Edel-Restaurant im Hause ist eine Neuerung in einem etwas abseits gelegenen Raum, der dennoch eine eigene Terrasse und einen hübschen Blick auf den See bietet. Platz ist nur für etwa 30 Gäste, und die Küche geht mit enormem Ehrgeiz an die Sache heran. Rehmousse, Rehterrine mit Baumkuchen und eine mit etwas Schinken elegant akzentuierte Gänseleberterrine nur als kleiner Appetitanreger – das reiht die Küche zumindest vom Anspruch her in die erste Landesliga.

Wo sie bald auch hinfinden könnte. Alles wirkt noch ein wenig überehrgeizig, könnte durch Gelassenheit, ein paar Schnörkel weniger und etwas mehr Würzpräzision noch gewinnen, und auch die Garzeiten bei Fisch, Hummer und Hirschkalb schrammten die Untergrenze des Akzeptablen; empfindlichere Gäste als wir hätten vermutlich reklamiert. Doch es kommt ja auf das Gesamtbild an, und das zeigte sich sehr stimmig. Zum Hummer gab es Topinambur-Streifen und eine saftige, runde Karotten-IngwerSauce, die Taubenvariationen mit Carpaccio, zarter Keule und Brust auf Waldorf-Salat gelangen bis auf einen winzigen Hauch des doofenTrüffelöls ausgezeichnet, und auch die weiße Bohnensuppe mit Lammkasseler gefiel uns als Ausflug ins Bodenständige.

Der Wels mit Gurkengemüse und Pimentoschaum rutschte dann wegen mehrfacher Blässe aus der Wertung, zumal auch die dreifarbig getönten Gnocchi dazu allenfalls optisch Sinn ergaben. Das Hirschkalbsfilet mit Pilzcrèpes und Preiselbeeren war – von der knappen Garung abgesehen – ein überzeugender frühherbstlicher Hauptgang, und da stand der Höhepunkt sogar noch bevor: Die Desserts sind hier bereits jetzt brandenburgische Spitze. Flockige karamellisierte Chiboust-Creme von Passionsfrüchten mit Rahmeis oder der in drei Schüsseln mit getrockneten Aprikosen und herrlich altmodischem Zimtzucker gereichte Vanille-Milchreis, das muss man auch in Berlin lange suchen (drei Gänge 39, vier 49, fünf 59 Euro).

Die große Weinkarte ist sehr allerweltsmäßig sortiert und lässt in ihrem Bemühen, es allen recht zu machen, keine richtige Handschrift erkennen – noch nicht, wie sich vermuten lässt. Wir waren mit dem feinen Riesling „Alte Reben“ von Schloss Gobelsburg (Kamptal) für akzeptable 40 Euro indessen gut bedient, und der sogar offen angebotene rote „Blackprint“ von Markus Schneider (Pfalz) ergänzte den Hirschen perfekt.

Es lohnt sich also, hinzufahren. Aber Achtung: Wer glaubt, er könne schwipshalber einfach im Haus übernachten, hat eventuell Pech: Unter drei Tagen Aufenthalt ist dort nichts zu machen. Aber zumindest fürs Wochenende will man sich ein wenig kulanter zeigen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben