ACTION„The Expendables“ : Macht sie alle!

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Die Schiffsentführer wollen die Geiseln nicht freilassen, obwohl im Laderaum des gekaperten Frachtschiffes ein halbes Dutzend rote Laserzielpunkte auf sie gerichtet sind? Batsch, dann kleben sie eben als Piratenpüree an der Bordwand, nachdem ihnen ein Söldnerkommando mit großkalibrigen Feuerwaffen den Garaus gemacht hat. Nur mit der fachgerechten Aufknüpfung eines der renitenten Geiselnehmer seitens des besonders gewaltbereiten Gunnar (Dolph Lundgren) mag sich Chefsöldner Barney (Sylvester Stallone) nicht anfreunden.

Wer familientaugliches Actionentertainment erwartet, sollte einen weiten Bogen um Sylvester Stallones achte Regiearbeit machen. „The Expendables“, zu Deutsch die Entbehrlichen, schert sich einen Dreck um politische Korrektheit oder die vermeintlichen Zumutbarkeitsgrenzen bei der Darstellung von Gewalt. Während der bemerkenswert unprofessionell ablaufenden Aktionen der handverlesenen Truppe käuflicher Kampfmaschinen fliegen im buchstäblichen Sinne die Fetzen, wobei die körperliche Totalversehrtheit der gegnerischen Kombattanten fast schon Ehrensache ist.

Die Mischung aus zähen Mann-gegen-Mann- Faustkämpfen und pyrotechnischem Dauergeballer mit maximalem Bodycount hat ihre eigene grelle Komik, zumal sie immer wieder von selbstironischen Einschüben gebrochen wird, wenn die alternden Recken die körperlichen Abnutzungserscheinungen des ewigen Söldnerdaseins beklagen.

Aufgrund seiner freundschaftlichen Verbundenheit mit vielen (Ex-)Kollegen konnte Stallone bei der Besetzung aus dem Vollen schöpfen: Neben dem „Rocky“-Prügelknaben Lundgren halten noch Mickey Rourke, Jet Li und etliche Protagonisten aus der zweiten Actiondarstellerliga ihre zerfurchten Gesichtslandschaften und aufgepumpten Bizepse vor die Kamera. Zudem gibt es ein wunderbares Cameo mit Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger.

Man hätte vorab nicht unbedingt geglaubt, dass die Welt auf ein bis zur Überzeichnung brutales Update von Söldnerfilm-Klassikern wie „Die Wildgänse kommen“ oder „Das dreckige Dutzend“ gewartet hat. Doch die bisherigen Einspielergebnisse strafen die Zweifler Lügen. Gerade in Zeiten, in denen sich der Actionfilm immer mehr von der physikalischen Nachvollziehbarkeit löst, scheint Stallones altmodisches Körperkino einen Nerv zu treffen. Brutaler Söldnerfilmspaß. Jörg Wunder

USA 2010, 104 Min., R: Sylvester Stallone,

D: Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Mickey Rourke, Giselle Itié

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