Zeitung Heute : Ab geht die Elektropost

HANS-PETER STRICKER

Schneller, billiger und besser: digitale Briefe haben viele Vorteile VON HANS-PETER STRICKERAn welchem Tag gegen Ende der 60er Jahre es war, daß die erste E-Mail ihren Weg über die noch spärlich genutzten Leitungen des Internet-Urahnen Arpanet nahm, weiß keiner mehr.Heute ist die Elektropost auf jeden Fall für weit mehr als die Hälfte aller vernetzten Computerbenutzer der wichtigste Internet-Dienst, schicke Welten im World Wide Web hin oder her.Die Vorteile elektronischer Post gegenüber dem herkömmlichen Brief- und selbst gegenüber dem Faxverkehr liegen heute deutlicher denn je auf der Hand.Außer der unglaublichen Geschwindigkeit - ein als E-Mail verschickter Brief braucht Sekunden anstelle von Tagen - und der damit verbundenen Kostenersparnis, ist es vor allem die Möglichkeit, die empfangene Nachricht direkt digital weiterverarbeiten zu können, die E-Mail nicht nur im verlegerischen und unternehmerischen Bereich attraktiv machen. Alles was man als Privatnutzer neben einem Internet-Anschluß braucht ist ein Mail-Client, ein Programm also, das es erlaubt, E-Mail zu verfassen und abzuschicken, zu empfangen, zu lesen und anschließend auf dem eigenen PC abzulegen.Zu viel freilich darf man von diesen Programmen selbst im heutigen Multimedia-Zeitalter noch nicht erwarten.Nackter Text herrscht noch immer vor, alles andere ist meistens von einem Mail-Client zum anderen inkompatibel.Das heißt konkret: Auch wenn ein E-Mail-Programm Formatierungen wie ein ausgewachsenes Textverarbeitungsprogramm anbietet, kommen die Unterstreichungen, Fett- und Kursiv-Setzungen beim Empfänger meistens nicht an. Da ist es tröstlich zu wissen, daß sogenannte Attachments mittlerweile zur Standardausrüstung jedes Mail-Clients gehören.Als Attachment (Anlage) kann tatsächlich jede Art von Datei, ob durchgestylter Brief, Bilder oder digitale Videosequenzen, per E-Mail verschickt werden.Der Empfänger muß nur über das entsprechende Programm verfügen, mit dem er den Anhang später öffnen und ansehen kann.E-Mail ist der Internet-Dienst mit der höchsten Integrationskraft.Nirgendwo zeigt sich deutlicher, daß alle in einem einzigen, riesigen Computerverbund vernetzt sind, als an der Tatsache, daß jeder jedem eine E-Mail schicken kann. Einfache Regeln, die vor allem das Adressformat betreffen - was steht vor dem E-Mail-typischen @-Zeichen, was danach? - , machen es möglich, elektronische Nachrichten über alle Systemgrenzen hinweg zu versenden, etwa aus dem Netz eines Online-Dienstes heraus ins Internet und umgekehrt. Auch wenn E-Mail heute der wohl am weitesten verbreitete Internet-Dienst ist, zur Ruhe ist er noch nicht gekommen.Zum einen wird unter dem Stichwort "Mime" nach wie vor an einer Standardisierung formatierter und gar multimedialer E-Mail gearbeitet.Zum anderen soll schon bald eine neuartige E-Mail-Übertragungstechnik IMAP die altgedienten Protokolle SMTP und POP3 ablösen.Damit wird E-Mail womöglich zum definitiven Kommunikationsmedium des nächsten Jahrtausends werden.

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