ABENTEUERFILM„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ : Höllenritt im Kühlschrank

Sebastian Handke

19 Jahre sind vergangen, jetzt ist der Archäologe mit der Peitsche und dem Fedora-Filzhut wieder da. Regisseur Steven Spielberg, Produzent George Lucas und Hauptdarsteller Harrison Ford haben es noch einmal getan, und siehe da: Indiana Jones ist zwar älter geworden, aber er ist weitgehend noch der Alte.

Indy steckt wie immer in Schwierigkeiten. Nach einer unfreiwilligen Konfrontation mit dem KGB und einem Höllenritt im Kühlschrank während eines Atombombentests verliert er auf Druck der US-Regierung seinen Lehrstuhl. Jones will sich gerade nach Europa aufmachen, da taucht der junge Möchtegern-Rebell Mutt auf (Shia LaBeouf) und berichtet: ein alter Kollege (John Hurt) verschwand auf der Suche nach einer geheimnisvollen Reliquie – dem Kristallschädel von Akator. Indiana Jones und Mutt brechen auf zu einer Rettungsmission, die sie an die üblichen Orte führen wird: Tempel, Pyramiden, Dschungel und Grabstätten. Sie treffen dabei auf einige alte Weggefährten, eine eiskalte KGB-Agentin (Cate Blanchett), fleischfressende Ameisenhorden und Jones’ alte Liebe Marion (Karen Allen).

Es mag zwar kaum vorstellbar sein, dass ein Abenteuer von Indiana Jones nicht zum Kassenerfolg wird. Doch Spielberg, Lucas und Ford gingen mit „Königreich des Kristallschädels“ durchaus ein Risiko ein: So groß waren die Erwartungen an einen Film schon lange nicht mehr. Denn für eine ganze Generation von Kinogängern war „Jäger des verlorenen Schatzes“ 1981 die Wiederentdeckung eines lustvoll verspielten Abenteuerkinos, das in den dreißiger und vierziger Jahren seine Blütezeit hatte, danach aber in Vergessenheit geriet. Dass dieser vierte Film nicht enttäuscht, ist daher keine geringe Leistung. „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ erfüllt die Erwartungen – aber eben auch nicht mehr. Dem Film ist anzumerken, dass es nicht ganz leicht war, den alten Zauber wieder einzufangen. Er wirkt, als habe man seine Bestandteile gemäß der alten Blaupause zusammengeflickt, ohne dass dabei ein organisches Ganzes entstanden wäre. Davon abgesehen kann man hier allerdings großen Spaß haben – in einem Film, der ziemlich altmodisch ist und doch um vieles unterhaltsamer als die meisten der aufgeblasenen Hollywood-Blockbuster der letzten Jahre. Altmodischer Abenteuerspaß. Sebastian Handke

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, USA 2008, 122 Min., R: Steven Spielberg, D: Harrison Ford, Shia LaBeouf, Cate Blanchett, John Hurt, Karen Allen

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