ACTION-KRIMI„Sherlock Holmes“ : Das schlampige Genie

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Blues in der Baker Street: Meisterdetektiv Sherlock Holmes hängt schlaff in seiner Wohnung rum. Den zerschlissenen Morgenmantel scheint er schon seit Tagen nicht mehr abgelegt zu haben, und irgendwelche Drogen sind wohl auch im Spiel. Zum Glück kommt Doktor Watson, reißt das Fenster auf und bringt die Nachricht, dass der zum Tode verurteilte Lord Blackwood ihn sprechen will. Den mehrfachen Mörder und schwarzen Magier hatten Holmes und Watson eigenhändig zur Strecke gebracht. Durch die Gitterstäbe kündigt er neuen Schrecken an – und tatsächlich geht die Jagd auf den finsteren Lord erst nach dessen Hinrichtung richtig los.

Sherlock Holmes ist ganz in seinem Element – wären da nicht die Heiratspläne von Watson, der gerade seinen Auszug aus der Baker Street vorbereitet. Immer wieder muss ihn Holmes mit kleinen Tricks zur Mitarbeit zwingen. Und ziemlich eifersüchtig auf die Verlobte ist er auch.

Holmes und Watson sind ein Traumpaar, die besten Kumpels, die härtesten Hunde. Mit dieser Sorte Kerle kennt sich Regisseur Guy Ritchie aus, wie man seit „Bube Dame König Gras“, „Snatch“ und zuletzt „RocknRolla“ weiß. Nun wendet er seinen Buddymovie-Zugriff auch auf Sir Arthur Conan Doyles berühmteste Figuren an. Und es funktioniert hervorragend Sein „Sherlock Holmes“ ist eine entstaubte, fast poppige Sichtweise auf den Stoff. In bester Ritchie-Tradition stehen die Verfolgungsjagden und Prügelszenen, die Holmes-Darsteller Robert Downey Jr. (Foto, rechts) Gelegenheit geben, seine beeindruckende Fitness zu demonstrieren. Mit Strubbelfrisur und immer etwas schief sitzenden Klamotten wirkt er fast wie eine viktorianische Version seines „Ironman“. Holmes’ beeindruckende Beobachtungs-, und Kombinationsgabe zelebriert er lässig wie ein hochbegabter Dandy. Dass Downey Jr. Amerikaner ist, vergisst man ebenso schnell wie Jude Laws Schönlingsimage (der Schnurrbart macht’s!).

Ein großes Plus von „Sherlock Holmes“ ist zudem der überzeugende Bösewicht Lord Blackwood, den Mark Strong angemessen finster und raunend verkörpert. Einziges Manko: Die computeranimierten Panoramen vom London der 1890er Jahre sehen seltsam platt und billig aus. Gelungene Modernisierung. Nadine Lange

„Sherlock Holmes“, GB 2009, 128 Min., R: Guy

Ritchie, D: Robert Downey Jr., Jude Law, Rachel McAdams, Mark Strong

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