Zeitung Heute : Acht Versuche für den Frieden

Der Tagesspiegel

Der Vorschlag des saudischen Kronprinzen Abdullah einer Anerkennung Israels durch alle arabischen Staaten, wenn sich Israel aus den 1967 besetzten Gebieten zurückzieht, ist der vorerst letzte in einer langen Reihe von Friedensplänen für den Nahen Osten. Bislang sind fast alle Bemühungen erfolglos geblieben:

Rogers-Plan (1969): US-Außenminister William Rogers legt den Plan auf Betreiben von Sicherheitsberater Herny Kissinger vor. Rogers forderte die vollständige Anerkennung der UN–Resolution 242, also den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten mit kleinen Grenzkorrekturen. Jerusalem sollte nicht geteilt werden, der endgültige Status der Stadt wurde späteren Friedensverhandlungen vorbehalten bleiben. Israel und Ägypten sollen ihr Verhältnis bereinigen und eine „ausgewogene“ Lösung für das palästinensische Flüchtlingsproblem finden.

Fahd-Plan (1981): Der saudische König Fahd legte einen Acht-Punkte-Plan vor. Darin forderte er den Rückzug Israels aus den 1967 eroberten Gebieten, Aufgabe der Siedlungen sowie das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes. Das Existenzrecht Israels wird indirekt anerkannt. Der Plan fordert einen palästinensischen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt.

Reagan-Plan (1982): Die Friedensinitiative des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan zielte auf eine Föderation zwischen den besetzten Gebieten und Jordanien ab. Er spricht sich gegen einen palästinensischen Staat aus und fordert den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten. Israel wies den Reagan-Plan vehement zurück mit der Begründung, Juden hätten das Recht, überall im „Lande Israel“ zu siedeln.

Schamir-Plan (1989): Der Plan des israelischen Ministerpräsidenten Izchak Schamir beinhaltete unter anderem Wahlen in den Palästinensergebieten, eine Interim- Autonomie mit weit reichenden Vollmachten für die Palästinenser und eine internationale Konferenz für die Lösung des Flüchtlingsproblems. Der Friedensprozess sollte eingeleitet werden, wenn die Intifada vollständig beendet wird. Allerdings sollten die Bewohner Ost-Jerusalems ausgeschlossen bleiben.

Mubarak-Plan (1989): Der ägyptische Staatschef Husni Mubarak verlangte in einem Zehn-Punkte-Plan die Anerkennung des Prinzips „Land gegen Frieden“, einen Stopp des Siedlungsbaus und Verhandlungen mit der PLO. Freie Wahlen in den von Israel besetzten Gebieten sollten international überwacht werden.

Mitchell-Plan (Mai 2001): Der Report des früheren US-Senators George Mitchell konzentriert sich auf wenige Kernpunkte: Beendigung der Gewalt, Vertrauensbildung, Wiederaufnahme von Friedensgesprächen und Stopp des Siedlungsbaus.

Tenet-Plan (2001): Das Konzept von CIA-Chef George Tenet sieht vor, dass die Palästinenser alle Gewalt stoppen und Israel zeitgleich mit der Aufhebung der Blockade der Palästinensergebiete und dem Abzug der Truppen auf die Ausgangspositionen vor dem 28. September 2000 beginnen soll.

Abdullah-Plan (2002): Saudi-Arabiens Kronprinz Abdullah schlägt in einem Gespräch mit der New York Times vor, dass alle 21 arabischen Länder Israel anerkennen und mit Sicherheitsgarantien versehen sollen, wenn sich Israel im Gegenzug auf die Grenzen vor Beginn des Sechs-Tage-Krieges von 1967 zurückzieht. Beim Gipfel der Arabischen Liga im März wird der Plan leicht verändert übernommen. M.G.

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