Zeitung Heute : Aber ganz gewiss

Wie die USA in der Kubakrise sich selbst und dann die UN mit Satellitenfotos überzeugten

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Kategorisch hatte die Sowjetunion bestritten, auf Kuba Atomraketen zu stationieren. Doch dann präsentierte der amerikanische UNBotschafter Adlai Stevenson effektvoll den Beweis: Am 25. Oktober 1962 hielt er im UN-Sicherheitsrat seinem russischen Kollegen Valerian Sorin Luftaufnahmen von den Abschussrampen unter die Nase. Die sowjetische Propaganda- und Lügenmaschine war damit gestoppt. Vor Außenminister Colin Powells gestrigem Auftritt im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wurde oft an diese Episode erinnert; wobei die Situation vor allem vergleichbar ist mit der Vorgeschichte des Stevenson-Coups: Kurz nachdem John McCone CIA-Direktor wurde, berichtete er an Präsident John F. Kennedy, sein Nachrichtendienst habe Luftabwehrraketen sowjetischer Herkunft auf Kuba entdeckt. Seine Geheimdienstexperten und auch die meisten Fachleute im Nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten meinten, diese dienten lediglich der Sicherung von Flugplätzen und Häfen. Doch der CIA-Chef selbst glaubte, Vorboten einer Stationierung von Atomraketen entdeckt zu haben. Für beide Lesarten gab es gewichtige Gründe, aber keine handfesten Beweise. Erst die Entscheidung des Kennedys, die riskanten Aufklärungsmaßnahmen gegen Kuba zu intensivieren, brachte Gewissheit. psi

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