Zeitung Heute : Abgekoppelt

Seit im Bahnhof Zoo keine Fernzüge mehr halten, ist es mit dem Gedränge dort vorbei Die Händler sehen sich in ihrer Existenz bedroht, und die Proteste gehen weiter

Cay Dobberke

„Fernzüge“, steht noch auf einem Wegweiser im Bahnhof Zoo. Aber das Schild ist nur ein Relikt, das die Deutsche Bahn wohl übersehen hat. Trotz aller Proteste ist die Station seit Ende Mai vom Fernverkehr abgekoppelt, die ICE-Züge fahren durch zum neuen Hauptbahnhof in Mitte. Seitdem ist in der Eingangshalle nicht mehr viel los.

Neben Reisenden trifft das vor allem die Geschäftsleute im Bahnhof. „Früher war es bei mir voll“, sagt eine Souvenirhändlerin, die am Nachmittag lange allein in ihrem Laden bleibt – wie auch der Mann in der Hotelreservierung.

„Bis Ende August werde ich über Entlassungen nachdenken müssen“, fürchtet Marina Wachsmuth, die seit neun Jahren den Kaffee- und Süßigkeitenladen „arko“ mit mehreren Mitarbeiterinnen betreibt. „Wenn es so weitergeht, müssen wir zum Jahresende schließen.“ Neben ihrer Kasse hat 39-Jährige Unterschriftenlisten für den Fernbahnhof ausgelegt.

Das Bezirksamt, die AG City und die Initiative um Ex-Pfarrerin Helga Frisch, die mehr als 110 000 Unterschriften gesammelt hat, geben nicht auf: Die Kritiker fordern die Fernzüge beim nächsten Fahrplanwechsel zurück. Auf die erste Protestkundgebung im Mai folgt bald die nächste: am 11. Juli, 18 Uhr, am Ku’damm / Ecke Uhlandstraße.

— Informationen im Internet:

www.haende-weg-vom-

bahnhof-zoo.de

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