ABENTEUER„Australia“ : Die Lady und der Viehtreiber

Sebastian Handke

Die eigensinnige britische Aristokratin Lady Sarah Ashley (Nicole Kidmann) reist ins unwegsame Australien: Sie will wissen, was ihr Ehemann auf seiner bankrotten Farm Faraway Downs eigentlich treibt. Unterwegs trifft sie den raubeinigen Viehtreiber Drover (Hugh Jackmann). Schon bald verfallen sie in tiefe gegenseitige Abneigung. Um die Farm aber vor dem Ruin und der Übernahme durch Viehbaron King Carney zu retten, müssen sie sich zusammentun, und einen Treck von 1500 Rindern quer durchs Outback in die Hafenstadt Darwin treiben.

Nach Abschluss seiner sogenannten „Red Curtain“-Trilogie mit „Strictly Ballroom“, „Romeo und Julia“ und „Moulin Rouge“ kündigte Luhrmann an, er werde sich jetzt dem epischen Film zuwenden. Sein erstes Projekt über Alexander den Großen scheiterte nach Jahren der Vorarbeit daran, dass Oliver Stone mit seinem Film schneller war. Stattdessen also jetzt das große Werk über sein Heimatland Australien. Romanze, Abenteuer und historisches Epos in einem. Nach einer temporeichen Eröffnung mit allerlei Orts- und Zeitsprüngen nimmt sich Baz Luhrmann zwar zurück und verkneift sich viele der Eigenheiten, für die er berühmt ist. Doch seinen Stil kann er nicht ablegen: Jedes Bild ist stilisiert, jeder Moment hat gleich viel Gewicht. Ein klassischer Tragödienstoff wie „Romeo und Julia“, der sich mit einer ganz bestimmten Mechanik bis zum unvermeidlichen Schluss entfaltet, passt perfekt zu dieser Filmsprache. Ein breit angelegtes Melodram aber muss auch mal innehalten, muss be- und entschleunigen. Die Zutaten müssen sorgfältig, manchmal auch beiläufig ausgelegt sein, damit sich zum großen Finale die ganze Wucht voll entfalten kann. Diese Art der Aufbereitung beherrscht Luhrmann nicht. Manches wirkt sogar fast schlampig aneinandergefügt.

„Australia“ vermag daher nicht so zu überwältigen, wie man sich das von einem Film dieser Art erhofft. Das bedeutet nicht, dass Luhrmanns Heimatfilm nicht sehenswert wäre. Einige der Episoden sind für sich genommen sogar sehr gelungen. Nicole Kidmann ist zwar nicht die „leading lady“, die ein solcher Film bräuchte, erledigt ihre Aufgabe aber – wie die anderen Darsteller auch – recht gut. Der Beste ist allerdings Brandon Walters als Aborigine-Waisenjunge Nullah: Seine Leistung erst gibt diesem Film seine Seele. Opulentes Epos. Sebastian Handke

„Australia“, AUS 2008, 165 Min., R: Baz Luhrmann, D: Nicole Kidmann, Hugh Jackmann

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben