Zeitung Heute : Abseits vom Trubel

Die Wilmersdorfer Straße lässt sich in drei Abschnitte einteilen. Nur im nördlichen Bereich, an der Zillestraße, liegt ein Teil der Altstadt Charlottenburgs

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Von Waltraud Hennig-Krebs Dass die Wilmersdorfer Straße eigentlich zu Charlottenburg gehört, weil sie, wie es häufig in Berlin geschieht, nach der Richtung benannt wurde, in die sie führt, nämlich von Charlottenburg nach Wilmersdorf, hat nach der Fusion der beiden Bezirke etwas an Bedeutung verloren. Jedoch nicht die Straße selbst.

Wer die gesamte Straße entlangbummelt, wird feststellen, dass sie sich in drei Abschnitte aufteilt: Südlich zwischen Kurfürstendamm und Krumme Straße gehört sie zur Kudamm-City, in der Mitte bis zur Schillerstraße ist das quirlige Leben einer Fußgängerzone zu beobachten. Im nördlichen Bereich bis zur Otto-Suhr-Allee macht sie den Eindruck einer Einkaufsstraße im Kiez. Hier befinden sich – auch in den Seitenstraßen – zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, wobei der Familienbetrieb Rogacki weit über den Bezirk hinaus bekannt sein dürfte. Das Delikatessengeschäft ist seit 1932 in der Wilmersdorfer Straße 145 ansässig.

In diesem nördlichen Teil beginnt an der Zillestraße – 1947 benannt nach dem wohl populärsten Grafiker und Zeichner Berlins – der historische Abschnitt der Wilmersdorfer Straße. Sie ist Teil der Altstadt Charlottenburgs, deren Ursprung in dem Dreieck zwischen Schloßstrasse, Zillestraße (damals Wallstraße) und Berliner Straße (seit 1957 Otto-Suhr-Allee, benannt nach dem dritten Regierenden Bürgermeister von Berlin) liegt.

Die ersten Häuser entstanden mit dem Bau des Schlosses Charlottenburg. Vorlage war ein eingeschossiges Modellhaus aus dem Jahre 1705, ein Entwurf des preußische Schlossbaumeisters Eosander von Göthe. Der ursprünglichen Bebauung, wie sie damals vorherrschte, entspricht auch das einstöckige Ackerbürgerhaus Haubachstr. 13 Ecke Wilmersdorfer Str. 18, das sich heute in Privatbesitz befindet. An dieses Haus schließen sich zweistöckige Bauten an, die vor dem Bauboom der fünfstöckigen Mietskasernen um 1890 entstanden.

Besonders an den vier Eckhäusern an der Wilmersdorfer-/Haubachstraße lässt sich die Entwicklungsgeschichte der Altstadt Charlottenburgs ablesen. Denn diese Gebäude auf engstem Raum sind ein Spiegelbild der verschiedenen Bauformen. Die mehrgeschossigen Eckhäuser entstanden zwischen 1877 und 1902 und wurden teilweise 1985 restauriert und renoviert.

Kiezspaziergänge finden an jedem 2. Sonnabend im Monat statt. Infos unter www.Charlottenburg-Wilmersdorf. de.

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