Zeitung Heute : Abenteuerlich: Mobile Datenübertragung

PETER KNAAK

Mit dem "Smart-Phone" mutiert das Handy zum Internet-Surfbrett / Abschreckende Zusatzkosten VON PETER KNAAK

Der Mobilfunk in digitalen Netzen ist gut fünf Jahre alt und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.Schon bald nach dem Netzstart konnte man auch Daten per Mobiltelefon übertragen, doch diese spezielle Spielart des Mobilfunks ist nach wie vor ein Exot.Die Gründe liegen auf der Hand und sind überwiegend hausgemacht: Bis zu tauend Mark für das Equipment (ohne Notebook) sind angesichts der Handypreise von zuweilen nur ein paar Pfennig recht happig. Die Schnittstellen am Computer nach dem Standard PC-Card wurden jährlich neu definiert und von älteren Rechnern/Betriebssystemen nicht reibungslos unterstützt.Ähnliches trifft auch für die Software der Mobiltelefone zu, die stets aufs Neue der technischen Entwicklung der Funknetze folgen müssen. Datenübertragungsraten von maximal 9600 Bit pro Sekunde lösen im ISDN-Zeitalter mit zwei Kanälen mit je 64 Kilobit keinen Geschwindigkeitsrausch aus. Wer Faxsendungen und Daten mobil empfangen will, muß einen gesonderten Vertrag mit seiner Telefongesellschaft abschließen und dafür monatlich eine Grundgebühr von rund 25 Mark zahlen - zusätzlich zu den happigen Telefonkosten. Ein weiterer Wermutstropfen für alle, die bei Tempo 200 vom Auto aus auch noch im Internet surfen wollen: Die Übergabe der Telefonverbindung von Funkzelle zu Funkzelle gestaltet sich bei derart hoher Geschwindigkeit so kompliziert, daß die Datenverbindung garantiert zusammenbricht.Es empfiehlt sich also nicht nur wegen der Verkehrssicherheit, Daten und Faxsendungen am besten aus dem geparkten Auto heraus zu senden und zu empfangen. Mehrere Ansätze gibt es derzeit, das Triumvirat Notebook, PC-Card/Datalink und Handy zu einer besser handhabbaren Einheit zusammenzufassen.Sie entsprechen dem Trend zu einfacher Handhabung mobiler Datenverbindungen, aber erst eine davon ist marktreif: Das Nokia 9000, der sogenannte Communicator, ist eine Symbiose aus Organizer, also einem elektronischen Notizbuch, und Handy.Das Handy ist der dicke Deckel des Organizers, beides spielt reibungslos zusammen.Die Kosten von knapp 3000 Mark (Listenpreis) oder rund 2200 Mark bei gleichzeitigem Vertragsabschluß verschlagen einem zwar erst einmal den Atem, relativieren sich jedoch im Vergleich zu den Kosten von Notebook und PC-Card.Über Mikrofon und Lautsprecher des Organizers wird Freisprechen möglich.Parallel kann auf dem Datenkanal gearbeitet werden - schließlich bezahlt man für zwei "Leitungen".Dieses Gerät ist jedoch nur der technologisch und vom Gewicht her etwas schwerfällige Vorläufer vernetzter Handys, die als "Smart Phone" angekündigt worden sind. "Smart Phone" ist das Schlagwort für internetfähige Mobiltelefone.Ausgestattet mit einem besonders großen, womöglich berührungsempfindlichen Display können sie vor allem eins gut: E-Mails über das Netz der Netze empfangen und versenden.Auch surfen läßt sich mit ihnen im Internet, wurde angekündigt.Doch wer die bunten WWW-Seiten kennt, wird an den etwa 30 Quadratzentimeter großen Displays wohl nicht viel Freude finden.Motorolas "Smart Phone", im Prototyp bereits vorgestellt und für das Jahresende angekündigt, zeigt im Display jedenfalls nette Icons im Stile des US Robotics Pilot und ist über das berührungsempfindliche Display stiftgesteuert.Bei Alcatel (Modell One Touch Com), Ericsson, Sharp (Modell PMC 1) und Siemens wird mit Hochdruck an vergleichbaren Lösungen gearbeitet. "Cellular Data Card".Dieser Lösungsansatz war zur Computermesse CeBIT im März dieses Jahres im Gespräch.Es handelt sich um Nokias Idee, in die bekannte PC-Card den Chipsatz der Funktelefone und den Steckplatz für die SIM-Karte zu integrieren.Über eine Stummelantenne an der "Cellular Data Card" werden Datenverbindungen direkt vom Notebook aus hergestellt.Der Nachteil dieser Lösung: Telefonieren kann man mit der Mobilfunk-PC-Card nicht.Gespannt sein kann man auf die Preise solcher PC-Cards und ob es den Entwicklern gelingt, für Multimedia-Notebooks (mit Soundkarte, Lautsprecher und Mikrofon) doch noch eine Freisprechvariante zum Telefonieren zu integrieren. Über die serielle Schnittstelle, mit der jeder kleine und große Rechner ausgestattet ist, kann inzwischen direkt die Verbindung zwischen Computer und Handy hergestellt werden.Der teure und störanfällige Umweg über eine PC-Card entfällt. Die Idee und entsprechende Prototypen stellte man auf der CeBIT vor, ob genug Hersteller auf diesen Zug aufspringen, bleibt abzuwarten.Jedenfalls sind die "Cellular Data Card" und die Kopplung via serieller Schnittstelle so konzipiert, daß sie in Microsofts Betriebssystem Windows CE und damit in die kommende Generation sogenannter Handheld PC integriert werden können.Nur wenig größer als bisherige Organizer sollen diese Mini-Notobeooks mit dem Mini-Windows 95 ab dem Herbst den Markt der mobilen Datenbearbeitung aufrollen - was liegt näher, als sie gleich auch mobilfunkfähig zu machen?

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar