Zeitung Heute : Ägypten und der Wahlmarathon

Freie Universität Berlin lud zu Podiumsdiskussion in der Hauptstadt Kairo.

Florian Kohstall
Viele Zuhörer in Kairo: Die Diskussionsrunde im Rahmen der Reihe „Cairo Talks“ stieß auf großes Interesse. Foto: Stephanie Mueller
Viele Zuhörer in Kairo: Die Diskussionsrunde im Rahmen der Reihe „Cairo Talks“ stieß auf großes Interesse. Foto: Stephanie Mueller

Vor zehn Monaten trat der ägyptische Präsident Hosni Mubarak als Reaktion auf die Volksproteste zurück. Seit zwölf Tagen nun und noch bis Anfang Januar sind rund 40 Millionen Menschen aufgerufen, bei der Parlamentswahl ihre Stimme abzugeben. Wohin steuert Ägypten? Fragen, über die am ersten Tag der Wahl Experten in der ägyptischen Hauptstadt Kairo diskutierten. Zu der Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Cairo Talks on Transformation and Change“ hatten das Verbindungsbüro der Freien Universität, der Deutsche Akademische Austauschdienst und das Orient-Institut Beirut eingeladen.

Die Politikwissenschaftlerin Ivesa Lübben von der Universität Marburg hob in der Diskussion hervor, dass es noch eine Reihe von Unwägbarkeiten gebe: So sei nicht klar, welche Kompetenzen das neue Parlament haben solle, solange der Oberste Militärrat die Zügel in der Hand halte. Es gebe einen Konflikt zwischen dem Militär, den Demonstranten des Tahrir-Platzes und dem Rest der Bevölkerung. Samer Soliman von der American University in Cairo sieht durch das neue Wahlsystem eine klare Entwicklung zu mehr Parteipolitik in Ägypten, begünstigt durch das Listenwahlrecht. Naiera Ellethy berichtete über die Arbeit einer unabhängigen ägyptischen Organisation, die die Wahlen mit insgesamt 13 000 Mitarbeitern beobachtet. Es sei zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten gekommen; im Vergleich zu früheren Wahlen sei aber eine erhebliche Verbesserung festzustellen.

Im neuen Parlament wird möglicherweise auch ein Ehemaliger der Freien Universität vertreten sein: Ersten Ergebnissen zufolge kann sich Amr Hamzawy – der an der Freien Universität promoviert und gelehrt hat – Hoffnungen auf einen Sitz machen. Florian Kohstall

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