Zeitung Heute : Afghanen sind für die Zukunft optimistisch Umfrage: Deutschland verliert an Ansehen

Berlin - Trotz Terror, Korruption und Armut blickt zum ersten Mal seit Jahren eine Mehrheit der Afghanen optimistisch in die Zukunft. 70 Prozent der Menschen am Hindukusch sehen ihr Land auf dem richtigen Weg. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von WDR/ARD, des US-Senders ABC und der britischen BBC. Dafür wurden mehr als 1500 Afghanen befragt. In der Studie heißt es zudem, dass das Ansehen Deutschlands gelitten habe. Einerseits habe sich nach Ansicht der Afghanen die Sicherheitslage im deutschen Einsatzgebiet im Norden des Landes deutlich verschlechtert, andererseits hätten sich die von der Bundeswehr befohlenen Luftangriffe auf zwei Tanklaster Anfang September, bei denen bis zu 142 Menschen starben, negativ auf das deutsche Image ausgewirkt. Der Anwalt der Hinterbliebenen, der Bremer Jurist Karim Popal, sagte am Montag, er stehe mit dem Verteidigungsministerium kurz vor einer Einigung über Entschädigungen.

Der Umfrage zufolge sind 70 Prozent der Afghanen überzeugt, dass es ihnen im nächsten Jahr besser gehen wird, 61 Prozent erwarten, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Präsident Hamid Karsai geht trotz der seinem Lager angelasteten Wahlbetrugsvorwürfe mit breitem Vertrauensvorschuss in seine zweite Amtszeit. Drei von vier Afghanen sagen, Karsai leiste gute Arbeit, und trauen ihm zu, Sicherheit und Stabilität im Lande zu verbessern. Dabei halten 95 Prozent die Korruption für ein drängendes Problem. „Im Moment scheint die Stimmung in Afghanistan besser zu sein als die Lage“, resümierte WDR-Auslandschef Arnd Henze, der die Umfrage betreute.

Nach ihrer Kritik am Afghanistaneinsatz hat Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, zu einem Truppenbesuch am Hindukusch eingeladen. In einem Gespräch am Montag vereinbarten die beiden zudem einen intensiveren Dialog. lem

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